Do., 12.10.2017

Namenwahl nach der Heirat Welcher Name darf es sein?

Wenn zwei sich das Jawort geben, müssen sie zuvor beim Standesamt ihren Namenswunsch angeben.

Wenn zwei sich das Jawort geben, müssen sie zuvor beim Standesamt ihren Namenswunsch angeben. Foto: dpa

Lüdinghausen - 

Die gesetzlichen Regelungen zum Ehenamen wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder modernisiert – und trotzdem mögen es die Brautpaare in der Steverstadt lieber ganz traditionell: die Braut nimmt den Namen ihres künftigen Ehemanns an.

Von Beate Nießen

„Sag mal dat Elsbeth, dat ist doch ne geborene . . .“ – so klang das früher, wenn bei Kaffee und Kuchen der neueste Dorfklatsch ausgetauscht wurde. Dabei, so viel anders wird es wohl auch heutzutage nicht klingen. Denn: Wenn bei Sandra Suppa ein heiratswilliges Paar im Büro des Lüdinghauser Standesamtes auftaucht, dann ist bei der Wahl des „Ehe- oder Familiennamens“ in den meisten Fällen der Drops schon längst gelutscht. „In über 90 Prozent der Fälle nimmt nach wie vor die Frau ganz selbstverständlich den Namen des Mannes an“, weiß die Standesbeamtin aus langjähriger Erfahrung.

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In über 90 Prozent der Fälle nimmt nach wie vor die Frau ganz selbstverständlich den Namen des Mannes an.

Sandra Suppa, Standesbeamtin

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Und auch eine aktuelle Auswertung der Eheschließungen im Jahr 2016 in der Steverstadt belegt diese Einschätzung: In lediglich acht Prozent der Fälle, in denen ein gemeinsamer Ehename festgelegt wurde, war das der Nachname der Frau. Und das, obwohl es doch in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Novellierungen des Namenrechtes gegeben hat, auch um die Rechte der Frauen zu stärken.

Geregelt wird das Namensrecht bei Eheschließungen durch den Paragrafen 1355 des BGB. Und ebendort stand noch bis zum Jahr 1958 ohne Wenn und Aber: „Die Frau erhält den Familiennamen des Mannes.“ Ab dem 1. Juli 1958 galt dann zwar immer noch: „Der Ehe- und Familienname ist der Name des Mannes.“ Allerdings erlaubte der Gesetzgeber jetzt zumindest den Frauen, ihren „Mädchennamen“ dem Ehenamen hinzuzufügen – allerdings nur an zweiter Stelle, versteht sich.

Neue Regeln stärken Rechte der Frauen

Es dauerte noch weitere 18 Jahre, bis schließlich auch der Nachname der Frau als gemeinsamer Ehename eingetragen werden konnte. „Das allerdings auch nur, wenn sich beide Ehepartner einig waren“, erläutert Suppa. Im Streitfall galt demnach auch 1976 noch: Ehename wird der Name des Mannes.

Seit 1994 ist es den Paaren mittlerweile völlig freigestellt, ob sie überhaupt einen gemeinsamen Ehenamen führen wollen, ob sie dabei seinen oder ihren Namen wählen, oder ob einer von beiden sich vielleicht auch für einen Doppelnamen entscheidet – der dann allerdings nicht an die Kinder weitergegeben werden darf. Doch trotz all dieser Freiheiten entscheidet sich nach wie vor die überwältigende Mehrheit der jungen Paare in Lüdinghausen für das althergebrachte Prozedere. Typisch Land, könnte man sagen. Wobei, gerade auf dem platten Land gibt es durchaus einen handfesten Grund, warum manchmal die Wahl des Ehenamens dann doch auf den Namen der Frau fällt. „Heiratet ein Mann auf einen landwirtschaftlichen Hof ein, dann soll die Hofstelle so ihren häufig über viele Generationen weitergegebenen Namen behalten“, erklärt die Standesbeamtin den Hintergrund. Um das sicherzustellen, habe es in früheren Zeiten auch noch die Regelung des „Genanntnamens“ gegeben – aber das würde hier jetzt wirklich zu weit führen.

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