Fr., 04.09.2015

Politcafé zur Bürgermeisterwahl Kandidaten-Check

Die Podiumsdiskussion im Forum des Gymnasiums hatte der Sowi-Leistungskurs Q2 zusammen mit Kurslehrerin Judith Rücker-Imkamp (l.) organisiert.

Die Podiumsdiskussion im Forum des Gymnasiums hatte der Sowi-Leistungskurs Q2 zusammen mit Kurslehrerin Judith Rücker-Imkamp (l.) organisiert. Foto: Lukas Splitthoff

Nottuln - 

Eine Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl hatte der Sowi-Leistungskurs Q2 des Gymnasiums organisiert. Und das Interesse war sehr groß.

Von Lukas Splitthoff

Mahnke oder Mannwald , wer soll an die Spitze des Rathaus kommen? In Nottuln hat wohl schon lange kein Wahlkampf mehr so polarisiert wie dieser. Das zeigte auch das riesige Interesse an der Podiumsdiskussion beim „Polit-Café“ des Gymnasiums zehn Tage vor der Wahl. Das Forum war voll besetzt: Wahlberechtigte Schüler, die Unterstützer beider Kandidaten und viele interessierte Bürger waren der Einladung des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Q2 (Klasse 12) zum Kandidaten-Check „Wer zieht in das Rathaus ein?“ gefolgt.

Manuela Mahnke (unterstützt von SPD , UBG, FDP und Bündnis 90/Die Grünen) und Dirk Mannwald (CDU) erkannten sofort: „Den Nottulnern ist es extrem wichtig, wer Bürgermeister wird.“

An Themen mangelt es im Wahlkampf nicht. Die brachten die beiden Moderatoren Philipp Eichert und Benedikt Eiersbrock auf den Tisch, ihre Fragen basierten auf einer Umfrage der EF (Klasse 10) im vergangenen Schuljahr zu den Themen Schule, Flüchtlinge, Wirtschaft und Ortsentwicklung sowie auf den Wahlversprechen der Kandidaten aus Broschüren und Zeitungsartikeln. Wobei, das stellten die Moderatoren fest, sich die Ideen der Kandidaten ähneln wie ihre Nachnamen – sie beginnen gleich und enden etwas unterschiedlich.

Das wichtigste Thema war bei dieser Veranstaltung natürlich die Schule, dementsprechend lautete gleich die erste Frage: „Wie soll es mit dem Schulstandort Nottuln weitergehen?“ Manuela Mahnke bezeichnete die gute Schullandschaft als wichtigen Standortfaktor, war aber um Ehrlichkeit, vor allem beim Gymnasium, bedacht: „Wir müssen zusammen überlegen, was wir tun können. Eine Prognose über zehn Jahre will ich jetzt nicht wagen.“ Trotzdem: „Melden Sie Ihr Kind hier an“, appellierte sie an die Eltern. Mit der Schulsituation eng verknüpft ist für sie die Frage nach einer besseren ÖPNV-Anbindung – ihr Kernthema. „Das hat oberste Priorität. Ist der Bedarf festgestellt, werde ich sofort die Gespräche aufnehmen und eine kontinuierliche Lösung suchen.“

Dirk Mannwald gab ein klares Bekenntnis für die bestehenden Schulen ab und brachte ein Schulnetzwerk Baumberge ins Gespräch. Denn: „Das Angebot muss in jedem Fall interessant bleiben.“ Dafür wolle er kämpfen. Der Zuzug junger Familien soll helfen – auch die Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben. Vielleicht, so sein Vorschlag, löse aber auch ein bedarfsgerechter Busfahrplan, in Baumberge-Kooperation und mit den Ortsteilen abgestimmt, das Pro­blem. So wie beim Olfener Modell. „Schließlich“, so sagte er, „muss es für die Menschen passen.“

Zu Beginn der zweiten Fragerunde berichtete Charles Isaac (19), Flüchtling aus Nigeria, eindrucksvoll von seinem herzlichen Empfang in Nottuln – aber auch von seinen Problemen, etwa Deutschkursen, die er selbst zahlen muss. Die Situation der Flüchtlinge, die Isaac schilderte, entsetzte die Kandidaten. „Wichtig ist, dass wir sie aufnehmen und integrieren“, sagte Mahnke. Sie sieht besonders bei den Vereinen ein großes Potenzial: „Sport und Musik brauchen keine Sprache.“ Langfristig setze sie auf „Integration durch Arbeit“. Dirk Mannwald lobte das ehrenamtliche Engagement, als Bürgermeister will er unter anderem einen „Runden Tisch der Vereine“ schaffen: „Wir müssen ihnen ein gutes Zuhause bieten. Das heißt, dass auch wir uns öffnen müssen.“ Mit Blick auf die täglich steigenden Flüchtlingszahlen forderte er: „Wir müssen vorbereitet sein.“ Zur Bewältigung der Aufgabe forderten beide Kandidaten eine bessere Unterstützung der Kommune durch Bund und Land.

Bei der Frage nach Jugendlichen in der Politik lagen die Amtsanwärter inhaltlich gleichauf. Während Mahnke von „Begegnung auf Augenhöhe“ sprach und einen Jugendrat etablieren will, setzt Mannwald auf den bekannten Schülerhaushalt, um „Wertschätzung zu zeigen“.

Nach zweieinhalb Stunden waren die politischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede abgesteckt, es folgte die abschließende Charakterfrage: „Warum wollen Sie überhaupt Bürgermeister in Nottuln werden?“. Mahnke: „Ich will etwas Neues machen und meine Kompetenzen verknüpfen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Und falls ich es nicht werde: Ich werde mich nie anderswo als Bürgermeisterin bewerben.“ Mannwald wurde nach seiner politischen Kompetenz und der nötigen Objektivität gefragt und antwortete: „Ich kenne beides. Ich bin Nottulner und ich habe den Blick von außen. Das ist mein Vorteil. Ich will Nottuln nicht nur verwalten, sondern gestalten und eine Vision entwickeln.“

Dann eine letzte Frage aus dem Publikum: „Was haben Sie eigentlich im Wahlkampf voneinander gelernt?“ Mannwald legte vor: „Du bist ein sehr sozialer Mensch.“ Mahnke erwiderte: „Danke, und du bist ein sehr respektvoller Mensch.“ Zwei Zugeständnisse, die nicht treffender für die faire Debatte hätten stehen können.

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