Vortragsreihe Pazifismus
„Wer Frieden will, muss verhandeln“

Nottuln -

Sehr gut besucht war die zweite Veranstaltung der Reihe zum Thema „Pazifismus“. Thomas Carl Schwoerer erläuterte seine Vorstellungen – die auch kritisch hinterfragt wurden.

Dienstag, 07.02.2017, 20:02 Uhr

Sorgten für einen anregenden Diskussionsabend: Moderatorin Ingeborg Bispinck-Weigand (FI Nottuln) und Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der DFG-VK.
Sorgten für einen anregenden Diskussionsabend: Moderatorin Ingeborg Bispinck-Weigand (FI Nottuln) und Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der DFG-VK. Foto: Günter Kuhr

Volles Haus auch bei der zweiten Veranstaltung der Pazifismusreihe von Friedensinitiative (FI) Nottuln , Attac Coesfeld und Diözesanverband Pax Christi . Über 70 Bürger waren am Montagabend in die Alte Amtmannei gekommen, um den „nicht ganz einfachen Job“ zu machen, gewaltfreie Lösungsalternativen zum Militäreinsatz bei Krisen und Kriegen zu diskutieren, wie Moderatorin Ingeborg Bispinck-Weigand (FI) erläuterte. Wie die Diskussion zeigte, fühlten sich einige im Publikum hin- und hergerissen, hatten Zweifel, ob es realistische pazifistische Ansätze gibt.

Der Referent des Abends, Thomas Carl Schwoerer , Verleger, Buchautor und Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), war bei dieser Frage klar: „Es gibt keine militärische Lösung – weder des Terrorismus noch für Syrien und Mali!“ Nur politische Lösungen hätten eine reale Chance. Lösungen, die am Verhandlungstisch gefunden werden. Seine These: „Verhandeln statt schießen – auch mit Dschihadisten.“

Leidenschaftlich plädierte Schwoerer dafür, Denkverbote zu überwinden. Die Analyse bisheriger Kriege zeige, dass oft bis zur völligen Erschöpfung, bis zum Ausbluten gekämpft werde. Die Folge: Zerstörung und viele Hunderttausend Tote. Eine solche Politik sei Ausdruck von Hilflosigkeit und altem Denken.

Vorzuziehen sei eine Strategie, die sich die Politik Willy Brandts zum Vorbild nimmt. Brandt hätte im Kalten Krieg nicht darauf gewartet, bis beide Seiten erschöpft waren, sondern sei initiativ geworden, sei auf Gegner zugegangen, hätte verhandelt, dabei auch Zugeständnisse gemacht. Schwoerer: „Das ist Politik!“ Dabei gelte es, alle an einen Tisch zu holen, mit allen zu reden, auch mit Terroristen, auch mit dem IS. Ist das möglich?

Die Geschichte zeige, dass das Muster immer wiederkehre: Alle Terroristen wurden als skrupellos und brutal beschrieben. Eine mörderische Gewalteskalation sei die Folge gewesen. Schließlich sei es doch zu Verhandlungen und Friedensabschlüssen gekommen, aber erst nach Jahren und nachdem Hunderttausende getötet worden waren.

Schwoerer: „Wer Frieden will, muss mit seinen Feinden verhandeln. Das setzt Mut voraus!“ Ein solcher politischer Ansatz sei weitaus realistischer als die sogenannte Realpolitik.

Am 20. März (Montag) setzen Friedensinitiative, Attac und Pax Christi die Pazifismusreihe fort. Dann kommt der UN-Experte Andreas Zumach aus Genf nach Nottuln. Die Volksbank Nottuln sponsert auch diese Veranstaltung, sodass der Eintritt frei ist.

Die Vorträge werden per Video aufgenommen und können auf der FI-Homepage nachverfolgt werden.

 

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