Di., 01.03.2016

Dunkelkonzert In Dunkelheit Musik anders erleben

Ermöglichten es ihren Zuhörern, Musik einmal anders wahrzunehmen: Gertrud Hurck-Bouillon und Aurélien Montanari.

Ermöglichten es ihren Zuhörern, Musik einmal anders wahrzunehmen: Gertrud Hurck-Bouillon und Aurélien Montanari. Foto: lina

Lüdinghausen - 

Ein außergewöhnliches Konzert erlebten die Zuhörer jetzt mit Gertrud Hurck-Bouillon und Aurélien Montanari: Sie lauschten in der Dunkelheit.

Von Alina Falke

Die wissenschaftliche Erkenntnis, nach der der Mensch Musik intensiver wahrnimmt, wenn sein Sehsinn „ausgeschaltet“ ist, machten sich am Wochenende die Altistin Gertrud Hurck-Boullion und der Pianist Aurélien Montanari zunutzen. Sie spielten im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen ein „Dunkelkonzert“: Zum einen war die Umgebung der Konzertbesucher in Dunkelheit getaucht, zum anderen thematisierten die vorgetragenen Stücke die Nacht und die Gefühle, die mit ihr einhergehen.

Gertrud Hurck-Bouillon und Aurélien Montanari war es ein Anliegen, Melodien unterschiedlicher Komponisten miteinander zu kombinieren und so die gesamte Palette der großen Gefühle in einem Konzert zu vereinen. So war zwar das Thema Nacht ein verbindendes Element des Konzerts, allerdings wurden unterschiedliche Gefühle durch die Stücke repräsentiert: Das Staunen über die Natur, die Sehnsucht, die Trauer, die Angst und das Vertrauen. In den 21 kleinen Geschichten des Abends, komponiert und erdacht von Komponisten wie Johannes Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdy, gelang des den Akteuren, all diese Gefühle facettenreich umzusetzen.

Wichtig sei es, dass sich die Zuhörerinnen und Zuhörer durch das „Ausschalten“ des Sehsinns ganz auf die sie umgebende Musik einlassen könnten und diese auf eine unbekannte Weise während dieses „musikalischen Experiments“ wahrnähmen, erläuterte Gertrud Hurck-Bouillon. Mit ihrer melodischen Altstimme schaffte sie es, sowohl Angst als auch Sehnsucht, Verzweiflung und Liebe zu verkörpern und diese Gefühle vom Notenblatt zu ihren Zuhörern zu transportieren. Durch die abwechslungsreiche Auswahl der Stücke kam ihr ganzes stimmliches Repertoire zur Geltung. So gelang es ihr bei dem Vortragen des Erlkönigs von Franz Schubert nur mittels ihrer Stimme, die zentralen Stimmungen Todesangst und Verzweiflung hervorzuheben.

Der französische Pianist Aurélien Montanari, der seit Februar 2008 Stipendiat des Vereins „Live music now“ Münsterland ist, begleitete die Altistin bei diesem „Dunkelkonzert“ auf dem Piano. Er stand seiner musikalischen Partnerin an diesem Abend in nichts nach. Seine Begleitung harmonierte mit dem Gesang und verschaffte den Zuhörern eine Leitlinie. Zudem vermochte er es in zwei instrumentalen Stücken, unter anderem „Nocturne“ von Frédéric Chopin, die intendierten Gefühle ganz ohne Gesang in den Köpfen der Zuhörer zu wecken.

Das Experiment „Dunkelkonzert“ kann am Ende als geglückt gelten – die Dunkelheit hat eine neue, eine intensivere Auseinandersetzung mit der Musik ermöglicht.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3838111?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F