Neuer Beichtstuhl in der Lüdinghauser Pfarrkirche
Das Schreiner-Puzzle ist fertig

Lüdinghausen -

In der St.-Felizitas-Kirche gibt es einen neuen Beichtstuhl. Pfarrer Benedikt Elshoff ist sich durchaus bewusst, dass das in Zeiten, in denen immer weniger Menschen zur Beichte gehen, merkwürdig anmuten muss. Wobei: So richtig neu ist der Beichtstuhl nun auch wieder nicht.

Freitag, 09.03.2018, 07:03 Uhr

Der neue Beichtstuhl wurde von Schreinermeister Stephan Pinnekamp aus den vier alten Beichtstühlen, die es früher in St. Felizitas gab, gebaut.
Der neue Beichtstuhl wurde von Schreinermeister Stephan Pinnekamp aus den vier alten Beichtstühlen, die es früher in St. Felizitas gab, gebaut. Foto: Anne Eckrodt

Benedikt Elshoff lacht. Die Frage hört der Pfarrer von St. Felizitas nicht zum ersten Mal, als er an diesem Vormittag den neuen Beichtstuhl in der Pfarrkirche vorstellt. Wird so etwas heute noch gebraucht? Elshoff beschönigt erst gar nichts und sagt klipp und klar: „Das Beichtgespräch steckt in der Krise, es ist aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden.“

Und genau da soll der neue Beichtstuhl einen Gegenpol bilden. „Wir wollen mit ihm an das Beichtsakrament erinnern“, macht der Geistliche deutlich. Gleichzeitig biete er einen geschützten Raum für ein Gespräch und stelle zugleich einen Erinnerungsgegenstand an die Epoche Ende des 19. Jahrhunderts, in der die Einrichtung von St. Felizitas neu gestaltet wurde, dar. Denn: Wirklich neu ist der Beichtstuhl gar nicht. Stephan Pinnekamp hat ihn in einjähriger Sisyphusarbeit aus den vier Exemplaren, die es bis zur Renovierung der Pfarrkirche 2014 gab, zusammengebaut.

Eine echte Puzzlearbeit und mitunter auch ein wenig Pfusch war das.

Stephan Pinnekamp

„Eine echte Puzzlearbeit und mitunter auch ein wenig Pfusch war das, weil ich hier und da improvisieren musste“, blickt der Schreinermeister zurück und schmunzelt. Manchen Abend habe er in der Werkstatt verbracht und zusammen mit Pfarrer Elshoff bei dem einen oder anderen Bierchen gefachsimpelt. „Wir hatten schon mal einen Architektenentwurf, der dem Pfarreirat und dem Kirchenvorstand jedoch zu modern und auch zu teuer war. Da haben wir das Thema erst einmal zu den Akten gelegt“, erinnert sich Elshoff. Vor etwas mehr als einem Jahr sei es dann im Gespräch mit dem Lüdinghauser Schreinermeister wieder zur Sprache gekommen und habe Fahrt aufgenommen.

Im Innern bietet der Beichtstuhl sogar Platz für Tisch und Stühle.

Im Innern bietet der Beichtstuhl sogar Platz für Tisch und Stühle. Foto: Anne Eckrodt

Das Ergebnis ist nun in dem Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern. Und davon machen die Kirchenbesucher reichlich Gebrauch, wie Hedwig Berning weiß. Sie kümmert sich in der Gemeinde um alles, was mit Textilien zu tun hat und damit auch um die Vorhänge des neuen Beichtstuhls. Berning: „Da Violett die Farbe des Bußsakraments ist, haben wir uns dafür entschieden.“ Täglich erlebt sie, dass die Vorhänge beiseite geschoben werden, weil die Besucher neugierig sind, was sich dahinter verbirgt. „Der Beichtstuhl weckt eben Interesse“, sagt Elshoff.

Da Violett die Farbe des Bußsakraments ist, haben wir uns dafür entschieden.

Hedwig Berning

Zur Beichtzeit – jeweils samstags ab 17.15 Uhr vor der Abendmesse – weist ein Pfeil den Weg in den Stuhl. Wobei: Der Begriff Beichtzimmer trifft es eher, denn im Innern ist erstaunlich viel Platz. Es gibt ein Tischchen mit zwei Stühlen für ein Gespräch mit dem Priester, aber auch die klassische Variante mit Beichtgitter und Kniebank. „Die Erstkommunionkinder werden allerdings auch künftig weiter im Kirchenraum beichten“, betont Elshoff.

Die Freude über die „Puzzlearbeit“ des Schreinermeisters ist ihm deutlich anzumerken. „Der neue Beichtstuhl ist sicherlich ein gewisser Luxus, doch ich finde, die so wunderbar zusammengefügten Elemente gehören einfach zu unserer Kirche. Und ich hoffe, dass der Beichtstuhl hier nun viele Jahrzehnte Freude bereitet und genutzt wird.“ Das steht für Pinnekamp, dessen Vater bereits an den vier alten Beichtstühlen Änderungsarbeiten vorgenommen hat, außer Frage. „Der Beichtstuhl kommt hier nicht wieder weg“, bekräftigt er.

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