Mi., 19.10.2016

Mann nach Messerattacke vor Gericht (Symbolbild)  Foto: dpa 27-Jähriger freigesprochen

Lüdinghausen/Münster - 

Aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist am Mittwoch ein 27-jähriger Mann aus Guinea. Der Asylbewerber war wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung am Landgericht angeklagt, Gutachter halten ihn aufgrund einer Psychose jedoch für schuldunfähig.

Von Klaus Möllers

Der wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung am Landgericht angeklagte Asylbewerber aus Guinea, der einen Algerier mit einem Brotmesser attackieren wollte (die WN berichteten), ist am Mittwoch aus dem Verhandlungssaal heraus und somit aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Laut Einschätzung eines Psychiaters und einer Psychologin ist der 27-Jährige an einer Psychose erkrankt und deshalb schuldunfähig. Zwangsweise in einer Psychiatrie untergebracht wird der Mann ebenfalls nicht, weil per Gutachten keine Gefährlichkeitsprognose im Sinne einer maßgeblichen Wiederholungsgefahr gestellt worden sei, so der Richter.

Verletzungsvorsatz nicht umgesetzt

Er zitierte gesetzliche Vorgaben, an denen sich die Strafkammer orientierte: Demnach kommt die Unterbringung infrage, wenn jemand „körperlich oder seelisch erheblich gefährdet“ werde oder „ein schwerer Sachschaden“ entstehe. Der 27-Jährige habe bei seiner Drohung dem Mitbewohner einer Asylbewerberunterkunft gegenüber aber „den Verletzungsvorsatz nicht umgesetzt“.

Der 27-Jährige und das 19 Jahre alte Opfer hatten sich an der Ascheberger Straße gestritten. Als der Ältere das Brotmesser aus einer Gürtellasche hervorzog und drohte, zuzustechen, flüchtete der Jüngere auf den Beifahrersitz eines Transporters.

Frühere Ermittlungen eingestellt

Der Angeklagte habe Zeit gehabt, so der Richter, um seine Drohung wahr zu machen, habe es aber nicht getan. Der Algerier konnte die Fensterscheibe hochfahren und die Türverriegelung aktivieren. Auch danach habe der Angeklagte keine erkennbaren Anstrengungen mehr unternommen, den 19-Jährigen zu verletzen.

Der 27-Jährige ist weiterhin nicht vorbestraft, unbescholten im Grunde aber auch nicht: Zweimal wurden Ermittlungen gegen ihn wegen Lebensmitteldiebstahls beziehungsweise Körperverletzung eingestellt. Und: Sein erster Asylantrag war abgelehnt worden. Der Mann tauchte wegen drohender Abschiebung monatelang unter, wurde per Haftbefehl gesucht. Dann stellte er einen Asylfolgeantrag. Der ist noch nicht beschieden.

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