Storno – der etwas andere Jahresrückblick begeistert das Publikum

Sa., 28.01.2012

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Pointierter Rundumschlag

Storno – der etwas andere Jahresrückblick begeistert das Publikum : Pointierter Rundumschlag

Thomas Philipzen (v.l.), Harald Funke und Jochen Rüther aus Münster brachten mit Storno – ihrem etwas anderen Jahresrückblick – die Realschulaula zum Toben. Die Veranstalter, die „Freunde der Kleinkunst“, hatten den Nerv des Publikums getroffen. Foto: weze

Lüdinghausen - 

„Diese Truppe muss ins Fernsehen! Da kann so mancher Comedian aber einpacken“, meinte – bestimmt nicht nur – ein Zuschauer am Donnerstagabend in der rappelvollen Aula der Realschule. Bei vielen immer noch ein Geheimtipp: Die drei von der Kabarettgruppe „Storno“ aus Münster, Jochen Rüther, Harald Funke und Thomas Philipzen, ließen die Ereignisse des Jahres 2011 auf umwerfend komische Art Revue passieren. Verseuchte Sprossen, Fukushima, FDP, die Adelshochzeit von William und Kate im „englischen Zirkus Krone“, Merkel und Sarkozy, ergaunerte Doktor-Titel, Ratingagenturen und der Papstauftritt im Bundestag ergaben mit pointierten, intelligenten und immer witzigen Bemerkungen einen durch und durch gelungenen „Rundumschlag“, der die Lachmuskeln andauernd strapazierte.


Das Trio brillierte mit einer mitreißenden Ladung von exzellentem Wortspiel, gepaart mit anspruchsvollem Humor, wobei sie den kritischen Blick auf die Gesellschaft nicht vermissen ließen, ohne dabei besserwisserisch aufzutreten. Auch die Nachdenklichkeit kam bei allem Spaß nicht zu kurz.

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Versicherungsausflüge mit Sexvergnügen, Bücher des Jahres von Fußballspieler Philipp Lahm („das ist wie Schach, nur ohne Würfel“), Zeilen aus „Schoßgebete“ von Charlotte Roche und „Die Patchwork-Lüge“ von Melanie Mühl waren eher die Lifestyle-Themen von „Storno“, die auch immer wieder das Publikum in ihr Programm mit einbezogen, so als sei es ein privater Spaß mit Freunden, auch das macht „Storno“ so sympathisch.

Aber auch bei Themen der Weltwirtschaft (Schulden- und Eurokrise) gingen die Zuschauer begeistert mit, als Akteur Harald Funke berichtete, dass er wegen der Eurokrise in Sachwerte geflüchtet ist und nun den ganzen Keller voll mit 60-W-Glühlampen hat. Oder auf die verschuldeten Südeuropäer gemünzt: „Jetzt steh ich hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr!“

Der Saal tobte bei jedem der Wortspiele – und die folgten Schlag auf Schlag. Auch die Gesangseinlagen gefielen den Besuchern sehr gut, so wurde zum Beispiel „Blowing in the wind“ genial von Funke umgetextet und mit Piano- und Gitarrenbegleitung eindrucksvoll und mitreißend in Szene gesetzt. Ein bisschen makaber war die Ernennung Gaddafis zum „Operetten-Diktator“ aufgrund seiner immer strahlenden Uniformen.


Die Politik kam natürlich auch nicht ungeschoren davon: Der FDP-Schuh mit einer „18“ auf der Sohle wurde schnell zu „1,8“ umetikettiert und Angela Merkels Spruch „Die Einlagen sind sicher“, passte dann wie Faust aufs Auge, ebenso die Tatsache, dass Peer Steinbrück von Helmut Schmidt mal eben zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt wurde.

Ihr Fett bekam nebenbei Kanzlerin Angela Merkel als Meinungswechslerin („die Geflügelwurst der deutschen Politik“) weg, denn „Man weiß nie, was drin ist.“ Zum Schluss wurde ihr aber die Krone aufgesetzt, wobei „Potenzfrettchen“ Nicolas Sarkozy ihr im Nacken saß. Was das Dreier-Gespann fast drei Stunden lang mit überragender Bühnenpräsenz zum unbändigen Vergnügen des Auditoriums vorführte, war Unterhaltung, wie man sie sich wünscht: Geistreich, amüsant und gespickt mit vielen originellen Ideen. Zu Recht langanhaltender Applaus eines restlos begeisterten Publikums.


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