Immer mehr Nutrias in Lüdinghausen
Putzige Plagegeister

Lüdinghausen -

Auch wenn sie niedlich anzuschauen sind – die wachsende Zahl der ursprünglich aus Südamerika stammenden Nagetiere macht auch in den zahlreichen Gewässern der Steverstadt Probleme. Mit ehrenamtlichen Jägern und Fangprämien versucht man der Plage Herr werden.

Freitag, 18.05.2018, 12:05 Uhr

Lange Barthaare und orangefarbene Schneidezähne – Nutrias bevölkern vermehrt die Wasserläufe in Lüdinghausen.
Lange Barthaare und orangefarbene Schneidezähne – Nutrias bevölkern vermehrt die Wasserläufe in Lüdinghausen. Foto: imago

Für die einen sind es putzige Tiere, die man gerne beobachtet oder auch mal füttert. Für die anderen sind sie schlicht Schädlinge, die bekämpft werden müssen. Nutrias fühlen sich in den zahlreichen Gewässern der Steverstadt pudelwohl. So wie fast überall in NRW. Ihre Populationen wachsen, weil es keine natürlichen Fressfeinde für die eingewanderte Art gibt. Der einzige Feind, den die großen Nager hierzulande fürchten müssen, läuft auf zwei Beinen und versucht seit Jahren das Problem mit dem Aufstellen von Fallen in den Griff zu bekommen. „Aber insbesondere im innerstädtischen Bereich ist das nicht so einfach“, beklagt Anton Holz, Vorsitzender vom Wasser- und Bodenverband Stever im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Während das Fallenstellen durch ehrenamtliche Fänger im Außenbereich meist reibungslos funktioniere, sorge in der Stadt die falsch verstandene Tierliebe mancher Bürger für Probleme. „Da werden Fallen zerstört oder komplett gestohlen“, so Holz.

Die ehrenamtlichen Fallensteller bekommen pro Tier eine Prämie.

Anton Holz, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Stever

Doch warum sind die auf den ersten Blick niedlichen Tiere so schädlich? Dass sie in den benachbarten Niederlanden im großen Stil professionell bejagt werden – neuerdings auch grenzüberschreitend bis in den Kreis Borken hinein – lässt sich leicht nachvollziehen. Schließlich zerstören sie mit ihren ins Erdreich gewühlten Gängen die Deiche. Aber hier? „Sie gefährden den Fluss der Gewässer, in dem sie Dämme bauen oder von ihnen durchwühlte Böschungsbereiche abrutschen und ebenfalls zum Aufstauen des Wassers führen“, erklärt Holz das Problem. Spätestens wenn dann das aufgestaute Wasser für nasse Füße im Keller der Anwohner sorge, sei der Ärger da.

Darum lässt sich der Verband auch das Jagen der ungeliebten Nagetiere etwas kosten. „Die ehrenamtlichen Fallensteller bekommen pro Tier eine Prämie. Für eine Bisamratte beträgt die acht Euro, für Nutrias sind es 15 Euro“, informiert Holz. Macht für das vergangene Jahr 3741 Euro bei 203 gefangenen Nutrias und 87 Bisamratten. Zum Vergleich: fünf Jahre zuvor (2012) lag die Zahl der gefangenen Tiere noch deutlich niedriger mit nur 13 Nutrias und 33 Bisamratten.

Nutrias mögen putzig aussehen, aber bitte auf keinen Fall füttern!

Bernd Brüning vom BUND Lüdinghausen

Eine angemessene Dezimierung der Nager ist übrigens auch aus Sicht des Lüdinghauser Naturschützers Bernd Brüning, Vorsitzender der BUND-Orts- und Kreisgruppe, durchaus angebracht. „Nutria sind sogenannte Neozoen, also eine eingewanderte, nicht heimische Tierart. Sie haben keine natürlichen Feinde und vermehren sich seit Jahren entsprechend stark“, so Brüning. Auch wenn sie als reine Vegetarier für die heimischen Wasservögel keine Bedrohung darstellten – anders als die Bisamratte, die auch gerne mal Gelege räubert oder Küken frisst, – seien die Nutrias für den Gewässerschutz durchaus ein veritables Problem. Und so wundert es nicht, wenn auch der Naturschützer warnt: „Nutrias mögen putzig aussehen, aber bitte auf keinen Fall füttern!“

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