Lüdinghausen
So., 07.03.2010
Broadway an die Stever geholt
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Lüdinghausen - Noch eine halbe Stunde. Es ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, die den Flur und die angrenzenden Räume erfüllt. Hin und wieder huscht eine in Lumpen gekleidete Person durch den Gang. Sonst herrscht Stille. Aus dem Raum mit der Aufschrift „Maske 1“ tönt jedoch ein leises Zisch-Geräusch. Es ist das Sprühen aus Sanja Gunnemanns Airbrush-Pistole. Sie verpasst Thomas Neis Aussehen den letzten Schliff. Eine Stunde habe sie gebraucht, um den Finanzbuchhalter in Graf von Krolock zu verwandeln, sagt die Make-Up-Künstlerin. Auch aus einem der Nachbarräume ist nun ein Geräusch zu vernehmen. Es sind die Stimmen von 25 Kindern und Erwachsenen. Mit Keyboard-Begleitung singen sie auf ein „zuzazuzazu“ die Tonleiter rauf und runter. Man spürt die Nervosität, die über dem Klassenraum liegt. Annelie Raub motiviert nochmals die Gruppe: „Seid ihr gut drauf? Zusammen schaffen wird das!“
Es ist Punkt 20 Uhr am Freitagabend, als sich in der Realschul-Aula der Vorhang hebt. Ein Vierteljahr haben die 60 Schauspieler, Sänger, Musiker, Requisiteure und Maskenbildner auf diesen Augenblick hingearbeitet. Jetzt hat „Lüdinghausen goes Musical“ der Musikschule Münsterland endlich Premiere. Seit Dezember trafen sich die Darsteller jedes Wochenende, um für die vier Musicals „Tanz der Vampire“, „Les Misérables“, „Grease“ und „Elisabeth“ zu proben.
Gleich vier Musicals in eine Vorstellung zu packen, ist ein schwieriges und riskantes Unterfangen. Doch Regisseurin Annelie Raub und dem musikalischen Leiter Sascha Joerges gelingt die Collage aus Werken mit schaurigen Vampiren, Pariser Revolutionären, lässigen High-School-Typen und einer verzweifelten Kaiserin von Österreich. Obwohl sie gerade einmal drei Monate Probezeit hatten, soll das Musical „keine Schulaufführung sein, sondern ein sehr gutes Laientheater“, ist für Annelie Raub der Maßstab hoch. Und die Laiendarsteller erfüllen den Wunsch der angehenden Theaterpädagogin. Mit beachtlichen sängerischen und schauspielerischen Leistungen und Freude am Spiel holen sie den Broadway an die Stever.
Jakob Mathia verzückte die Zuschauer in der beinahe ausverkauften Aula mit seiner Darstellung als Wirt und Inspektor in „Les Miserables“. In der Rolle des Graf von Krolock im „Tanz der Vapire“ lässt Thomas Neis die Zuschauer nur mit seinem Aussehen und keinesfalls mit seinem Gesang erschauern. Klasse spielte auch Fabio Gunnemann die Rolle des coolen Danny in den Ausschnitten aus „Grease“.
Auch das Casting, das die Musikschule Münsterland zusammen mit der Realschule veranstaltet hatte, war erfolgreich. Die Schülerinnen Myriel Schigiol und Julia Meyers brillierten gesanglich in ihren Hauptrollen als Wirtstochter Sarah und verliebte High-School-Schülerin Sandy . Doch auch das Team hinter der Bühne trägt zum Erfolg bei. Die Band aus Schülern der Musikschule und anderen Musiker liefern live die weltbekannten Melodien aus den aufgeführten Musicals.
Leider trübte die Technik ein wenig das Musical-Vergnügen. Ausgefallene Mikrofone und falsch eingeschaltete Lichter lenkten die Zuschauer ab und verunsicherten die Darstellern auf der Bühne. Fabio Gunnemann macht dennoch das Beste draus und landet spontanen Applaus: „Eigentlich wollte ich jetzt ein Lied über Sandy singen“.
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