So., 12.03.2017

Plattdeutsche Laienspielschar Ein echtes Fünf-Sterne-Stück

Auch tiefgefroren kann es hoch her gehen. Die Plattdeutsche Laienspielschar beweist es mit ihrem neuen Stück „Heine Bollmann mäck Klaorschipp“.

Auch tiefgefroren kann es hoch her gehen. Die Plattdeutsche Laienspielschar beweist es mit ihrem neuen Stück „Heine Bollmann mäck Klaorschipp“. Foto: Dieter Klein

Nottuln - 

Unfassbare Szenen spielen sich auf der Bühne ab. Und im Saal hält sich das Publikum vor Lachen die Bäuche. Die Plattdeutsche Laienspielschar hat zu ihrem 25-jährigen Bestehen alles richtig gemacht.

Von Dieter Klein

Dass der einzige Gast zur Neueröffnung eines Hotels tiefgefroren auf einer Sackkarre vor die Rezeption geschoben wird, das gab es wohl noch nie. Und dass dieser ausgerechnet der Prüfer vom Hotelverband ist und dem „Baumberger Hof“ den gewünschten vierten Stern verleihen soll, dafür aber erst aufgetaut werden muss, übersteigt jede Fantasie. Und erschütterte die Zwerchfelle der Zuschauer am Samstagabend bei der Premiere von „ Heine Bollmann mäck Kloarschipp“, die die Plattdeutsche Laienspielschar Nottuln im Saal Denter auf die Bühne brachte.

Mit dem Prädikat „Total verrückt“ könnte man diese rechtzeitig zum 25-jährigen Bestehen der Nottulner Spielschar entdeckte Komödie von Hannes Hanemann überschreiben. Und „Absolut fantastisch gespielt“, kann man gleich dazusetzen. Der proppevolle Saal tobte. Und das dreieinhalb Stunden lang. Zu lange? Im Gegenteil: Mancher Besucher ging zur Pause nicht mal mehr raus, als könne er versäumen, dass sich der Vorhang hebt und es weitergeht!

Alles passte: Die Schauspieler waren toll, das Bühnenbild wunderbar, großartig die Masken (Paula Driehaus) und (selbst für das Publikum in den ersten Reihen) unhörbar Souffleuse (Marie-Theres Till). Das alles perfekt inszeniert von Regisseurin Maria Schlichtmann. Ihr gebührt das Lob und der Dank für diese irrwitzige Unterhaltung, von der die begeisterten Zuschauer sicherlich noch lange schwärmen werden.

Worüber und warum? Rentner Heine Bollmann (Laurenz Rumphorst) kehrt mit der Urne und der Asche des verblichenen Hotelbesitzers zurück und erfährt, dass er den „Pleiteladen“ geerbt hat. Doch wie bringt er ihn wieder schnell auf Vordermann, bevor der angemeldete Hotel-Prüfer erscheint? Hier kann er sich auf sein Personal verlassen. Das da sind: Empfangschefin Vicki (Ingrid Budde), Koch Max Möhre (Marc Wortmann), Page Paul Kasten (Ludger Rumphorst), Zimmermädchen Sieglinde (Ines Thomas) sowie Lehrerin Olga Köster (Susanne Pietruska) mit ihrer Nichte Sonja (Franziska Holland). Sie alle schlüpfen in die verrücktesten Rollen, um dem Hotelprüfer Dr. Bernd Brand (Manfred Pfeifer) ein gut geführtes, sternewürdiges Hotel zu bieten.

Der Gast reist an, findet am Bahnhof Appelhülsen in der eisigen Winternacht allerdings kein Taxi nach Nottuln und erreicht sein Domizil gewissermaßen nur tiefgefroren. Dort überschlagen sich jetzt die Ereignisse. Nur ein Beispiel aus dem Tollhaus: Hoteldirektor Bollmann schlüpft in die Rolle eines Archäologie-Professors, ausgestattet mit Helm und Grubenlicht und erwirkt so sichtliche Bewunderung beim Hotelprüfer. Der aber unvermittelt in Verwirrung gerät, als er von Tante Olgas Nichte, die in die Rolle des Professoren-Töchterleins schlüpfen musste und von nichts eine Ahnung hat, erfährt, dass ihr Vater Gynäkologe sei. Das Chaos ist komplett, als der angebliche Archäologe – nun plötzlich ohne sein Wissen Gynäkologe – erzählt, wie er mit seiner Grubenlampe in den Tiefen herumstochert. Grotesker geht es kaum. Das Publikum schreit vor Vergnügen. Dass der Hotelpage inzwischen zum Scheich, die Rezeptionistin zur Geisha mutiert ist, kommt noch hinzu und verwirrt den verstörten Dr. Brand noch mehr.

Diesen Riesenspaß muss man erlebt haben! Dazu gibt es noch Gelegenheit am 25. März (Samstag) um 19.30 Uhr, am 26. März (Sonntag) um 14.30 Uhr (bei Kaffee und Kuchen), am 1. April (Samstag) um 19.30 Uhr und letztmalig am 2. April (Sonntag) um 14.30 Uhr. Bei dem zu erwartenden Zulauf ist es empfehlenswert, sich Tickets bei Polstermöbel Ahlers, Appelhülsener Straße 18, zu besorgen. Im Übrigen: Selbst wer kein Wort Plattdeutsch versteht, kommt voll auf seine Kosten. Die Situationskomik bedarf keinerlei Sprachkenntnisse.

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