Neuregelung wird von Bürgermeistern vehement abgelehnt
Di., 31.01.2012
Notfallpraxis in Not
Künftig nur noch am Wochenende sowie an Feiertagen geöffnet: die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte im Verwaltungsgebäude des Marien-Hospitals.
Lüdinghausen -
Die Notfallpraxen in der Steverstadt und in Coesfeld sind künftig nur noch an den Wochenenden und an Feiertagen besetzt. Dies sieht eine Neuregelung durch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe vor, die schon morgen in Kraft tritt. Über diese Änderung seien die Kommunen in keiner Weise informiert worden, betonte gestern Bürgermeister Richard Borgmann. Und sein Coesfeld Amtskollege Heinrich Öhmann ergänzte: „Sie ist nicht sinnvoll und nicht vernünftig.“
|
|
Nur durch „Zufall“ habe man von der Neuregelung im Bereich Notfallpraxis erfahren, betonte Bürgermeister Richard Borgmann gemeinsam mit seinem Coesfelder Amtskollegen Heinrich Öhmann am Montag im Pressegespräch. Bereits ab morgen (1. Februar) werden die von den niedergelassenen Ärzten betreibenen Notfallpraxen in Lüdinghausen und Coesfeld wochentags geschlossen bleiben. Künftig müssen Patienten sich zur Versorgung in die am St.-Vincenz-Krankenhaus in Dülmen angesiedelte Notfallpraxis begeben.
Die Notfallpraxen in der Steverstadt und in Coesfeld sind nur noch an den Wochenenden und an Feiertagen besetzt. Über diese Änderung seien die Kommunen in keiner Weise informiert worden, betonte Borgmann. Und Öhmann ergänzte: „Sie ist nicht sinnvoll und nicht vernünftig.“
Ganz anders beurteilt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund die Situation. „Wir haben die Bürgermeister frühzeitig informiert“, erklärte gestern auf Nachfrage der WN deren Pressesprecher Christopher Schneider. Die Schließung der Notfallpraxen in Lüdinghausen und Coesfeld an den Wochentagen sei vor einem wirtschaftlichen Hintergrund zu sehen. Es habe schlicht zu wenig Patienten gegeben – was die Bürgermeister ausdrücklich bezweifeln. Trotz der Neuregelung blieben „die Patienten in keinster Weise unversorgt“, betonte Schneider. Schließlich hätten sie die Entscheidung, nach Dülmen zu fahren, den ärztlichen Fahrdienst zu alarmieren oder in akuten Notsituationen die Notfallambulanz des St.-Marien-Hospitals aufzusuchen.
Und genau das erbost die beiden Bürgermeister. Die KV nehme bewusst in Kauf, dass Patienten das Krankenhaus aufsuchten. Damit würden Arbeit, Kosten und Verantwortung abgeschoben. Die KV wolle sich langfristig aus der Notfallversorgung herausstehlen. Gesprächsversuche mit den Verantwortlichen der KV seien bislang ergebnislos geblieben.
Jetzt hat man schwereres Geschütz aufgefahren. Borgmann und Öhmann haben sich schriftlich an das NRW-Gesundheitsministerium gewandt. Das möge die Rechtslage prüfen und die bisherige Praxis der Notdienste wieder in Kraft setzen.
KV-Sprecher Christopher Schneider ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass die von der KV angekündigte Regelung am morgigen Mittwoch auch umgesetzt werde. „Wir sind gerne bereit, den Bürgermeistern unsere Motivation zu erläutern“, reagierte er auf den Protest der Bürgermeister in Lüdinghausen und Coesfeld.
Auch die betroffenen Ärzte vor Ort wollen sich mit dem neuen System nicht anfreunden. In einer Stellungnahme des Ärztevereins Lüdinghausen-Selm-Olfen heißt es unter anderem: Die Mediziner seien „mit der neuen Notdienstregelung nicht sehr glücklich“. Der erste Vorsitzende Dr. Rainer Drerup beklagt, dass die ortsnahe Versorgung der Patienten sich verschlechtere. Und: Die neue Regelung sei „durchweg über die Köpfe der betreffenden Ärzte“ von der KV installiert worden.
