Sa., 09.09.2017

Warum nicht Kaffee zum Mitnehmen? „Coffee to go ist ja noch harmlos“

Reinhardt Loewert wirbt für die „Blaue Stunde“.

Reinhard Loewert wirbt für die „Blaue Stunde“. Foto: Marina Falke

Lüdinghausen - 

Am Sonntag ist der Tag der Deutschen Sprache. Und Reinhardt Loewert möchte zum Nachdenken anregen.

Von Marina Falke

Das Sprachbewusstsein zu fördern und zu festigen, das hat der „Tag der deutschen Sprache“ am 9. September zum Ziel. Etwa 5,3 Millionen Wörter sollen zur deutschen Sprache gehören. Doch sind diese Wörter auch wirklich alle deutsch?

Der Lüdinghauser Reinhard Loewert vom „ Verein Deutsche Sprache“ kritisiert: „Englische Ausdrücke wie okay, live, sale, city, ticket, center oder ticket-center, cool, LH-card, electronic cash, service point, news, player, highlight oder event dringen mehr und mehr in das Alltagsdeutsch ein. Vielen von uns fällt schon gar nicht mehr auf, was sie am Tag so an englischen Ausdrücken bei Gesprächen untereinander benutzen.“ Loewert betont, dass es allein in der Lüdinghauser Innenstadt über 40 Geschäfte deutscher Inhaber gebe, die ganz oder teilweise englische Namen tragen und mit englischen Sprüchen werben. Da sei „Coffee to go“ noch die harmloseste Formulierung. Witzig findet er am „Coffee to go“, dass man in den USA oder in England vom „Coffee to take away“ spreche. Der eingedeutschte Ausdruck stimme also nicht mit dem englischen Sprachgebrauch überein. Der Verein Deutsche Sprache frage sich daher, warum man nicht einfach vom „Kaffee zum Mitnehmen“ sprechen könne.

Loewert meint: „Jeder sollte Englisch erlernen, aber deswegen bitte nicht gleich auch seine Muttersprache verlernen.“ Englisch sei zwar als Kommunikationsmittel über Ländergrenzen hinweg unabdingbar, das Ersetzen deutscher Worte mit falschem „Denglish“ zerstöre aber das Sprachbild, ist Loewert überzeugt.

Als Beispiel für solche Sprachirrtümer nennt er den Begriff „sale“. Im Französischen bedeute „sale“ „schmutzig“. Im Italienischen meine „sale“ „Salz“. Die Spanier würden es als eine Beugung des Verbs „salir“ kennen, das im Sport mit dem Begriff „rausgehen“ übersetzt werden könne. Lese man also das Wort „sale“ in einem Laden, sei eigentlich unklar, was der Geschäftsmann damit meine, erläutert Loewert. Frage man als Kunde nach einer Übersetzung des Wortes „sale“ sei von den Mitarbeitern oft die Erklärung zu hören, dass damit „reduziert“ gemeint sei, was sprachlich nicht korrekt sei.

Um genau auf solche Bedeutungsneuschöpfungen aufmerksam zu machen, einen Sinn für die Ausdrucksfähigkeit der deutschen Sprache zu wecken und für den Gebrauch von korrektem Deutsch zu werben, sei der Tag der deutschen Sprache geschaffen worden. Weiterhin solle er die Wichtigkeit guter muttersprachlicher Kenntnisse hervorheben, eine Wertschätzung der eigenen Sprache bewirken und zu guter Letzt einmal im Jahr zum Nachdenken und Diskutieren anregen.

Dass der Sprachwandel genug Angriffspunkte zum Diskutieren bietet, da sind sich die Sprachwissenschaftler einig. Viele vertreten die Position, dass Sprachwandel einen natürlichen Prozess darstellt und nicht aufgehalten werden sollte. Der „Verein Deutsche Sprache“ hält dagegen, Anglizismen würden nicht zu einer positiven Weiterentwicklung gehören, sondern einzig der Sprache schaden. Mit Veranstaltungsformaten wie der „Blauen Stunde“ versucht der Verein dem Sprachverfall entgegenzuwirken.

Wie faszinierend die deutsche Sprache ist, können Interessierte am 21. September (Donnerstag) um 20 Uhr im Ricordo an der Sendener Straße erleben.

Dort gestalten sieben kunstbegeisterte Personen aus Lüdinghausen einen poetisch-musikalischen Abend einmal nur in deutscher Sprache. Mehr Informationen zum Thema gibt es im Netz. 

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