Das Kriegsende in Appelhülsen
„In Schutt und Asche gelegt“

Appelhülsen -

Ein interessantes Dokument der Ortsgeschichte ist die Zeichnung über die Eroberung Appelhülsens am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Donnerstag, 09.04.2015, 08:04 Uhr

2. April 1945: Die alliierten Truppen erobern Appelhülsen. Diese Zeichnung fertigte der englische Kriegsberichterstatter Bryan de Grineau. Die Zeichnung zeigt die große Kreuzung in Appelhülsen mit Blickrichtung zur Münsterstraße.
2. April 1945: Die alliierten Truppen erobern Appelhülsen. Diese Zeichnung fertigte der englische Kriegsberichterstatter Bryan de Grineau. Die Zeichnung zeigt die große Kreuzung in Appelhülsen mit Blickrichtung zur Münsterstraße. Foto: Ludger Warnke

Es ist der 14. April 1945, als die Menschen in London wohl zum ersten Mal davon erfahren, dass es in Westfalen in Deutschland ein kleines Dorf mit dem Namen Appelhülsen gibt. An diesem Tag veröffentlichte die damalige Wochenzeitung „The Illustrated London News“ eine Zeichnung des englischen Kriegsberichterstatters Bryan de Grineau, der die Kämpfe des 2. April 1945, als Appelhülsen „im Sturm eingenommen und in Schutt und Asche“ gelegt wurde, auf Papier gebannt hat.

Unter dem Titel „THE SIXTH GUARDS TANK BRIGADE AT THE APPROACHES TO MUENSTER: THE STORMING OF THE VILLAGE OF APPELHUELSEN“ (Übersetzung: Die 6. Guards Tank Brigade beim Anmarsch auf Münster : Die Eroberung des Dorfes Appelhülsen“) schildert de Grineau seine Sicht der Dinge. Die Zeichnung ist für die Appelhülsener Ortsgeschichte ein wichtiges Dokument, geht es doch um die Eindrücke von alliierter Seite.Intensiv mit der Zeichnung beschäftigt hat sich die Appelhülsenerin Anni Wessendorf, die sogar noch über eine Originalzeitung von damals verfügt. In der von ihr verfassten großen Chronik „Unser Appelhülsen im Wandel der Zeit“ (erhältlich beim Heimatverein) widmet Anni Wessendorf dem Dokument eine Doppelseite und geht auf Besonderheiten ein.

Die damalige Wochenzeitung „The Illustrated London News“ druckte zu der Zeichnung einen Erläuterungstext, in dem die Kämpfe in Appelhülsen kurz beschrieben werden. Übersetzt heißt es in diesem Text unter anderem: „Am 2. April, dem fünften Tage ihres Sturmangriffs, erreichte die 6. Panzerbrigade, bestehend aus Einheiten der Grenadiere und Scots Guards, und Einheiten der 17. amerikanischen Luftlandetruppen auf ihrem Marsch nach Münster, der Hauptstadt Westfalens, einer alten Dom- und Universitätsstadt, das Dorf Appelhülsen, 15 km von Münster entfernt. Appelhülsen wurde im Sturm eingenommen und in Schutt und Asche gelegt.

Unser Zeichner, der an der Spitze dabei war, hält in seiner eindrucksvollen Illustration den Augenblick des Einmarsches der Alliierten in Appelhülsen fest. Die Deutschen kämpften um jeden Meter Boden, während sie nach Münster zurückwichen. Deutsche 8-cm-Flak-Geschosse schlagen auf der Dorfstraße ein, aber die britischen und amerikanischen Soldaten versuchen, ihnen auszuweichen. Eine britische Luftlandeaufklärungseinheit passiert die brennenden Häuser entlang der Straße nach Münster.“

Ob die Zeichnung des damaligen Kriegsberichterstatters wirklich nur Fakten berücksichtigt oder auch dramaturgische, künstlerische Aspekte enthält, ist eine Frage, der sich auch Anni Wessendorf gewidmet hat. In seinem Bild bezeichnet Bryan de Grineau zum Beispiel den am linken Bildrand auf einer Schiebkarre liegenden Soldaten als toten deutschen Schützen. „Wir wissen aber, dass dieser deutsche Soldat damals nicht verstorben ist“, schildert Anni Wessendorf in ihrer Appelhülsen-Chronik. Es gebe glaubhafte Berichte, wonach der angeblich tote Soldat bei Wilhelm Drees in der Münsterstraße gewesen sei.

Zum Thema

Titel: Unser Appelhülsen im Wandel der Zeit; Autorin: Anni Wessendorf; Herausgeber: Heimatverein Appelhülsen e.V.; 1. Auflage 2006, gebundene Ausgabe, ca. 356 Seiten

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