Mo., 15.02.2016

Historische Ziegelei Für den Wiederaufbau nach dem großen Brand

Mit der Hand werden die Daten aufgenommen und Zeichnungen von den Grabungsfunden angefertigt. Hier ist ein Teil des Brennofenfundamentes zu sehen, das in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter freigelegt werden soll.

Mit der Hand werden die Daten aufgenommen und Zeichnungen von den Grabungsfunden angefertigt. Hier ist ein Teil des Brennofenfundamentes zu sehen, das in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter freigelegt werden soll. Foto: Frank Vogel

Nottuln - 

Grabungsleiter Christian Golüke und seine Mitarbeiter arbeiten sich Zentimeter für Zentimeter voran. Und das bei Wind und Wetter. Sie legen die Reste der historischen Ziegelei am Harfelder Weg frei.

Von Frank Vogel

„So etwas habe ich in dieser Form noch nicht gesehen.“ Christian Golüke hat in Nottuln derzeit einen Arbeitsplatz, der ihm Neues aus alter Zeit bietet. „Wir haben hier keinen dauerhaften Brennofen, aber auch keinen nur einmal genutzten Meiler. Das ist ein Zwischending – sehr spannend.“ Der Archäologe leitet die Grabung am Harfelder Weg in Höhe der zukünftigen Umgehungsstraße.

Hier hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Vorfeld der Straßenbauarbeiten bei geomagnetischen Messungen Strukturen im Erdreich festgestellt, die die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als historische Ziegelei identifiziert haben, von der bis dahin niemand etwas wusste, von der kein Flurname und kein bekanntes Dokument zeugt.

Nach ersten Vorarbeiten durch die LWL-Grabungstechniker ist die „Ärchäologie am Hellweg eG“ damit beauftragt worden, die Reste der Ziegelei freizulegen und zu dokumentieren. Grabungsleiter Christian Golüke ist seit über einem Jahrzehnt in Westfalen archäologisch tätig. Unter anderem war er auch Leiter der renommierten Internationalen Archäologischen Sommerakademie Xanten. Jetzt ist sein Arbeitsplatz in Nottuln.

Unter einem Zelt arbeitet Golüke gemeinsam mit Studierenden. Zentimeter für Zentimeter wird der Boden freigelegt, immer wieder wird mit der Fotokamera festgehalten, was zu sehen ist. Gleichzeitig werden Zeichnungen von Hand gefertigt und Maße aufgenommen.

Danach ist so viel klar: „Wir haben hier einen Brennofen, der etwa neun mal fünf Meter groß ist. Um den Ofen anzulegen, hat man zunächst den Ackerboden abgetragen und dann noch einmal ungefähr 40 Zentimeter tief in den gewachsenen Boden gegraben. Insgesamt liegt der Ofen somit etwa 70 bis 80 Zentimeter tief.“ Das so entstandene Loch wurde innen umlaufend mit einer Reihe aufrecht stehender Ziegel verkleidet. Über diesem Fundament, so vermutet Golüke, wird die frei stehende Wand wohl stärker als nur einen Ziegel breit gewesen sein.

Über sechs Schürgänge wurde der Ofen befeuert, das Holz wurde wahrscheinlich aus Richtung Harfelder Weg an die Schürgänge herantransportiert. Von Arbeitsgruben aus konnten die Ziegelbrenner den Ofen damit befeuern. Die Reste von insgesamt sieben Holzpfählen zwischen den Schürgängen haben wohl eine Überdachung getragen, die das Holz vor Wind und Wetter schützte, vermutet Golüke.

Vom Harfelder Weg aus gesehen vor dem Brennofen haben die Archäologen eine rechteckige Fläche ausgemacht, an deren Rändern Ziegelschutt liegt, in der Mitte sind Kohlereste im Boden erkennbar. „Wahrscheinlich sind hier die Ziegel nach ihrer Qualität sortiert worden. Der Schutt kam an die Seite, die guten Ziegel wurden abtransportiert. „Die Kohlereste lassen darauf schließen, dass die Ziegel vorher gesäubert worden sind“, denkt Golüke.

Der Lehm, aus dem die Ziegel gebrannt worden sind, sei wahrscheinlich aus einer Grube entnommen worden, die etwa 50 Meter hinter dem Brennofen lag und die heute als Kuhle im Gelände zu erkennen ist. „Was dazwischen lag, ob es noch weitere Öfen gab, können wir nicht sagen“, so Golüke. Dazu werde es wohl auch keine Untersuchungen mehr geben.

Der Ofen ist jedenfalls bewusst in den Boden eingelassen worden. Der wahrscheinliche Grund: Nach dem Ende seiner Nutzung ist der Ofen eingerissen und verfüllt worden, dann kam der Ackerboden wieder oben drauf, und nichts mehr war von dem Ofen zu sehen. Der Acker konnte wieder als solcher genutzt werden.

Ziel der Grabung, die etwa bis Ende März dauern wird, werde es sein, den Zustand des Ofens vor der Verfüllung wiederherzustellen und diesen fotografisch festzuhalten. Mittels spezieller Computersoftware könne man dann eine dreidimensionale Darstellung der Anlage erstellen, erklärt Christian Golüke.

Was der Archäologe und seine Mitarbeiter gerne noch finden würden, wäre etwas, das eine genauere Datierung der Anlage zulässt. „Zum Beispiel Porzellan.“ Zwar dürfte die erste Schätzung, dass die Ziegelei aus dem 18. Jahrhundert ist, richtig sein. „Aber so lange wir nicht irgendetwas finden, anhand dessen wir die Zeit eingrenzen können, bleibt das vage.“

Eine interessante Vermutung hat der Grabungsleiter abschließend zur Hand. Der vorübergehende Charakter der Anlage könne darauf schließen lassen, dass der Ofen – möglicherweise als einer von mehreren – von Wanderziegelbrennern angelegt worden ist, als nach dem großen Brand von 1748 Ziegel für den Neuaufbau Nottulns gebraucht wurden.

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