Mo., 15.02.2016

Historische Ziegelei Der beste historische Brennofen in Westfalen

Aus der Luft kann man das Grabungsfeld mit dem Ziegelbrennofen und seinen sechs Schürkanälen gut erkennen. Inzwischen steht hier ein Zelt, unter dem die Archäologen wetterunabhängig arbeiten können.

Aus der Luft kann man das Grabungsfeld mit dem Ziegelbrennofen und seinen sechs Schürkanälen gut erkennen. Inzwischen steht hier ein Zelt, unter dem die Archäologen wetterunabhängig arbeiten können. Foto: LWL / C. Richter

Nottuln - 

Bei den Vorarbeiten zum Bau der Ortsumgehung wurde er entdeckt. Archäologisch ist er eine kleine Sensation: der Ziegelbrennofen am Harfelder Weg.

Nicht nur Grabungsleiter Christian Golüke ist begeistert. Auch die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben so etwas bisher noch nicht gesehen: Für sie schlummert in Nottuln der am besten erhaltene historische Ziegelbrennofen Westfalens im Boden. Bislang wirft er allerdings noch mehr Fragen als Antworten auf. Die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen untersuchen und dokumentieren mit Unterstützung der „Ärchäologie am Hellweg eG“ dieses einzigartige Zeugnis der westfälischen Industriegeschichte. Die Fachleute vermuten, dass der Ofen aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Wenn die Ortsumgehung entsteht und modernen Anforderungen an Infrastruktur und Verkehrswege den Weg ebnet, wird der Brennofen unter den Baggerschaufeln unwiederbringlich verschwinden, schreibt der LWL in einer Pressemitteilung. Damit nachfolgende Wissenschaftlergenerationen auch mit womöglich neuen Methoden in der Zukunft diesen besonderen Fund auswerten können, kommen jetzt die modernsten Techniken zum Einsatz, um den Ziegelbrennofen in allen Einzelheiten zu dokumentieren. „Sonst würden uns wertvolle archäologische und historische Erkenntnisse verloren gehen“, so LWL-Fachmann Dr. Christoph Grünewald.

Entdeckt worden war der Ziegelbrennofen bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte im Vorfeld der geplanten Ortsumgehung das Gelände mit geomagnetischen Geräten untersucht. Dabei sendeten die physikalischen Wellen Hinweise auf rechteckige Baustrukturen im Boden und auf weitere unterirdische Strukturen, die durch menschliche Bautätigkeiten entstanden sein müssen.

In den Archiven der Archäologen fanden sich keine Hinweise darauf, worum es sich dabei handeln könnte. In Abstimmung mit Straßen NRW Coesfeld, den Planern der Ortsumgehung, erfolgte im April eine Probegrabung. Dabei kamen auf einer Fläche von 1100 Qua­dratmetern so viele Indizien zutage, dass am Ende klar war: Hier liegt ein Ziegelbrennofen begraben.

Die Brennkammer, eine Rampe als Zugang, Schürkanäle zur Befeuerung: Das alles konnten die Archäologen schon jetzt erkennen und festhalten. Die Experten vom LWL-Industriemuseum, Ziegelei Lage, und von der LWL-Denkmalpflege wurden ebenfalls hinzugezogen.

Offen blieb bislang die Gesamtausdehnung des Betriebsgeländes. Gruben zur Aufbereitung des Tons, Bereiche und Vorrichtungen zum Trocknen der Ziegel, Lager für das Brennholz und für die fertigen Ziegelprodukte, Halden für die Abfälle: Das wollen die Archäologen jetzt lokalisieren und erforschen.

Dabei erhoffen sich die Fachleute auch Aufklärung zu der Frage, wann dieser Ofen genau genutzt wurde. Bislang können sie aufgrund fehlender schriftlicher Hinweise und Einträge nur vermuten, dass die Anlage vor 1826 in Betrieb war und vielleicht mit dem Wiederaufbau des Dorfes nach dem verheerenden Brand im Jahr 1748 im Zusammenhang stehen könnte. Darüber hinaus sollten die Ausgrabungen auch Hinweise auf die genaue Konstruktion des Ziegelbrennofens geben.

Gemeinsam mit Straßen NRW Coesfeld wurden die Ausgrabungen so geplant, dass die Straßenbaumaßnahmen ohne Verzögerung beginnen können. Ende März sollen sie abgeschlossen sein.

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