Fr., 21.04.2017

Neues Strip-Till-Verfahren Güllen (fast) ohne Gestank

Lässt seine Felder bereits mit dem neuen Verfahren düngen: Michael Holz, zweiter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Seppenrade.

Lässt seine Felder bereits mit dem neuen Verfahren düngen: Michael Holz, zweiter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Seppenrade.

Seppenrade - 

Die Zeit der Gülle-Düngung ist die Zeit des Gestanks. Eine neue Technik, das sogenannte Strip-Till-Verfahren, sorgt für Abhilfe. Die ersten Landwirte nutzen die innovativen, allerdings sehr kostspieligen Geräte bereits.

Von Niklas Tüns

Der weiße „Pilz“ auf dem Dach leistet Zentimeter-Arbeit. Sobald das Traktor-Güllefass-Gespann nur minimal von der berechneten Bahn abkommt, warnt das GPS-System über einen Bildschirm Fahrer André Tenbrock. Er arbeitet für den Agrarservice Reken und ist während der Gülle-Saison öfter in Seppenrade unterwegs. Mit dabei hat er ein Hightech-Fass, das das Güllen von Maisanbau-Flächen – wohl auch zur Freude der Nachbarn – geruchsfreier und für Landwirte effizienter macht.

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Der Mais wird dann in fünf Zentimeter Tiefe verlegt.

Michael Holz

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Denn die am Fass angebrachte Apparatur erledigt zwei Arbeitsschritte in einem Zug: Die Erde wird bis in eine Tiefe von 20 Zentimetern gelockert und der flüssige Dünger gelangt in einem zehn Zentimeter tiefen Mini-Tunnel direkt in den Boden. Bei diesem Strip-Till-Verfahren wird nur ein Drittel des Feldes streifenförmig bearbeitet, gezielt dort, wo später die Reihen der Maispflanzen stehen werden. „Der Mais wird dann in fünf Zentimeter Tiefe verlegt“, erklärt Michael Holz, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV) Seppenrade. Die Wurzeln gelangen so direkt zu den Nährstoffen. Neben Phosphat und Kalium ist dies besonders Stickstoff. Allein davon benötigt die Maispflanze pro Hektar 220 Kilogramm, in den Seppenrader Böden selbst finden sich aber nur gut 40 Kilo. Durch das Strip-Till-Verfahren, was für sandige Äcker mit geringem Lehmanteil wie rund um das Rosendorf gedacht ist, lasse sich ein Drittel Dünger einsparen, sagt Dr. Ludger Laurenz, Berater für Pflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer.

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Bei stärkeren Gewittern haben wir normalerweise das Problem, dass viel Dünger weggeschwemmt wird und in Gräben und Bächen landet.

Dr. Ludger Laurenz

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 Zu Beginn sei noch „relativ viel Ausprobieren“ erforderlich, berichtet Holz. So geht er auch mal mit dem Zollstock über den Acker und schaut, ob die Gülle-Tunnel in der richtigen Tiefe liegen. Auch wenn man dann direkt über ihr steht, ist von der Gülle quasi nichts zu riechen. „Bei stärkeren Gewittern haben wir normalerweise das Problem, dass viel Dünger weggeschwemmt wird und in Gräben und Bächen landet“, sagt Laurenz. „Das ist hierbei gar nicht der Fall.“ Da auf einem Großteil der Fläche die Pflanzenreste der Vorgängerkultur stehenbleiben, verringere sich zudem die Winderosion.

Unterfußdüngung

 Trotz dieser Vorteile ist die Nachfrage verhalten, weiterhin sind viele Güllefässer mit Schleppschläuchen und dem Breitverteiler unterwegs. Denn die Geräte für die sogenannte Unterfußdüngung kosten schnell 150 000 Euro und damit doppelt so viel wie eine gewöhnliche Maschine – finanziell nicht leistbar für einen Landwirt, jedoch für Lohnunternehmer wie Schrey&Lendermann in Seppenrade, in dessen Auftrag auch der Agrarservice Reken fährt. Ein eigenes, hochmodernes Güllefass lohne sich im Moment für ihn nicht, so Reinhold Schrey auf WN-Nachfrage. „Ich denke aber schon, dass das Interesse der Landwirte zunehmen wird und wir in naher Zukunft darin investieren werden.“

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Wir machen das seit fünf oder sechs Jahren.

Josef Heckmann

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Druck, sich der neuen Technik trotz dann wachsender Abhängigkeit zu einem Lohnunternehmen zu öffnen, kommt ferner vom Gesetzgeber. Ab 2020 sind Breitverteiler verboten, die Gülle darf nur noch direkt auf Bodenhöhe, so wie es auch bei der zunehmenden Verwendung von Schleppschläuchen der Fall ist, ausgegeben werden. Außerdem wurden aufgrund der kürzlich beschlossenen Düngeverordnung die Grenzwerte heruntergesetzt. „Dadurch sind die Landwirte gezwungen, alles aus der Gülle herauszuholen“, so Laurenz.

Josef Heckmann hat dies auf seinem Feld bereits getan. „Wir machen das seit fünf oder sechs Jahren“, sagt der Emkumer. „Mit drei Hektar sind wir angefangen und liegen nun bei dem Fünffachen.“ Jeder Quadratmeter von Heckmanns Maisfeldern ist in dem GPS-System, das Tenbrock bedient, kartografiert. Das System kalkuliert die idealen Fahrbahnen, die der Trecker dann im Autopilot nimmt. „Das ist entspanntes Fahren“, meint Tenbrock. Zu einem späteren Zeitpunkt können er und seine Kollegen für das zentimetergenaue Maislegen auf die gespeicherten GPS-Dateien zurückgreifen.

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