Fr., 09.05.2014

Vandalismus auf jüdischem Friedhof Kein Dummjungenstreich

Aus der Verankerung gerissen wurden zwei Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof. Der Staatsschutz ermittelt gegen Unbekannt.

Aus der Verankerung gerissen wurden zwei Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof. Der Staatsschutz ermittelt gegen Unbekannt. Foto: ben

Lüdinghausen - 

Mitten in der Innenstadt liegt der jüdische Friedhof. Allerdings so versteckt – am schmalen Fußweg zwischen dem Parkplatz an der Steverstraße und der Liudo­straße – dass man ihn schon suchen muss. Heimgesucht dagegen wurde er schon Ende Februar offensichtlich von unbekannten Vandalen, die dort zwei Grabsteine mit massiver Gewalt umschmissen.

Von Beate Nießen

Bemerkt wurde der Schaden von einer Mitarbeiterin des städtischen Bauamts, erklärt dessen Leiter Björn Herrmann . „Wir haben sofort die Polizei informiert und auch inzwischen die jüdische Gemeinde in Dortmund kontaktiert.“ Die ist für Lüdinghausen zuständig und muss ihr Einverständnis geben, bevor auf dem Friedhof die notwendigen Arbeiten von der Verwaltung veranlasst werden können. Die Kommune erhält vom Land eine jährliche Pauschale für die Pflege des Friedhofs. „Und von diesem Geld werden wir einen Steinmetz bezahlen“, so Herrmann.

„Ich kenne den Friedhof gut“, erzählt Wolfgang Polak , Vorstandsmitglied der Gemeinde in Dortmund und für die jüdischen Friedhöfe in ganz Westfalen zuständig. „Ich besuche alle Friedhöfe in größeren Abständen. Und ein solcher Vorfall ist mir von Lüdinghausen bisher nicht bekannt. Das ist natürlich sehr schade, besonders weil es ein sehr schöner Friedhof ist.“ Bei dem Friedhof handelt es sich laut Polak um einen „geschlossenen Friedhof“, da hier keine Bestattungen mehr stattfinden.

Dass die Schändung kein Dummjungenstreich ist, sondern gezielt geschah, davon ist Polak überzeugt: „Es gibt leider immer noch so unverbesserliche Zeitgenossen.“

Ernst genommen wird der Vorfall auch von der Polizei. „Vandalismus auf jüdischen Friedhöfen wird grundsätzlich zur weiteren Ermittlung an den Staatsschutz gegeben“, erklärt Ralf Storcks von der Kreispolizei in Coesfeld.

In den seltensten Fällen führen diese allerdings zum Erfolg, wie Wolfgang Polak weiß. „Wenn es keine Zeugen gibt, ist das sehr schwierig.“ Noch in diesem Frühjahr will er nach Lüdinghausen kommen. Und vielleicht hat bis dahin ja ein Steinmetz dafür gesorgt, dass die Würde der hier begrabenen jüdischen Lüdinghauser Bürger wiederhergestellt ist.

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