Lüdinghausen
Ein Tropfen auf den heißen Stein

Lüdinghausen -

Wenn die Landwirte derzeit zur Ernte auf die Felder fahren, sind die Staubwolken schon von Weitem zu sehen, die sie auf dem ausgedörrten Boden aufwirbeln. Doch die lang anhaltende Trockenheit macht auch innerorts zunehmend Probleme. Das bisschen Regen am Dienstag war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Sonntag, 15.07.2018, 15:16 Uhr

Die lang anhaltende Trockenheit setzt vor allem dem Getreide zu.
Die lang anhaltende Trockenheit setzt vor allem dem Getreide zu. Foto: dpa

Ausgerechnet dann, wenn die Mitarbeiterin der WN-Lokalredaktion ein Foto schießen möchte, wie Matthias Autering – seines Zeichens Gärtner beim städtischen Bauhof – Neuanpflanzungen im Baugebiet Höckenkamp aufgrund der Dürre der vergangenen Wochen wässert, ausgerechnet dann beginnt es zu regnen. „Das ist aber nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“, winkt dieser aber gleich ab. Seit Wochen zieht Autering schon mit seinem kleinen Traktor den Hänger mit einem 3000-Liter-Wassertank kreuz und quer durch die Steverstadt. Bis zu drei Mal am Tag füllt er ihn zwischendurch an Hydranten wieder auf. „Pro Baum brauchen ich zum Beispiel so um die 100 bis 150 Liter“, schätzt Autering. Da komme schon was zusammen.

Matthias Autering vom städtischen Bauhof wässert vor allem die Neuanpflanzungen, wie hier im Höckenkamp.

Matthias Autering vom städtischen Bauhof wässert vor allem die Neuanpflanzungen, wie hier im Höckenkamp. Foto: ben

Dass die Stadt im Sommer Beete und Pflanzungen wässern lässt, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Aber: „In diesem Jahr ist es schon extrem, wie früh und andauernd die Trockenheit eingesetzt hat“, bestätigt Gärtnermeister Daniel Löbbert gegenüber den WN. Deswegen konzentriere man sich vor allem auf die Neuanpflanzungen und die Beete mit den Sommerblumen. „Für mehr reichen unsere Kapazitäten einfach nicht.“ Nicht nur darum findet er auch die Aktion der Stadt Münster gut, in deren Rahmen Anwohner gebeten wurden, den Straßenbäumen vor ihren Häusern mal einen Eimer Wasser zu spendieren. „Das wäre schon klasse, wenn es das hier auch gäbe. Allerdings ist es mit einem Eimer dabei nicht getan. Wichtig ist, den Boden wirklich durchdringend zu wässern, damit das Nass auch die Wurzeln erreichen kann“, lautet sein Ratschlag.

Das Problem ist, dass schon das Frühjahr so trocken war, eine Zeit, in der die Bäume noch in der Wachstumsphase waren.

Herbert Tüns

Mit dem Wasserschlauch von Baum zu Baum gehen zurzeit auch die Mitarbeiter in der Seppenrader Baumschule Tüns. „Das Problem ist, dass schon das Frühjahr so trocken war, eine Zeit, in der die Bäume noch in der Wachstumsphase waren“, erklärt Herbert Tüns die diesjährige Besonderheit. Dürre im Spätsommer schade den Pflanzen dagegen weniger. „Die werfen dann ihre Blätter ab und überstehen das in der Regel ganz gut.“ Das besonders die Bäume in der Stadt unter der Trockenheit leiden, ist für den Fachmann klar: „Anders als im Wald, wo sich die Bäume gegenseitig Schatten spenden und der Boden nicht so schnell austrocknet, ist der Baum in der Stadt der Sonne und der trockenen Luft schutzlos ausgesetzt.“ Die starke Versiegelung des Bodens sorge dann zusätzlich noch dafür, dass bei einem Regenguss das meiste Wasser sofort wieder ablaufe.

Entwarnung gibt Tüns übrigens in Sachen Platanen, die in diesem Sommer auffällig stark ihre Rinde abwerfen – wie zum Beispiel gerade an den beiden großen Exemplare am Parkplatz am Rathaus zu beobachten ist: „Das sieht zwar schlimm aus, ist aber nicht dramatisch. Die trockene Luft der letzten Wochen beschleunigt einfach nur den natürlichen Vorgang des Abschälens.“

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