Heribert Prantl liest aus seinem Buch „„Kindheit. Erste Heimat“
„Stellenwert der Familie nimmt zu“

Lüdinghausen -

160 Zuhörer hatte der Journalist Heribert Prantl bei der Lesung aus seinem Buch „Kindheit. Erste Heimat“ in der Burg Vischering.

Sonntag, 17.07.2016, 19:07 Uhr

Autor Heribert Prantl wurde am Freitagabend von Pfarrerin Silke Niemeyer und Markus Kleymann (l.) von der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld anlässlich seiner Lesung auf der Burg Vischering willkommen geheißen.
Autor Heribert Prantl wurde am Freitagabend von Pfarrerin Silke Niemeyer und Markus Kleymann (l.) von der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld anlässlich seiner Lesung auf der Burg Vischering willkommen geheißen. Foto: Ulla Wolanewitz

Mit 60 Gästen hatten sie gerechnet. Tatsächlich kamen 160 Besucher, die sich die Lesung mit Heribert Prantl in der Burg Vischering am Freitagabend nicht entgehen lassen wollten. Das freute natürlich Pastorin Silke Niemeyer , Reinhild Mackowiak und Markus Kleymann – als Organisatoren der Evangelischen Kirchengemeinde, der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld und dem Kulturforum KAKTuS –, obwohl es sie gleichermaßen etwas ins Schwitzen brachte.

Sie haben es schön hier. Hier fühlt man sich gleich zu Hause. Bislang dachte ich, Heimatliches gibt es nur in Bayern.

Heribert Prantl

Aber kein Problem, ausreichend Stühle konnten schnell herangeschafft werden, sodass alle mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrag des Politikjournalisten folgen konnten. Keine Frage: Der Autor versteht sich nicht nur bestens aufs Schreiben. Der gebürtige Oberpfälzer kommt auch in seiner sympathischen Vortragsweise nie arrogant oder belehrend daher, was ihn entsprechend glaubwürdig macht. Sein intelligenter Weitblick ist inspirierend, selbst wenn dabei das Thema „Heimat“ im Fokus steht. „Kindheit. Erste Heimat“ ist der Titel seines neuen Buches, das er vorstellte.

Mit den Worten „Sie haben es schön hier. Hier fühlt man sich gleich zu Hause. Bislang dachte ich, Heimatliches gibt es nur in Bayern “, sicherte sich der Leitartikler der Süddeutschen Zeitung direkt einen großen Applaus. Und dann polierte er es wieder auf, das Wort „Heimat, das wir zu lange den Nationaljournalisten überlassen haben und denen rechts außen wieder wegnehmen müssen“. Gerade in Zeiten von Globalisierung und Migration brauche der Mensch Heimat, mehr denn je. Eben ein Land, das Heimat bleibe für Altbürger und Heimat werde könne für Neubürger.

Das sei Sinn und Ziel von Integration, weil Heimat die Lebenssicherheit biete, die dem Menschen eine freie Entfaltung ermögliche. Dabei spiele die Familie als Ort eine durchaus tragende Rolle. Als Ort, „wo der Mensch zu Ende geboren werden kann, weil er dort Schutz und Nähe erfährt und sich mit seinen Schwächen zeigen darf“.

Zu bedenken gab er, dass die Blütezeit, die die Kleinfamilie in den 1960er Jahre genießen konnte, lange passé sei. Kein Werteverlust, vielmehr eine Werteverlagerung, „denn der Stellenwert der Familie nimmt zu“, betonte er und definierte „Familie“ als „Ort, an dem ein Kind erfahren kann, dass es wertvoll ist, dem Leben vertrauen kann, wo es geschützt und gestützt wird, Geborgenheit erfährt und Selbstsicherheit entwickeln kann“.

Jede Gemeinschaft, nicht nur das „Vater-Mutter-Kind-Modell“, sondern auch „Mutter-Mutter-Kind“, „Vater-Vater-Kind“, „Mutter-Kind“ und andere Modelle, die genau das bieten können, seien als Ort mit sozialer Haftung schützenswert.

Zweifelsohne war das ein absolut gelungener, spannender „Heimat“-Abend. Und die begeisterten Gäste nahmen sicherlich noch ein großes Bündel an Gedanken mit auf den Heimweg, die es Wert sind, noch einmal reflektiert zu werden. Prantls Ausführungen, sie klingen einleuchtend, wenn auch zum Teil sehr idealistisch, visionär. Und dennoch „brauchen wir Visionen. Ohne Visionen geht eine Gesellschaft zu Grunde“, versicherte er. Das zu wissen, schafft sicherlich noch keine Veränderungen, ermöglicht aber Schritte in die richtige Richtung, ist ein guter Anfang.

Als Dankeschön gab es für Prantl aus den Händen von Pastorin Niemeyer dann gehaltvolles Obst. „Heimatobst!“, flachste er und freute sich über das flüssige Präsent. Natürlich mit hochprozentigem Geist!

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