Do., 07.12.2017

Verkehrssituation Nottuln-Süd Dauerthema erstmal auf Eis gelegt

Rund 100 Bürger nahmen im September am sogenannten „Planungsspaziergang“ durch Nottuln-Süd teil und diskutierten über die Verkehrssituation.

Rund 100 Bürger nahmen im September am sogenannten „Planungsspaziergang“ durch Nottuln-Süd teil und diskutierten über die Verkehrssituation. Foto: Ludger Warnke

Nottuln - 

Viele Diskussionen, aber keine Entscheidung. Vor eventuellen Verkehrsmaßnahmen in Nottuln-Süd möchte die Gemeindepolitik erst die Eröffnung der Ortsumgehung abwarten.

Von Ludger Warnke

Die Verkehrssituation in Nottuln-Süd bleibt Bürgern, Politikern und Verwaltung als strittiges Dauerthema erhalten. Nach kon­troverser Diskussion und nach einer kurzen Beratung in einer Sitzungspause entschied der Ausschuss für Gemeindeentwicklung einstimmig, eine Entscheidung über das Verkehrsexperiment „Sperrung der Bodelschwinghstraße“ zu vertagen. Zunächst soll die Eröffnung der neuen Ortsumgehung im Frühjahr abgewartet werden. Erst danach will sich der Ausschuss wieder mit dem Thema befassen.

Zahlreiche Bürger waren wegen dieses Themas am Mittwochabend zur Sitzung ins Forum des Gymnasiums gekommen. Und die Diskussionsbeiträge der Bürger verdeutlichten noch einmal, dass es ein geschlossenes Meinungsbild in der Bürgerschaft nicht gibt. Dies hatte auch die Gemeindeverwaltung in ihrer umfangreichen Sitzungsvorlage deutlich gemacht, in der sie die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung (Planungsspaziergang und Fragebogenaktion) vorstellte (wir berichteten). „Es wird keinen Königsweg geben“, fasste Fachbereichsleiter Karsten Fuchte die Ergebnisse zusammen.

In der Diskussion ging es vornehmlich um zwei Aspekte:

Verkehrsexperiment

Für den Vorschlag der Verwaltung, mit Eröffnung der Umgehungsstraße das Experiment „Sperrung der Bodelschwinghstraße“ auszuprobieren, gab es aus der Politik viel Kritik. „Aktionismus“ kommentierte Manfred Gausebeck ( SPD), „kontraproduktiv“ urteilte Helmut Walter (FDP), „widersinnig“, sagte Thomas Hülsken ( CDU). Und Klaus Kienle (Grüne) schlug vor: „Wir sollten zuerst ein Jahr lang Erfahrungen mit der Ortsumgehung sammeln und dann neu nachdenken.“

Zustimmung zum Verwaltungsvorschlag kam von der UBG. Jan Van de Vyle sprach der Verwaltung ein Lob für die Bürgerbeteiligung aus und konnte sich das Verkehrsexperiment durchaus vorstellen.

Pro und Contra kam auch aus Bürgermund. „Tun Sie uns den Gefallen, testen Sie das“, sagte beispielsweise Michael Küper und erinnerte daran, dass auch die Verkehrsgutachter Sperrungen vorgeschlagen hatten. Dagegen warnte ein anderer Bürger vor der Sperrung, da der Verkehr nur verlagert werde.

Netzschlusslösung

Zweiter Diskussionspunkt: die mittlerweile „berühmte“ Netzschlusslösung. 1997 im Zuge des Umgehungsstraßenbeschlusses von einer Mehrheit aus CDU und SPD beschlossen. Es handelt sich um innerörtliche Entlastungsstraßen für die südlichen Wohngebiete. Von dieser Netzschlusslösung, die in den vergangenen 20 Jahren immer mal wieder diskutiert wurde, ist bis heute kein einziger Meter realisiert. Weil künftig wohl kein Geld für derartige Straßenbauvorhaben im Gemeindehaushalt zur Verfügung stehen wird, sollte aus Sicht der Verwaltung der alte Ratsbeschluss in dieser Hinsicht aufgehoben werden. Um die Netzschlusslösung nicht gänzlich zu begraben, schlägt die Verwaltung vor, für das neue Baugebiet Wohnpark Lerchenhain einen langfristigen Weiterbau der Erschließungsstraße in Richtung Buxtrup zu ermöglichen.

Jan Van de Vyle (UBG) beklagte, dass bislang an keiner Stelle die Netzschlusslösung umgesetzt worden sei. Sie sei die einzige Lösung, die helfe. Leider sei sie nicht bezahlbar. Zum Verzicht auf die Netzschlusslösung scheint die CDU bereit. Markus Lunau beklagte eine „Rückwärtsgewandtheit“. Man sollte die „alte Welt“ aufheben und so den Kopf frei machen für neue Lösungen. Eine Aussage, die bei Herbert van Stein (UBG) Erregung auslöste. Zum ersten Mal werde nun von der CDU öffentlich die Netzschlusslösung in Frage gestellt.

Aus Sicht anwesender Bürger ist die Netzschlusslösung nicht nur der richtige Weg, sondern auch zwingende Voraussetzung, wenn weitere Baugebiete realisiert werden sollen. Vor allem aus dem Lerchenhain kam Widerspruch. Michael Gagzow: „Es ist glatter Wahnsinn, neue Baugebiete ohne Entlastungsstraße zu planen.“ Für die BI Südlich Lerchenhain forderte Friedhelm Schweins die Politik auf: „Lassen Sie die Netzschlusslösung bestehen und arbeiten Sie die alte Aufgabe endlich ab.“ Und Dr. Bernhard Schulze Langenhorst verwies auf „klare Ratsbeschlüsse“. Seine Kritik: Jetzt solle die Netzschlusslösung gekippt werden, um das neue Baugebiet voranzutreiben. „Das geht nicht.“

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