Praktikantin bei der Lüdinghauser Tafel
Die andere Seite der Armut

Lüdinghausen -

Die 13-jährige Lena Fröhlich machte ein mehrmonatiges Schülerpraktikum bei der Lüdinghauser Tafel. Bei ihrer Arbeit im Team der ehrenamtlichen Helfer des Vereins hat sie viele neue Eindrücke gewonnen. Bedürftige Menschen sieht sie jetzt mit anderen Augen.

Mittwoch, 13.06.2018, 08:00 Uhr

Schülerpraktikantin Lena Fröhlich (4.v.l.) hat die Lüdinghauser Tafel in den vergangenen Monaten einmal in der Woche unterstützt. Anni Pröbsting (l.), zweite Vorsitzende des Vereins, war – ebenso wie das übrige Team – begeistert von dem Engagement des Mädchens.
Schülerpraktikantin Lena Fröhlich (4.v.l.) hat die Lüdinghauser Tafel in den vergangenen Monaten einmal in der Woche unterstützt. Anni Pröbsting (l.), zweite Vorsitzende des Vereins, war – ebenso wie das übrige Team – begeistert von dem Engagement des Mädchens. Foto: mfe

Ein Sozialpraktikum stand bei der Siebtklässlerin Lena Fröhlich auf dem Plan. Kindergärten oder Seniorenheime werden dafür in der Regel ausgewählt, doch die 13-Jährige wollte etwas anderes machen. Ihre Wahl fiel auf die Lüdinghauser Tafel. Dass dort Lebensmittel für Bedürftige ausgegeben werden, wusste sie. Doch wie viel Arbeit dahinter tatsächlich steckt, das hat sie erst während ihres Praktikums erfahren.

Seit Februar unterstützte die junge Lüdinghauserin, die die Münsterlandschule Tilbeck in Havixbeck besucht, das Team der Tafel. Sie hat Spenden angenommen, ausgepackt, Lebensmittel sortiert, Kisten bestückt und Kunden bedient. Anni Pröbsting, zweite Vorsitzender der Lüdinghauser Tafel, war begeistert von der Unterstützung. „Sowohl unser Team, aber auch die Kunden wollen Lena eigentlich nicht mehr missen.“ Aber das Praktikum ging jetzt zu Ende.

Es war schön, zu sehen, wie sich die Menschen über die Lebensmittel freuen.

Lena Fröhlich

Viele neue Eindrücke hat die Jugendliche dort in den vergangenen Monaten bei ihrem wöchentlichen Einsatz gesammelt. Im Team der ehrenamtlichen Kollegen sei sie toll aufgenommen worden, erzählt sie. Der Kontakt mit den Kunden habe ihr sehr viel Spaß gemacht. „Es war schön, zu sehen, wie sich die Menschen über die Lebensmittel freuen.“ Auch wenn es an manchen Tagen nicht so viel zu verteilen gab, hätte sich ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter kam, immer riesig über fast alles gefreut.

Lena kann verstehen, warum die Tafel-Mitarbeiter ihre Aufgabe gerne machen. Die Dankbarkeit der Menschen habe sie sehr beeindruckt. Dazu kam die gute Stimmung im Team untereinander. Besondere Erlebnisse habe sie bei ihrer Arbeit gehabt. Menschen, die in Armut leben und Hilfe in Anspruch nehmen müssen, sieht sie jetzt mit anderen Augen. Ihr sei klar geworden, dass dahinter zumeist Schicksale stehen, die dazu geführt haben. „Vor allem Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, haben so viel Schreckliches durchgemacht.“ Ihnen zu helfen, sei sehr wichtig.

140 Ehrenamtliche im Einsatz

„Die Tafel ist nur eine kleine Ergänzung zu dem, was Menschen benötigen“, betont Pröbsting. Rund 790 Personen seien derzeit registriert. Nicht alle kämen regelmäßig – dennoch haben die Ehrenamtlichen immer alle Hände voll zu tun. „Über weitere Unterstützung würden wir uns sehr freuen“, sagt Pröbsting. Jeder, der ein paar Stunden Zeit pro Woche erübrigen kann, sei willkommen. Ob Lebensmittel sortieren hinter den Kulissen oder auch die Ausgabe unterstützen, Arbeit gebe es mehr als genug. Rund 40 Helfer werden pro Ausgabetermin benötigt. Circa 140 Ehrenamtliche unterstützen die Tafel zwar bereits, doch gelegentlich gebe es Engpässe, berichtet die stellvertretende Vorsitzende. Wer also noch mithelfen will, kann sich bei der Tafel unter ✆ 0 25 91/2 37 23 39 melden. Die Unterstützer erwartet ein tolles Team, das bei der gemeinsamen Arbeit viel Spaß hat und auch von den Kunden eine Menge Dankbarkeit zurückbekommt. Praktikantin Lena kann das nur bestätigen.

Im kommenden Jahr wird die Lüdinghauser Tafel zehn Jahre alt. Gefeiert wird dieser Geburtstag aber nicht, machte Pröbsting, die zu den Gründungsmitgliedern der Tafel in Lüdinghausen gehört, deutlich. „Die Not anderer Menschen ist kein Grund zum Feiern. Uns allen wäre es lieber, wenn es uns gar nicht erst geben müsste.“

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