Friedensinitiative
Nachbarn – verschollen in Riga

Nottuln -

In Riga starben die weitaus meisten der über 170 Holocaustopfer des Kreises Coesfeld. Darüber spricht Winfried Nachtwei am 29. Januar in Nottuln.

Dienstag, 23.01.2018, 18:01 Uhr

Winfried Nachtwei mit Jugendlichen eines Workcamps in Riga Bikernieki, die über die nach Riga deportierten Juden forschten. In Nottuln hält Nachtwei einen Vortrag.
Winfried Nachtwei mit Jugendlichen eines Workcamps in Riga Bikernieki, die über die nach Riga deportierten Juden forschten. In Nottuln hält Nachtwei einen Vortrag. Foto: Sammlung Nachtwei

„Die Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga.“ Mit diesem Titel hält am Montag (29. Januar) um 19.30 Uhr in der Alten Amtmannei Winfried Nachtwei einen Diavortrag. Dazu lädt die Friedensinitiative Nottuln (FI) alle Bürgerinnen und Bürger ein. Der Anlass: Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt (Holocaust-Gedenktag). In seinem illustrierten Vortrag folgt Nachtwei den Spuren der Verschleppten im deutsch-besetzten Riga und dem Schicksal der wenigen Überlebenden nach Kriegsende.

Am 13. Dezember 1941 verließ ein Deportationszug mit 390 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus dem Münsterland den Güterbahnhof in Münster. Nachdem in Osnabrück 200 und in Bielefeld 420 weitere Menschen in den Zug gezwungen worden waren, fuhr er Richtung Riga. Dort, im „Reichsjudenghetto“, im KZ Salaspils und im Wald von Bikernieki begann der Massenmord an den jüdischen Menschen aus dem Münsterland, aus Westfalen und anderen Teilen Deutschlands. In Riga starben die weitaus meisten der über 170 Holocaustopfer des Kreises Coesfeld.

In den Tagen zuvor waren Züge mit jeweils 1000 Menschen aus Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg, Köln, Kassel und Düsseldorf nach Riga gefahren, am 15. Dezember folgte ein Zug aus Hannover, am 27. Januar 1942 einer aus Dortmund.

Ihr Schicksal war über fast fünf Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Die vielen Massenmörder und Helfershelfer kamen überwiegend ungeschoren davon, schildert die Friedensinitiative.

1989 stieß der damalige Dülmener Geschichtslehrer Winfried Nachtwei im noch sowjetisch besetzten Riga auf die Spuren der Deportierten und lernte Überlebende von Ghetto und KZ kennen. Als Bundestagsabgeordneter setzte sich der Referent für eine würdige „Entschädigung“ der Holocaust-Überlebenden in Osteuropa ein, die 1998 endlich durchgesetzt werden konnte.

Am Beispiel des Massengräberfeldes und der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki schildert Nachtwei, wie nach Jahrzehnten die Erinnerung aufbrach. Eine zentrale Rolle hatte dabei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Deutsche Riga-Komitee, in dem sich 57 Herkunftsorte der Riga-Deportationen zu einem einzigartigen Netz der Erinnerung zusammengefunden haben. In Workcamps des Volksbundes kommen alljährlich junge Leute aus Deutschland, Österreich, Lettland und anderen Ländern zusammen, um die Gedenkstätte zu pflegen und Erinnerung lebendig zu halten.

Der Vortrag verdeutlicht aber auch, wie schwierig es im Baltikum ist, vor dem Hintergrund von 50 Jahren wechselnden Okkupationen zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur zu kommen.

Winfried Nachtwei war von 1994 bis 2009 Bundestagsabgeordneter der Grünen, ist Mitglied der FI Nottuln und heute unter anderem im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen/DGVN tätig.

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