Sa., 13.12.2014

Orgel von St. Felizitas wird gestimmt So klingt klassische Wertarbeit

Alle Hände voll zu tun hat Stefan Reider im wahrsten Sinne. Hier sortiert er die dünnen Leisten aus Zedernholz, mit denen die Mechanik der Tastatur übertragen wird.

Alle Hände voll zu tun hat Stefan Reider im wahrsten Sinne. Hier sortiert er die dünnen Leisten aus Zedernholz, mit denen die Mechanik der Tastatur übertragen wird. Foto: west

Lüdinghausen - 

Da treffen zwei Welten aufeinander: Während Stefan Reider die Orgel von St. Felizitas stimmt, steht unmittelbar neben dem Spieltisch ein schwarzes Keyboard – eine elektronische Orgel. Nicht, dass Reider die Nase über das moderne Instrument rümpft. Aber es geht doch nichts über eine klassische Orgel. „Die elektronischen können heute schon sehr viel. Aber irgendwann wird der Klang langweilig“, versichert der Orgelbauer. Reider sorgte in den vergangenen Tagen dafür, dass die Orgel von St. Felizitas nicht langweilig klingt. Im Gegenteil. Ab Sonntag soll sie wieder die Gemeinde bei den Gottesdiensten begleiten – mit einem unverwechselbaren Klang.

Von Werner Storksberger

Nicht nur der Kirchenraum von St. Felizitas wurde im vergangenen Jahr grundlegend restauriert. Auch die Orgel hatte es nötig. Und eine solche Orgel überarbeitet man nicht mal so eben im „Vorbeigehen“. Kein Wunder: die Orgel verfügt über 2802 Pfeifen. Und die müssen ausgebaut werden. In der Orgelbaufirma Fleiter in Münster , für die Stefan Reider tätig ist, wurden die Pfeifen gesäubert und eingestellt. Dieses Einstellen, so erläutert der Orgelbauer, erfolgt auf rein mechanische Weise. Die eigentliche Intonierung des Instruments übernimmt der Fachmann dann vor Ort – also in der Kirche. Um zu verhindern, dass die Pfeifen wieder verschmutzen, erfolgte der Einbau und das Einstellen des Klangs erst zum Abschluss der Kirchenrenovierung.

Während beim modernen Keyboard auf elektronischem Wege die Töne erzeugt werden, dominiert bei der klassischen Orgel die Mechanik. Am Spieltisch laufen alle Fäden zusammen. Das ist wörtlich zu nehmen, obwohl die drei Manuale sowie die Pedale nicht über Fäden mit den Pfeifen verbunden sind. Hauchdünne Leisten aus Zedernholz und Drähte leiten die mechanischen Kräfte von der Klaviatur hinauf zu den Pfeifen. „Das Zedernholz ist natürlich besonders empfindlich“, erläutert Reider. Über kleine Messingschräubchen, Ledermuttern und Filzunterlegscheiben wird die Mechanik übertragen. „Das ist klassische Wertarbeit “, lobt der Orgelbauer die Arbeit, die die Kollegen 1983 bei der Erneuerung des Instruments in St. Felizitas vollendeten. Diese Wertarbeit muss allerdings auch genau justiert werden. Der Anschlag aller Tasten muss gleich sein, damit Kantor Thomas Kleinhenz nicht über kleine Höhenunterschiede „stolpert“. Und was man nicht vergessen sollte: „Ein solches Instrument verlangt eine regelmäßige Wartung.“

„Neo-Barock“ ist die Klangfarbe der Felizitas-Orgel, die am Sonntag wieder ertönt. „In unterschiedlichen Epochen haben die Orgelbauer den Instrumenten jeweils unterschiedliche Grundeinstellungen gegeben. Den Stil der jeweiligen Orgel ändern wir allerdings nicht“, erläutert der Fachmann. Und was hört der Orgelbauer, zu dessen üblichem Tagesablauf das Orgelspiel gehört, nach Feierabend? „Die letzte CD, die ich aufgelegt habe, war von Adele“, schmunzelt Reider.

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