Mi., 03.02.2016

Update „Notunterkunft“ Mann soll Mädchen am Gesäß berührt haben

Das Gebäude der Geschwister-Scholl-Hauptschule Nottuln dient seit August 2015 als Notunterkunft für Flüchtlinge.

Das Gebäude der Geschwister-Scholl-Hauptschule Nottuln dient seit August 2015 als Notunterkunft für Flüchtlinge. Foto: Frank Vogel

Nottuln - 

Aktualisiert 17.15 Uhr: Die Polizei Coesfeld hat den Mann, dem die Beleidigung eines zwölfjährigen Mädchens auf sexueller Grundlage vorgeworfen wird, nach der Vernehmung wieder frei gelassen. Der Beschuldigte hat die Vorwürfe abgestritten, sagte die Polizei. Die Staatsanwaltschaft Münster ordnete die Freilassung des Mannes an, da Gründe für eine Fortsetzung der Haft nicht vorliegen.

Von Ludger Warnke

Die Polizei hat einen Bewohner der Notunterkunft Hauptschule am Dienstagabend wegen des Verdachts der „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ vorläufig festgenommen. Dem Mann wird vorgeworfen, ein zwölfjähriges Mädchen beim Schaukeln auf einem Spielplatz an der Notunterkunft mehrfach am Gesäß berührt zu haben. Nach Auskunft von Martin Pollmann, Sprecher der Polizei Coesfeld, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Mann dem Mädchen für das Schaukeln nur habe Schwung geben wollen. Bei der Vernehmung am Mittwoch habe der Mann die Vorwürfe abgestritten. Er wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Münster freigelassen.

Zur Identität des Mannes machte die Polizei keine Angaben. Grund: Sie ist nicht zweifelsfrei geklärt, so die Polizei. Nach jetzigem Ermittlungsstand ist der Mann mit zwei unterschiedlichen Personalien registriert, weshalb auch wegen illegalen Aufenthaltes in Deutschland ermittelt wird.

Benachrichtigt wurde die Polizei am Dienstagabend (2. Februar). Um 18.43 Uhr meldete sich die Mutter eines zwölfjährigen Mädchens aus Nottuln bei der Polizei und gab an, dass ihre Tochter in Nottuln von einem unbekannten Mann, der vermutlich aus der Notunterkunft stammen würde, kurz an ihrem Schal festgehalten worden sei.

Eine Polizeistreife suchte sofort Mutter und Tochter in ihrer Wohnung auf und befragte sie. „Es ergaben sich dann Hinweise, dass eine ebenfalls zwölfjährige Freundin des Mädchens beim Schaukeln auf einem Spielplatz an der Notunterkunft von einem anderen Mann ausländischer Abstammung mehrfach am Gesäß berührt wurde“, schildern Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamem Erklärung. Die Mädchen hatten sich zuvor zum gemeinsamen Spiel getroffen, als sich eine Gruppe von mehreren jungen Männern zu den Kindern setzte.

Die Polizei nahm daher sofort Kontakt mit dieser Familie auf und befragte sie, berichtete Pollmann. Das Mädchen konnte der Polizei den Mann beschreiben, da dieser eine auffällige Brille trug. Bei einer sofort anschließenden Kontrolle der Notunterkunft wurde ein Tatverdächtiger identifiziert, vorläufig festgenommen, am Mittwoch befragt und dann wieder freigelassen.

Als Konsequenz aus dem Vorfall hat der DRK-Kreisverband, der die derzeit mit 105 Personen belegte Notunterkunft Nottuln betreibt, den Mann und die Gruppe, mit der er Kontakt pflegte (insgesamt etwa 10 Personen) noch am Mittwoch in eine andere Einrichtung bringen lassen. „Das darf keinesfalls als Vorverurteilung gewertet werden“, sagte DRK-Vorstand Christoph Schlütermann. Es handele sich vielmehr um eine vorbeugende Maßnahme.

Das Verlegen von einzelnen Personen oder Gruppen in eine andere Einrichtung sei ein ganz normaler Vorgang, wenn es Probleme des Zusammenlebens gibt, zum Beispiel bei Streit. Es gehe darum, wieder Ruhe in die Situation zu bringen.

Die Maßnahme des DRK trifft auch die Zustimmung der Gemeinde. „Gemeinde und DRK stehen in einem engen Schulterschluss“, sagte Bürgermeisterin Manuela Mahnke, die noch am Nachmittag mit DRK-Vorstand Schlütermann und dem Fachbereichsleiter Soziales der Gemeindeverwaltung, Benedikt Gellenbeck, die Situation erörterte. Mahnke zeigte sich zutiefst erschrocken über den Vorfall. Es gelte, die Ermittlungen der dafür zuständigen Behörden abzuwarten.

„Wir möchten die gute Willkommenskultur in Nottuln erhalten“, betone die Bürgermeisterin. In der Tat gilt das ehrenamtliche Flüchtlingsengagement in Nottuln als Vorzeigebeispiel. Mit Inbetriebnahme der Notunterkunft im Gebäude der früheren Geschwister-Scholl-Hauptschule im August vergangenen Jahres hat sich ein ehenamtliches Netzwerk entwickelt, in dem sich weit über 100 Bürger engagieren. Sie nehmen sich der Bewohner an, geben beispielsweise Deutschkurse, organisieren Angebote für Kinder, helfen bei der Ausstattung mit Kleidung, begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen.

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