Fr., 22.09.2017

Juniorwahl „Eine Sache von nur zwei Minuten“

Die Wahlurne für die Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs stand im Foyer: Alexa Westrup (v.l.), Lena Springeneer, Anna-Maria Geistmann und Joanna Baecker bildeten dort den Wahlvorstand.

Die Wahlurne für die Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs stand im Foyer: Alexa Westrup (v.l.), Lena Springeneer, Anna-Maria Geistmann und Joanna Baecker bildeten dort den Wahlvorstand. Foto: nit

Lüdinghausen - 

Wahlbenachrichtigung, Wahlvorstand, Wahlzettel: So authentisch wie möglich war die Juniorwahl am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg und am St.-Antonius-Gymnasium. 1100 Schüler durften das Wählen schon einmal üben, worauf sie sich unterschiedlich vorbereitet haben.

Von Niklas Tüns

Joanna Baecker lässt die versiegelte Urne vor sich nicht aus den Augen, bei der Juniorwahl soll ja alles mit rechten Dingen zugehen. Sie selbst hat ihre Stimme bereits abgegeben – quasi als Generalprobe für kommenden Sonntag. Denn die Schülerin feierte an diesem Mittwoch – dem Wahltag im Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg – ihren 18. Geburtstag. „Bis vor wenigen Wochen hatte ich mich noch nicht wirklich mit der Bundestagswahl beschäftigt“, sagt die 18-Jährige. „Das hat sich mit der Juniorwahl und der Vorbereitung dafür im Unterricht aber geändert.“

Das erste Mal ihre Stimme abgegeben haben Emma Schwartz (v.l.), Melanie Semke und Zara Ersahan.

Das erste Mal ihre Stimme abgegeben haben Emma Schwartz (v.l.), Melanie Semke und Zara Ersahan. Foto: nit

Das Berufskolleg wie tags darauf das St.-Antonius-Gymnasium nehmen an der bundesweiten Juniorwahl teil. Und die ist so authentisch wie möglich: Jeder Anton-Schüler ab der achten Klasse und jeder Berufsschüler erhielt eine Wahlbenachrichtigung. Beim Wahlvorstand gibt es dafür dann den Stimmzettel mit den fünf Direktkandidaten und den 23 Parteien für die Zweitstimme. „Manche denken sich, dass Wählen kompliziert ist“, meint Melanie Semke. „Aber das ist gar nicht so schlimm, sondern eine Sache von nur zwei Minuten.“ Die 16-Jährige und ihre gleichaltrige Freundin Zara Ersahan haben das erste Mal gewählt. „Selbst eine einzige Stimme kann vieles ändern“, findet Ersahan. „Nur blöd, dass wir bei der richtigen Wahl nicht mitentscheiden können.“ Sie hat sich vor allem über die sozialen Netzwerke wie Facebook informiert.

Intensive Auseinandersetzung im Unterricht

Darüber hinaus habe im Unterricht eine intensive Auseinandersetzung mit den Wahlprogrammen stattgefunden, erklärt Volker Scheipers, Lehrer am Berufskolleg. „Dabei haben wir unterschiedliche Schwerpunkte gelegt und geguckt: ‚Welche Auswirkungen haben die Pläne auf mein Leben?‘“ Die angehenden Krankenschwestern und Altenpfleger hätten sich daher mehr mit dem Thema Pflege beschäftigt, die Erzieherinnen eher mit dem Kita-Ausbau.

Julian Kießling (stehend) und Nick Jennes demonstrierten die digitale Stimmabgabe am St.-Antonius-Gymnasium.

Julian Kießling (stehend) und Nick Jennes demonstrierten die digitale Stimmabgabe am St.-Antonius-Gymnasium. Foto: nit

Der Bundestagswahl technisch voraus ist das St.-Antonius-Gymnasium. Mittels eines individuellen Codes wählen die Schüler dort online. „Wir sind nicht das Angriffsziel von Hackern“, sagt Sozialwissenschaftslehrerin Linda Scheideler schmunzelnd. Sie geht davon aus, dass dank des Projekts die Wahlbeteiligung unter den bereits volljährigen Schülern und das Interesse an künftigen Wahlen steigen wird.

Die Wahlergebnisse gibt es am Sonntag ab 18 Uhr

Pünktlich mit Schließung der Wahllokale am Sonntag um 18 Uhr werden die Ergebnisse der Juniorwahl veröffentlicht. „Ich glaube, dass das ziemlich ähnlich zu dem der Bundestagswahl sein wird, weil viele Schüler auch von ihren Eltern beeinflusst werden“, so Julian Kießling, der mit seinem Q2-Sowi-Zusatzkursus die Wahl am Anton betreut. Sein Mitschüler Nick Jennes ist gespannt, wie AfD und NPD abschneiden. „Ein paar Schüler werden sich bestimmt den Spaß gemacht haben, diese Parteien zu wählen“, meint der 17-Jährige. „Ich hoffe aber, dass die geschichtliche Aufarbeitung in der Schule etwas gebracht hat.“

Eine Million Schüler bei Juniorwahl

An der Juniorwahl in dieser Woche nehmen eine Million Jugendliche von 3478 Schulen teil. Sie findet bereits seit 18 Jahren zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen statt. Laut eigener Aussage sei in der Vergangenheit die Wahlbeteiligung bei Eltern der Schüler um durchschnittlich vier Prozent gestiegen, bei bildungsfernen Familien um neun Prozent. Die Juniorwahl ist ein Projekt des Bundestags, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung sowie der Kultusministerien der Länder. | www.juniorwahl.de

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