Sa., 05.11.2016

Menschen in Nottuln Tüfteln aus Leidenschaft

Dieses Modell einer Schiffsmühle, einer schwimmenden Wassermühle, baute der Nottulner Andreas Leistikow.

Dieses Modell einer Schiffsmühle, einer schwimmenden Wassermühle, baute der Nottulner Andreas Leistikow. Foto: Sammlung Andreas Leistikow

Nottuln - 

78 Jahre alt ist Andreas Leistikow. Doch die Freude am Tüfteln ist ihm nicht vergangen. Jetzt hat er das Modell einer Schiffsmühle gebaut. Und das hat einen besonderen Hintergrund.

Von Ludger Warnke

„Technik hat mich schon immer interessiert“, sagt Andreas Leistikow . Und diese jugendliche Begeisterung hat sich der Nottulner auch im Alter bewahrt. Mit 78 Jahren tüftelt er immer noch leidenschaftlich an verschiedenen Projekten. „Ich möchte ja meine freie Zeit sinnvoll nutzen.“ Aktuell hat der Nottulner das Modell einer schwimmenden Wassermühle, einer Schiffsmühle , zur Stromerzeugung hergestellt. Und die Mühle funktioniert, wie ein Versuch auf der Stever bei Paul Frye in Heller bewies. Die Schiffsmühle erzeugte Strom und brachte eine Glühlampe zum Leuchten.

Wenn der gelernte Landwirt und ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr und zuletzt der Post in Nottuln sich ein Projekt ausdenkt, dann geht es fast immer um den sinnvollen Umgang mit Ressourcen, die Schonung der Umwelt, um regenerative Energien. Für dieses Engagement ist Leistikow 2010 sogar mit dem Klimapreis der Gemeinde Nottuln ausgezeichnet worden. Leistikow, „ein Mensch mit einem eigenen Kopf und vielen Ideen“, wie es damals hieß, war 2004 der Initiator des Nottulner Bürgerwaldes, entwickelte einen Scheibengenerator zur Stromerzeugung, baute unter anderem eine Solaranlage für Brauchwasser mit herkömmlichen Mitteln. Zuletzt erregte der Nottulner große Aufmerksamkeit mit seinen besonders konzipierten Windrädern, mit denen er sich im Sommer an dem Projekt „Windkraftkunst im Kornfeld“ in Schöppingen beteiligte. Dadurch knüpfte er Kontakte zum Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld und zur Talentschmiede Schöppingen, einer Einrichtung der Bildungsinitiative „Kit“. Beide sind nun auch an seiner schwimmenden Wassermühle interessiert, die ein gutes Unterrichtsprojekt sein kann.

Spannender Moment an der Stever: Das Modell einer Schiffsmühle wird ausprobiert. Und es funktioniert und versorgt eine Glühlampe mit Strom. Andreas Leistikow (2.v.r.) aus Nottuln und seine Unterstützer von der Talentschmiede, Andreas Gövert, Richard Raue und Gottfried Wolf, sind sehr zufrieden. Nicht auf dem Foto ist Herbert Thesing (Pictorius-Berufskolleg Coesfeld).

Spannender Moment an der Stever: Das Modell einer Schiffsmühle wird ausprobiert. Und es funktioniert und versorgt eine Glühlampe mit Strom. Andreas Leistikow (2.v.r.) aus Nottuln und seine Unterstützer von der Talentschmiede, Andreas Gövert, Richard Raue und Gottfried Wolf, sind sehr zufrieden. Nicht auf dem Foto ist Herbert Thesing (Pictorius-Berufskolleg Coesfeld). Foto: Sammlung Andreas Leistikow

„Vor vier Jahren bei einem Besuch des Mühlenmuseums in Gifhorn habe ich eine Schiffsmühle gesehen“, erzählt Leistikow. Da kam ihm die Idee zu dem Projekt. Es verging aber noch einige Zeit, bis er wirklich starten konnte. Weil es um die Schonung der Umwelt geht, hat der Nottulner für sein Mühlenmodell nur gebrauchte Sachen verwertet: etwas Abwasserrohr für den Schwimmkörper, zwei gebrauchte Nabendynamos aus Fahrrädern, die Seiten einer alten Schlauchtrommel für das Mühlrad, etwas Kabel, eine Glühbirne, Befestigungsmaterial.

Natürlich sind Schiffsmühlen keine neue Erfindung. Schon im 6. Jahrhundert nach Christus, als Rom belagert wurde, kamen sie zum Einsatz, erzählt Leistikow. Schiffsmühlen seien heute aber selten geworden, dabei ist der Nottulner überzeugt, dass sie ein großes Potenzial haben. Um Überflutungen vorzubeugen, werden an vielen Flüssen Staustufen und Begrenzungen zurückgebaut, was aber die Nutzung der Wasserkraft erschwere. Schwimmende Wassermühlen wären eine Lösung, die Kraft des Wassers zu nutzen, ohne die Laichzüge der Fische, den Schiffsverkehr oder den Abfluss des Wassers zu beeinträchtigen. Aktuell gebe es in Magdeburg eine Schiffsmühle, die umgerechnet Strom für rund 300 Haushalte erzeuge.

Den ökologischen Gedanken am Beispiel der Schiffsmühle auch jungen Menschen nahezubringen, ist ein Grund dafür, warum der Nottulner auch Kontakte zum Berufskolleg und zur Talentschmiede geknüpft hat. Weitere Schulen oder Organisationen, die an dem Projekt interessiert sind, können sich gerne bei ihm melden (E-Mail: a.leistikow@online.de).

Jetzt hat sich der Nottulner vorgenommen, das Modell weiter zu verbessern. Die neue Schiffsmühle soll breiter sein, das Wasserrad vom Durchmesser her kleiner, um eine höhere Drehzahl zu erreichen. Das müsste die Stromausbeute erhöhen, damit könnte man dann nicht nur eine Glühbirne zum Leuchten bringen Und, und, und.

Andreas Leistikow tüftelt schon wieder. Das ist seine Leidenschaft.

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