Mo., 12.06.2017

„Der gute Mensch von Sezuan“ Etwas Karneval darf sein

Eine Reise in die fernöstliche Welt, gespickt mit Traditionen wie dem Kölner Karneval – das bot das „Theater in der Kreide“ bei seiner Aufführung des Brecht-Stücks „Der gute Mensch von Sezuan“ im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen.

Eine Reise in die fernöstliche Welt, gespickt mit Traditionen wie dem Kölner Karneval – das bot das „Theater in der Kreide“ bei seiner Aufführung des Brecht-Stücks „Der gute Mensch von Sezuan“ im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Foto: Justus Zentek

Lüdinghausen - 

Ein so dramatisches Stück wie „Der gute Mensch von Sezuan“ lässt sich durchaus humorvoll gestalten. Das bewies das „Theater in der Kreide“ jetzt mit seiner Aufführung im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Eine Prise Kölner Karneval durfte dabei nicht fehlen.

Von Justus Zentek

Gibt es noch gute Menschen auf dieser Welt? Dieser Frage gingen jetzt die Mitwirkenden des freien „Theaters in der Kreide“ zusammen mit dem Publikum im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen auf den Grund. Das 1940 von Bertolt Brecht verfasste Meisterwerk „Der gute Mensch von Sezuan“ über Flüchtlinge, Nächstenliebe und Liebe im Allgemeinen bildete den Auftakt des KAKTuS-Sommerfestivals.

Aus Shen Te wird Shui Ta

In dem Stück begibt sich Gott auf die Suche nach einem guten Menschen, der bereit ist, Geflüchtete bei sich aufzunehmen. Erst im fernen Sezuan wird er fündig. Lediglich die Prostituierte Shen Te (Petra Schulte) gewährleistet ihm auf seiner Reise Obdach und wird für ihre Barmherzigkeit mit einer Geldspende von Gott belohnt. Mit dieser finanziellen Unterstützung kauft sie eine Gaststätte, in der sie Flüchtlinge aufnehmen möchte. Allerdings bemerkt sie dabei schnell, dass die Aufgenommenen hohe Kosten verursachen, die sie sich in ihrer finanziellen Situation nicht erlauben kann. Daraufhin verwandelt sie sich in den Geschäftsmann Shui Ta und wirft zunächst die Verelendeten aus dem Hause. Schließlich verliebt sich Shen Te in den arbeitslosen Flieger Sun (Norbert Kauschitz), von dem sie ein Kind erwartet. Zusammen mit ihm stellt sie sich ein schöneres Leben vor. Doch erst verkleidet als Shui Ta erfährt sie, dass ihr Geliebter nur auf ihr Geld hoffte, um selbst eine Arbeit zu finden. Die einkommensschwache Frau fällt zurück auf den Boden der Tatsachen und fragt sich, ob sie wirklich ein guter Mensch sei.

Offenes Ende

Durch das offene Ende wurde den Zuschauern letztendlich die Möglichkeit geboten, auch später über einen möglichen Schluss der Geschichte nachzudenken. Um dieses Thema zeitgemäß und interaktiver aufzubereiten, gestaltete die münsterische Theatergruppe unter der Leitung von Reinhard Stähling ihre Darbietung mit humorvollen Szenen. So wurde das Publikum immer wieder mit viel Turbulenz, reichlich Improvisation und typischen Kölner Traditionen wie dem Karneval miteinbezogen. Damit sorgte das Ensemble für eine moderne Inszenierung des eher dramatischen Stücks. Und dafür gab es vom Publikum viel Applaus.

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