Sa., 21.10.2017

Serie: „Dringend gesucht: Bezahlbarer Wohnraum“ Zahl der Sozialwohnungen droht stark zu sinken

An der Olfener Straße verwaltet die Wohnbau Westmünsterland bereits seit vielen Jahren Sozialwohnungen, beim geplanten Bauprojekt an der Ascheberger Straße kommen 13 neue Wohnungen dazu.

An der Olfener Straße verwaltet die Wohnbau Westmünsterland bereits seit vielen Jahren Sozialwohnungen, beim geplanten Bauprojekt an der Ascheberger Straße kommen 13 neue Wohnungen dazu. Foto: ben

Lüdinghausen - 

Wenn an der Ascheberger Straße bald 13 neue Sozialwohnungen entstehen, bedeutet das eine Steigerung um 100 Prozent. Denn: In den vergangenen Jahren ist in Lüdinghausen keine öffentlich geförderte Mietwohnung errichtet worden. Und die Zahl der bestehenden Sozialwohnungen droht dramatisch zu sinken.

Von Beate Nießen

Mit dem Bau dreier Mehrfamilienhäuser an der Ascheberger Straße durch die Wohnbau Westmünsterland bekommt die Steverstadt auch 13 neue Sozialwohnungen (WN berichteten). Das hört sich nicht gerade üppig an bei einer Kommune mit knapp 25 000 Einwohnern. Und trotzdem bedeutet das im Vergleich zu den Vorjahren eine Steigerung um satte 100 Prozent. Wie das?

„In den vergangenen sieben Jahren ist in Lüdinghausen keine einzige öffentlich geförderte Mietwohnung gebaut worden“, erklärt Christian Kamper vom Fachdienst Wohnbauförderung des Kreises Coesfeld nach einem Blick in seine Statistik. Er muss es wissen, über seinen Schreibtisch gehen alle entsprechenden Anträge. Doch genau diese gab es eben nicht. Damit steht Lüdinghausen allerdings nicht alleine da.

Zum Vergleich: Im gesamten Kreis wurden in 2016 gerade einmal Mittel für 13 neue Sozialwohnungen bewilligt, im laufenden Jahr liegen bislang Anträge für 15 Wohnungen vor. „Das ist nicht wirklich viel“, so Kamper. Vor allem, wenn der Blick in andere Kreise des Münsterlandes geht. Laut den aktuell veröffentlichten Zahlen der NRW.Bank wurden demnach im Kreis Borken im vergangenen Jahr Mittel für 117 öffentlich geförderte Mietwohnungen bewilligt, im Kreis Steinfurt waren es sogar 288.

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Die Kommunen haben zwei Stellschrauben, mit denen sie den Bau von Sozialwohnungen beeinflussen können.

Uwe Schramm

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Doch woher kommen diese immensen Unterschiede? Uwe Schramm, Vorstandsvorsitzender der Wohnbau Westmünsterland, einer Genossenschaft, die rund 4100 Mietwohnungen im Münsterland im Bestand hat (rund die Hälfte davon sind Sozialwohnungen), sieht die Gründe vor allem im unterschiedlichen Grundstückszugang.

„Die Kommunen haben zwei Stellschrauben, mit denen sie den Bau von Sozialwohnungen beeinflussen können: bei den Vorgaben der Bauleitplanung und beim Grundstücksverkauf eigener Flächen.“ Wie das aussehen kann, zeigt das Beispiel Münster. Dort wurde bereits 2014 vom Rat beschlossen, dass bei neuen Baulandentwicklungen privater Investoren 30 Prozent der entstehenden Wohnfläche für den Sozialbau vorgesehen sind, beim Verkauf städtischer Grundstücke sogar 60 Prozent.

Uwe Schramm

Uwe Schramm Foto: ae

„In vielen Rathäusern hat da ein Umdenken stattgefunden“, so Schramm. Ein notwendiges Umdenken angesichts der Entwicklung der kommenden Jahre. Die anhaltende Niedrigzinsphase wirke sich nämlich gleich zweifach negativ auf den sozialen Wohnungsmarkt aus, wie Kamper vom Kreis Coesfeld betont.

„Neben der Zurückhaltung vieler Investoren in diesem Bereich, weil sie derzeit ihre Bauvorhaben auch auf dem freien Markt günstig finanzieren können, haben die extrem günstigen Zinskonditionen auch viele Eigentümer animiert, ihre öffentlich geförderten Darlehen früher abzulösen als geplant. Damit fallen diese Wohnungen auch früher aus der sozialen Bindung.“

Von den aktuell 409 Sozialwohnungen in Lüdinghausen sei das mittlerweile bei 195 der Fall. „Diese Wohnungen sind spätestens in zehn Jahren weg vom sozialen Wohnungsmarkt.“ Das käme einer Halbierung gleich, würden nicht im gleichen Zeitraum entsprechend viele neue Sozialwohnungen entstehen. Da sind die 13 Wohnungen, die die Wohnbau Westmünsterland jetzt an der Ascheberger Straße bauen will, nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein oder – wie deren Vorstandschef es im Gespräch mit den WN formuliert – „ein erster Schritt in die richtige Richtung“.

Wohnberechtigungsschein (WBS)

► Eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnung (Sozialbauwohnung) darf nur beziehen, wer einen Wohnberechtigungsschein (WBS) hat.

► Die Ausstellung eines WBS hängt ab von der Zahl der zum Haushalt gehörenden Personen sowie der Höhe des Gesamteinkommens. So gilt beispielsweise für eine Familie mit zwei Kindern ein Bruttoeinkommen von 52 106 Euro im Jahr als Obergrenze. Für eine Einzelperson liegt diese bei einem Bruttoeinkommen von 28 924 Euro.

► In Lüdinghausen wurden im Jahr 2016 vom Kreis Coesfeld insgesamt 97 Anträge auf einen WBS bewilligt, im laufenden Jahr sind es bislang 69.

► In der Regel wird von folgender angemessener Wohnungsgröße ausgegangen: Für einen Alleinstehenden 50 Quadratmeter, für einen Zwei-Personen-Haushalt zwei Wohnräume oder 65 Quadratmeter. Für jede weitere Person erhöht sich die Wohnfläche um einen Raum oder 15 Quadratmeter Wohnfläche.

  | Quelle: Homepage der Stadt Lüdinghausen/Kreis Coesfeld/ Wohnbau Westmünsterland

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