Lüdinghausen
Mo., 08.03.2010
„Die Probleme beginnen im Job“
Lüdinghausen - Wer im Internet das Stichwort „Internationaler Tag“ eingibt, stößt unvermutet auf eine nicht enden wollende Liste der unterschiedlichsten Gedenktage. Da gibt es den Tag der Muttersprache, den Tag der Familie, den Tag gegen Drogenmissbrauch aber auch so skurille Auswüchse wie den „Internationalen Tag der Jogginghose“. Letzterer dürfte wohl kaum ernst gemeint sein...
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Lüdinghausen - Wer im Internet das Stichwort „Internationaler Tag“ eingibt, stößt unvermutet auf eine nicht enden wollende Liste der unterschiedlichsten Gedenktage. Da gibt es den Tag der Muttersprache, den Tag der Familie, den Tag gegen Drogenmissbrauch aber auch so skurille Auswüchse wie den „Internationalen Tag der Jogginghose“. Letzterer dürfte wohl kaum ernst gemeint sein. Doch wie sieht das mit dem „Internationalen Frauentag“ aus, der gestern weltweit begangen wurde? Seine Idee ist über 100 Jahre alt, sein Ursprung stammt aus der sozialistischen Frauenbewegung, sein Motto hat sich in den Jahrzehnten immer wieder gewandelt. Aber wie steht es um den Tag des gar nicht mehr so schwachen Geschlechts in der heutigen Zeit? Braucht die moderne Frau noch einen Gedenktag? Und wenn, wie könnte der helfen, wenn es um die Gleichberechtigung oder Gewalt gegen Frauen geht? Darüber sprach WN-Redakteurin Beate Nießen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Lüdinghausen, Barbara Wieschhues.
Glauben Sie, dass der Internationale Frauentag für die weibliche Bevölkerung in Lüdinghausen noch eine Bedeutung hat?
Wieschhues: Der Frauentag hat sicherlich heute nicht mehr die Bedeutung, die er früher einmal hatte. Damals ging es um das Wahlrecht für Frauen, um bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Heute ist der 8. März für viele nur noch ein tag, an dem es etwas zu feiern gibt, und nicht mehr zu erkämpfen.
Vor 100 Jahren ging es den Frauen um den Kampf für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Davon kann heute, zumindest in Deutschland, keine Rede mehr sein, oder doch?
Wieschhues: Ich glaube, dass die jungen Mädchen heute in der Schule oder im Studium nicht mehr das Gefühl haben, wegen ihres Geschlechts benachteiligt zu sein. Ihnen stehen in der Bildung inzwischen alle Türen offen, da gibt es keine Schranken mehr. Das ändert sich allerdings mit dem Eintritt ins Arbeitsleben.
Was meinen Sie damit genau?
Wieschhues: Im Arbeitsleben gibt es dann plötzlich doch wieder geschlechtsspezifische Probleme. Da geht es natürlich um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist eben nun mal die Frau, die das Kind bekommt. Und sie ist immer noch in den meisten Fällen diejenige, die anschließend zu Hause bleibt. Da geht es um die Möglichkeit des beruflichen Aufstiegs. Nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Und noch immer ist es in Deutschland Realität, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Stellung schlechter bezahlt werden. Und da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz: das Elternteil mit dem geringeren Gehalt, ist auch das Elternteil, das wegen der Kinder daheim bleibt, also die Frau.
Sie sind als Gleichstellungsbeauftragte nicht nur für die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung zuständig, Sie sind auch für Externe eine Anlaufstelle. Mit welchem Problemen kommen die Frauen zu Ihnen?
Wieschues: Ein wichtiges Thema ist sicher der Wiedereinstieg in den Beruf. Da veranstalten wir regelmäßige Beratungen. Aber es geht auch um ganz individuelle Problemsituationen im Job oder auch im Privatleben. Da geht es um Mobbing, um fristlos ausgesprochene Kündigungen im 400-Euro-Job, um Gewalt in der Familie, um Trennungen. In vielen dieser Fälle fungiere ich als Vermittlerin an eine geeignete Beratungsstelle, sage den Frauen, wohin sie sich wenden können.
Sie sind selbst allein erziehende Mutter, kennen die Probleme aus eigener Erfahrung. Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit?
Wieschhues: Ganz sicher. Ich glaube, dadurch habe ich einfach ein besseres Gespür für die Nöte und Sorgen der Frauen, die zu mir kommen. Ohne dass ich mein Privatleben extra ausbreite, vermittle ich so wahrscheinlich eine größere Glaubwürdigkeit.
Wenn man die Entwicklung in der Gleichberechtigung betrachtet, hat man das Gefühl, dass die jüngere Generation Männer damit ein viel geringeres Problem hat, als noch deren Väter. Ist vielleicht irgendwann Ihre Arbeit überflüssig?
Wieschhues: Jemand hat mal gesagt, Gleichberechtigung schreitet voran wie eine Schnecke. Da ist tatsächlich was dran. Ich glaube nicht, dass ich noch erleben werde, dass das Thema Gleichberechtigung erledigt, sprich abgehakt ist. Es bleibt noch eine Menge zu tun.
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