Mo., 20.11.2017

Mahnender Theologe „Wir müssen miteinander reden“

Ein Mahner und Streiter für den Frieden: der 77-jährige Theologe Eugen Drewermann während seines Vortrags in Nottuln.

Ein Mahner und Streiter für den Frieden: der 77-jährige Theologe Eugen Drewermann während seines Vortrags in Nottuln. Foto: Iris Bergmann

Nottuln - 

Auch mit 77 Jahren ist Eugen Drewermann noch voller Leidenschaft: „Wir müssen den Regierenden Angst machen mit unserem Friedenswillen, denn der Frieden ist die Zukunft!“, erklärt er seinen Zuhörern in Nottuln.

Von Iris Bergmann

„Der einzige Weg zum Frieden ist, mit dem Frieden zu beginnen!“ Eugen Drewermann hält kurz inne und wartet den Applaus ab. Der bekannte Theologe war am Sonntag auf Einladung von vier Gruppen – Friedensinitiative (FI) Nottuln, Friedenskreis Havixbeck, pax christi und Attac COE – im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Novembertage“ zu Gast in Nottuln. Sein Vortrag „Warum Krieg?“ lockte zahlreiche interessierte Bürger ins Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, in dem nahezu alle Plätze besetzt waren.

Eugen Drewermann ist eine Persönlichkeit. Der 77-Jährige erklimmt die Bühne, stellt sich hin und steht während seines Vortrages kerzengerade. Einzig das Mikrofon wandert ab und zu von einer in die andere Hand. Die Stimme, klar und bestimmt, zieht die Zuhörer nicht nur sofort an, sondern hält sie auch beinah magisch fest.

„Warum Krieg?“ ist das Thema. Und es ist sein Thema. Kaum einer hat sich mit dieser Frage länger und intensiver beschäftigt, vertritt seine Meinung unbeugsamer als er, der Theologe.

Drewermann gibt auf die Frage Antworten, die brutal einfach sind: Weil am Krieg mehr verdient wird, als am Frieden, weil der Staat das Machtmonopol hat, Krieg als Mittel zum Durchsetzen von Moralvorstellungen zu nutzen. Mit Soldaten formt der Staat Bürger zu Tötungsmaschinen um, unter dem Deckmäntelchen des Guten. Krieg habe aber, so Dewermann, nichts mit Gott oder Moral zu tun, wie es von den Mächtigen gern verkauft werde, sondern mit „Geld, Macht und Wirtschaftsinteressen“.

Wie nun aber anfangen mit dem Frieden? „Wir müssen miteinander reden“, betont Drewermann. Es sei keine Option, die jeweils anderen, vermeintlich Bösen zu töten. „Das macht uns selber zu Bösen.“

Frieden sei nur zu erreichen, wenn das Individuum beginne, „Nein“ zu sagen. Nein dazu, Soldat zu werden. Nein dazu, von der Kanzel den Krieg als von Gott gegeben zu predigen. Nein dazu, Waffen zu produzieren. Das Wichtigste indes sei: „Wir müssen den Regierenden Angst machen mit unserem Friedenswillen, denn der Frieden ist die Zukunft!“

Seine Zuhörer im Forum des Gymnasiums waren begeistert. Sie standen auf und applaudierten Eugen Drewermann – lange und intensiv.

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