Fr., 13.10.2017

Stadtführung im Dauerregen Schirm auf und los geht’s

Sie ließen sich vom Dauerregen nicht abhalten: Gespannt hörten die Teilnehmer Stadtführerin Gaby Christensen (l.) zu, die an verschiedenen Stellen anschaulich die Geschichte Lüdinghausens erläuterte.

Sie ließen sich vom Dauerregen nicht abhalten: Gespannt hörten die Teilnehmer Stadtführerin Gaby Christensen (l.) zu, die an verschiedenen Stellen anschaulich die Geschichte Lüdinghausens erläuterte. Foto: Laurids Leibold

Lüdinghausen - 

Das Wetter war alles andere als einladend. Dennoch fanden sich im Dauerregen am Samstag 16 Teilnehmer vor dem Lüdinghaus ein, um mit Stadtführerin Gaby Christensen eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Motivationsgründe waren ganz unterschiedlich.

Von Laurids Leibold

Es ist ein verregneter Samstagnachmittag. Trotzdem haben sich 16 Teilnehmer am Lüdinghaus eingefunden, um gemeinsam mit Stadtführerin Gaby Christensen den Ort zu erkunden. Ausgerüstet mit Schirmen und Regenjacken machen sie sich auf den Weg.

Um mit der Erkundung der Stadtgeschichte zu beginnen, liegt die Burg Lüdinghausen im doppelten Sinne nahe. Zuvor jedoch erfährt die Gruppe etwas über die Herkunft des Stadtnamens. Dieser leitet sich ab aus dem altdeutschen Begriff „Ludinchusen“ und bedeutet so viel wie „Häuser des Liudgers“, des ersten Lehnsherren der Stadt. Die Herkunft der Glocke auf dem Wappen ist hingegen nicht ganz klar. Der Sage nach sollen beim Begräbnis des Luidger die Glocken geläutet worden sein, woraufhin sich das Wasser zu kräuseln begann.

An der Burg angekommen, erzählt Christensen, dass Lüdinghausen im Mittelalter von deutlich mehr Stever-Armen durchzogen war. Diese wurden zu Verteidigungszwecken genutzt und machten eine Stadtmauer daher unnötig. Eine historische Verbindung weist die Burg ebenfalls zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auf. Als Schüler der dortigen Landwirtschaftsschule in den 1930er Jahren als Abschlussstreich die Hitler-Bilder abhingen, wurde daraufhin die gesamte Klasse verhaftet, erfährt die Gruppe.

Christensen, die seit rund einem Jahr Stadtführungen für Lüdinghausen Marketing anbietet, ist selbst nicht hier geboren, aber sie betont: „Ich bin begeisterte Lüdinghauserin.“ Diesen Spaß vermittelt sie auch bei ihren Rundgängen.

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Ich finde die Führung sehr schön. Einige Ecken kannte ich noch gar nicht.

Nicole Thien

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Ihre Zuhörer teilen diese Begeisterung. So auch Manfred Menker, der seit 40 Jahren in Selm wohnt, allerdings in Lüdinghausen aufgewachsen ist. „Ich finde es astrein. Vieles kriegt man zwar mit, aber die Geschichte muss man immer wieder auffrischen“, ist Menker überzeugt. Nicole Thien wohnt ebenfalls in Selm, ist aber häufig in der Nachbarstadt zu Besuch. „Ich finde die Führung sehr schön. Einige Ecken kannte ich noch gar nicht“, zeigt sie sich beeindruckt.

Nach einem Abstecher zur Burg Vischering ist das nächste Ziel die kleine Kirche an der Burg. Entstanden sei diese im Rahmen der preußischen Besatzung des Münsterlandes nach den Befreiungskriegen, da die neuen Herrscher protestantische Verwaltungsbeamte vor Ort einsetzten, berichtet Christensen. Die Religion spielt in der Geschichte der Stadt Lüdinghausen generell eine große Rolle. So wurde Anfang des 19. Jahrhunderts die jüdische Synagoge erbaut, die in der Reichspogromnacht 1938 weitestgehend zerstört wurde.

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Für Lüdinghauser Verhältnisse war diese natürlich viel zu groß.

Gaby Christensen

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Über den Marktplatz geht es zum Abschluss in die Felizitaskirche. Das erste Gotteshaus an dieser Stelle sei um das Jahr 800 parallel zur Stadtgründung vom Lehnsherren Liudger errichtet worden, weiß Christensen. Im Jahr 1032 folgte eine romanische Version, bis letztlich im 16. Jahrhundert die heutige, gotisch-geprägte Kirche entstand. „Für Lüdinghauser Verhältnisse war diese natürlich viel zu groß“, meint die Stadtführerin. Jedoch hätten alle Bürger ihren Teil dazu beigetragen, sei es in Form von Arbeitskraft oder Spenden, um dieses enorme Bauwerk realisieren zu können.

Nass, aber zufrieden kommen die Teilnehmer nach ihrem Rundgang durch die Geschichte wieder am Lüdinghaus an. Um eine interessante Erfahrung reicher treten sie den Heimweg an.

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