Sa., 01.10.2016

Gymnasium Nottuln Demokratie ganz praktisch

Das AULA-Projekt ist angestoßen (v.l.) Oberstufenschüler Lukas Wick, Daniel Schumacher, Marina Weisband und Alexa Schraeger von politik-digital sowie Sowi-Lehrer Werner Völlering vom Gymnasium.

Das AULA-Projekt ist angestoßen (v.l.) Oberstufenschüler Lukas Wick, Daniel Schumacher, Marina Weisband und Alexa Schraeger von politik-digital sowie Sowi-Lehrer Werner Völlering vom Gymnasium. Foto: Ulla Wolanewitz

Nottuln - 

Als eine von vier Schulen in Deutschland nimmt das Gymnasium am Pilotprojekt „AULA – Schule gemeinsam gestalten“ teil.

Von Ulla Wolanewitz

Während es draußen vor der Tür in den Debattenküchen um die Zukunftsfähigkeit des Gymnasiums auf Hochtemperatur brodelt, wird drinnen nach wie vor innovativ und kreativ gearbeitet. „Wir sind dabei!“, freute sich SoWi-Lehrer Werner Völlering , dem es mal wieder gelungen war, ein spannendes Projekt an die Schule zu holen. „AULA – Schule gemeinsam gestalten“, heißt das Pilotprojekt, das Schülerinnen und Schüler befähigen soll, als mündige Bürger am demokratischen Prozess teilzuhaben, eigene Entscheidungen überlegt zu treffen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Computergestützt darf dieses Konzept an vier Schulen in Deutschland erprobt werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung übernimmt dabei die erforderliche Finanzierung. „Natürlich macht es uns stolz, dass wir in Nottuln neben Hamburg, Jena und Freiburg dabei sind“, freute sich Werner Völlering.

Als Träger fungiert der Verein „politik-digital“, der dazu die entsprechende Software und den Leitfaden für Schüler und Lehrer entwickelt hat. Wie das alles funktionieren kann, das veranschaulichten Alexa Schraeger, Daniel Schumacher und Marina Weisband von der Berliner NGO (Nicht-Regierungsorganisation) am Donnerstag vor Ort.

Dass dieses Angebot durchaus verlockend klingt, spiegelte die Tatsache, dass sich gleich 32 Schüler der Klassen neun bis zwölf freiwillig zum ersten Mentoren-Treffen einfanden. Diese Mentoren wiederum sollen zehn Lerngruppen begleiten, unterstützt von zehn Lehrern.

„Demokratie ist nicht Schoko oder Vanille, nicht Bleiben wir in Europa oder nicht“, erklärte die Politikerin Marina Weisband, die sich bereits im vergangenen Jahr aus der Piratenpartei Deutschland verabschiedete. „Demokratie ist, Ideen zu sammeln, sie zu verbessern und den Verbesserungsvorschlag gemeinsam wieder zu verbessern.“

Wie das hier praktisch funktionieren soll? Schüler stellen ihre Ideen mit ein, zwei Sätzen auf einer Plattform ein. Die Mitschüler können diese bewerten, fördern oder ablehnen. Gibt es gute Mehrheiten, so ist es Aufgabe des Moderators, die Vorschläge „auf den Tisch zu bringen“, sie weiter voranzubringen. Heißt: Der Vorschlag beziehungsweise die Idee muss zur Schulleitung delegiert werden, damit diese überprüfen kann, ob die Umsetzung mit dem geltenden Recht vereinbar ist. Letztendlich umsetzungsverantwortlich bleibt als Initiator derjenige, der die Idee hatte. Steigt dieser aus Bequemlichkeit aus, wird die Idee nicht weiter verfolgt.

Die zehn Lehrer-Moderatoren fungieren als Berater, erhalten aber kein Stimmrecht und nicht die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. So sehen es jedenfalls die Spielregeln vor.

„Ihr seid hier in der privilegierten Lage, dass ihr einen eigenen Schülerhaushalt habt“, betonte Marina Weisband noch einmal die Gunst der in Nottuln bereits vorhandenen Möglichkeiten. „Ihr könnt euch die Schule zu einem besseren Ort machen, zeigen, dass es auch anders, noch angenehmer geht.“

Mit AULA sollen und können die Schüler die gute Erfahrung machen, dass „es durchaus Resonanz hat, wenn man etwas macht, sich engagiert“, erklärte Werner Völlering. So könne es sich nur positiv auswirken, wenn sich die Schüler über praktische Prozesse notwendige Kompetenzen zur Demokratie aneignen.

„Digitale Plattformen haben im Leben junger Menschen einen hohen Stellenwert“, erklärte Michaela Gerdemann, Referendarin für Geschichte und Latein. „Hier können sie die Spielregeln gemeinsam entwickeln und ihre Erfahrungen damit machen.“

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