Fr., 11.08.2017

Hobby Facettenreiche Leidenschaft

Josef Pentrup in seiner geschmackvoll hergerichteten häuslichen Ausstellung, jede Fliese wird hier ins rechte Licht gerückt.

Josef Pentrup in seiner geschmackvoll hergerichteten häuslichen Ausstellung, jede Fliese wird hier ins rechte Licht gerückt. Foto: Dieter Klein

Nottuln - 

Der Nottulner Josef Pentrup hat eine einzigartige Sammlung von Fliesen mit kunstvollen Motiven.

Von Dieter Klein

Es ist der erste Mord der Menschheitsgeschichte, und bekannt ist er aus der Bibel: Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Hier ist die Bluttat beinahe kindlich naiv, kobaltblau auf eine kleine Fliese gezeichnet, gebrannt und glasiert. Ein zweiter Tatort: Golgatha, der Hügel vor den Toren Jerusalems. Die Ermordung Jesu. Der Moment, in dem ein römischer Soldat den mit Essig getränkten Schwamm, auf eine Lanze gespießt, höhnisch dem Sterbenden am Kreuze anbietet.

Doch dem Betrachter fällt es schon jetzt schwer, sich auf diese eine Szene zu konzentrieren. Fliesen wohin der Blick fällt. Hunderte. Ein ganzes Haus voll. An den Wänden hinter der Eingangstür, bis hoch unters Dach. Die meisten zeigen biblische Motive. Andere Abbildungen von alten Handelsschiffen, Hafenszenen, Windmühlen, Tiere, spielende Kinder oder Landschaften unverkennbar friesischer Herkunft.

Fotostrecke: Josef Pentrup sammelt Motivfliesen

Der Nottulner Josef Pentrup sammelt diese tönernen Zeitzeugen in Kobaltblau, Manganviolett oder fast Schwarz. Er erinnert sich: „Anfang der 80er-Jahre machte ich Urlaub in Wyk auf Föhr. Dabei lernte ich einen alten Kapitän kennen, der hatte schon eine große Sammlung solcher Motivkacheln. So erfuhr ich auch, dass in früheren Jahrhunderten Kauffahrersegler auf ihren Reisen nach Indien die noch leeren Laderäume ihrer Schiffe mit Fliesen als Ballast füllten und in den Häfen fremder Länder dann gegen Waren entluden.“ Später habe auch er Fliesen eindeutig friesischer Herkunft in Südamerika gefunden.

„Damals ist meine Sammlerleidenschaft geweckt worden“, sagt der Nottulner. Eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht mehr verlassen hat. Mit der er sein Haus zu einem einzigartigen Museum umgestaltet hat. Seine frühere Spitzenposition in einem weltweit tätigen Energiekonzern verhalf ihm neben vielen Reisen auch zu der finanziellen Möglichkeit des Sammelns kostspieliger Kacheln. Besonders solcher, die erst zusammengefasst zu detailreichen, kunstvollen Tableaus wuchsen.

Viele der Fliesen stammen aus dem 16., 17., und 18. Jahrhundert, sind Relikte großer friesischer Bauernhäuser. Zu ihrer Herstellung verwendeten die Handwerker Ton, der geknetet, gewalzt, ausgestochen und bei rund 1000 Grad gebrannt wurde. Danach wurde der Ton in einer Mischung aus Salz, Soda und Pottasche (Kaliumcarbonat) glasiert und bemalt, wurden die Konturen mit Kohlenstaub markiert und wurde die Fliese erneut gebrannt.

Auf dem Feld der Bibelfliesen sind etwa 600 verschiedene Motive mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament bekannt. Genannt werden sie auch „Ikonen des Nordens“ und interpretiert als „Fenster zur himmlischen Wirklichkeit“.

Das Haus Pentrup mit Hunderten dieser „Himmlischen Fenster“ bietet einen einmaligen Einblick in die Vergangenheit, in die Welt und das Denken der Menschen damals. Und das nicht nur optisch. Jede einzelne Fliese ist katalogisiert und – wo nötig – mit der entsprechenden Bibelstelle versehen. Die wunderbaren Ergebnisse setzen eine akribische, zeitintensive Beschäftigung mit dem Thema voraus. Und Leidenschaft. Genau die Leidenschaft, die Josef Pentrup nicht mehr losgelassen hat.

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