Fr., 11.11.2016

Gasteltern bieten ehemals Todkrankem ein neues Zuhause Nur die Narben bleiben

Paul und Ursula Steinebach (hinten) haben die Entscheidung für Ahmed nie bereut. Vorne Gertrud Kleingräber vom SkF Lüdinghausen und Christoph Finger vom Junikum Oer-Erkenschwick, die das Ehepaar bei der Betreuung unterstützen.

Paul und Ursula Steinebach (hinten) haben die Entscheidung für Ahmed nie bereut. Vorne Gertrud Kleingräber vom SkF Lüdinghausen und Christoph Finger vom Junikum Oer-Erkenschwick, die das Ehepaar bei der Betreuung unterstützen. Foto: Christian Besse

Lüdinghausen - 

Sie wollten „nur“ einen orientierungslosen Jugendlichen bei sich aufnehmen und für einige Wochen betreuen. Den Wunsch des Jugendamts Köln, Gasteltern für einen kranken kurdischen Jesiden zu werden, beurteilten Ursula und Paul Steinemann zunächst skeptisch. Inzwischen lebt Ahmed schon zwei Jahre bei dem Lüdinghauser Ehepaar.

Von Christian Besse

„Wir wollten eigentlich nur für einige Wochen ein verlorenes Seelchen, das zu Hause rausgeflogen ist“, erinnert sich Ursula Steinebach mit einem Schmunzeln. Damals, 2014, hatten sich die Lüdinghauserin und ihr Mann Paul , deren erwachsene Kinder aus dem Haus waren, als Gasteltern für einen hilfsbedürftigen Jugendlichen angeboten. Dann meldete sich das Jugendamt Köln .

Doch dessen Vorschlag stieß bei dem Ehepaar zunächst auf Skepsis – nicht etwa, weil der damals zwölfjährige Ahmed (Name aus Datenschutzgründen geändert) jesidischer Kurde war und aus dem Nordirak kam. Sondern deshalb, weil er noch vor kurzem todkrank gewesen war.

Als Ahmed 2012 in Deutschland ankam, litt er an aplastischer Anämie, einer Blutkrankheit. Der junge Jeside kam ins Uni-Klinikum Essen. Ahmed hatte Glück. Eine weltweite Nachfrage ergab einen passenden Knochenmarkspender, durch den der damals Zehnjährige von seiner Krankheit geheilt wurde.

Gesund war er damit noch nicht. Es folgten Komplikationen, die ihn vom Klinikum Essen nach Datteln und Köln führten. In diesen Krankenhäusern lebte er zwei Jahre lang. „Er kannte Begriffe wie ,steril‘ und ,Komplikationen‘, aber sonst nicht viel“, sagt Ursula Steinebach zu Ahmeds damaligem Wortschatz.

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Als er bei den Steinebachs ankam, haben wir Ahmed noch im Rollstuhl durch die Haustür gefahren.

Gertrud Kleingräber vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)

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„Als er bei den Steinebachs ankam, haben wir ihn noch im Rollstuhl durch die Haustür gefahren“, erinnert sich Gertrud Kleingräber vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Lüdinghausen, der das Ehepaar dem Jugendamt Köln mitvermittelt hatte. Ein halbes Jahr nach der Ankunft bei den Steinebachs musste dem Zwölfjährigen die Galle entfernt werden, die von den schweren Medikamenten im Kampf gegen die Blutkrankheit angegriffen worden war. Die vielen Narben auf Ahmeds Körper erzählen die Geschichte seiner Operationen: „Es sieht aus, als hätte er eine Schlacht geschlagen“, sagt Ursula Steinebach.

Sonst erinnert nichts mehr an den Kranken, der einst in das Haus der beiden Lüdinghauser gefahren wurde. Er hat wieder laufen, Schwimmen und sogar Wasserski-Fahren gelernt – Letzteres während der Ferien mit Steinebachs an der Nordsee. Deutsch spricht Ahmed, der In der Waldorfschule in Münster die Schulbank drückt, perfekt. „Er ist sehr lern- und wissbegierig, freut sich Ursula Steinebach. „Überhaupt nicht“, antwortet Ehemann Paul auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung je bereut hätten. „Ganz im Gegenteil“, sagt er – und schmunzelt.

Infoabend über „Junge Menschen in Gastfamilien“

Am 17. November (Donnerstag) findet eine Informationsveranstaltung zum Thema „Junge Menschen in Gastfamilien“ statt. Sie beginnt um 19.30 Uhr in den Räumen der SkF an der Liudostraße 13.

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