Lüdinghausen

Di., 22.06.2010

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Perfektes Zusammenspiel

Friedrich Kleinhapl (Violoncello) und Andreas Woyke (Klavier) überzeugten am Sonntag die Zuhörer in der Oranienburg des Schlosses Nordkirchen.Fotos: (Werner Zempelin)
Von Werner Zempelin

Nordkirchen - Die Veranstaltergemeinschaft der „Schlosskonzerte Nordkirchen“ hat erneut einen Glücksgriff getan, indem sie als virtuoses Duo die beiden Ausnahmemusiker Friedrich Kleinhapl (Violoncello) und Andreas Woyke (Klavier) am Sonntagabend in der Oranienburg des Schlosses präsentierten. Auf dem Programm standen eigentlich „nur“ Beethoven und Schubert, doch das Programm wurde kurzfristig geändert, „da das Mahler-Jahr ausgebrochen“ sei, wie Kleinhapl zu Beginn ausführte.

Der Landsmann von Friedrich Kleinhapl, der Österreicher Gustav Mahler wurde vor 150 Jahren (7. Juli 1860) geboren und man habe beschlossen, auch etwas unter dem Titel „Todeshunger - Lebensverlangen“ von Mahler mit ins Programm zu nehmen, wobei Schuberts „Anteil“ gekürzt wurde. Bei dieser Ankündigung ging ein Murren durch den ausverkauften Saal, denn nicht alle Besucher waren mit dieser „eigenmächtigen“ Änderung einverstanden.

Los ging es dann aber wie geplant mit der zweiten Beethoven-Sonate für Violoncello und Klavier (op. 5 Nr. 2) Was Friedrich Kleinhapl auf „seinem“ (Banken-Leihgabe) mächtigen Guadagnini-Cello da an expressiver Dynamik, Klangfarbenreichtum und spontaner Intuition, gepaart mit brillanter Technik und Sicherheit hervorbrachte, machte das Konzert mit dem Cellisten zu einem unvergesslichen Genuss für das Publikum. Die linke Hand „flitzte“ über die Saiten, um dabei aber die Klänge mit einer Exaktheit zu treffen, die den wahren Meister ausmacht.

Dabei wirkte sein perfektes Zusammenspiel mit dem Pianisten Andreas Woyke vom tiefsten Bass bis zu den höchsten Tönen wie aus einem Guss. Allerdings stand Woyke auf dem Flügel dem Duo-Partner in seiner Fingerfertigkeit in nichts nach - die Töne wurden griffsicher, ob energisch oder sanft, eindrucksvoll und ausdrucksstark zu Gehör gebracht. Er verlieh dem manchmal dominanten Klavierpart Dynamik, ja mitreißenden Schwung, ohne den Eindruck zu vermitteln, sich in den Vordergrund „drängeln“ zu wollen.

Besonders besessen wirkte Kleinhapl, als im Kopfsatz der zweiten Sonate bei breitem Strich die schweren Abwärtsfiguren heftige Eindringlichkeit erkennen ließen, aber ebenso die Pianissimi einschmeichelnd schwelgten.

Der für seinen Celloklang inzwischen berühmte Friedrich Kleinhapl präsentierte anschließend Ausschnitte aus dem Liedwerk Gustav Mahlers, wie „Das irdische Leben“ oder „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, was nicht übermäßig Begeisterung erzeugte.

Auf ganz viel Zustimmung traf das Duo aber bei seiner Interpretation von Franz Schuberts „Erlkönig“-Lied (op. 1), das dieser schon als ganz junger Mann verfasste.

Der nicht enden wollende Applaus der vielen Zuhörer „zwang“ die beiden Künstler zu einer ganz anders erwarteten, aber durchaus willkommenen Zugabe: Ein mitreißender Tango des Argentiniers Astor Piazzolla bildete Schlusspunkt und I-Tüpfelchen zugleich für ein grandioses und bemerkenswertes Konzert der beiden Ausnahmemusiker. Kein Wunder, dass Friedrich Kleinhapl inzwischen zu den gefragtesten Cellisten zählt und im Dezember ein Engagement in New York hat.


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