Vorschlag der Friedensinitiative
Beitritt zum Riga-Komitee?

Nottuln -

Tritt die Gemeinde Nottuln dem Riga-Komitee zur Erinnerung an deportierte Juden aus dem Münsterland bei? Die Friedensinitiative hat positive Signale bekommen.

Mittwoch, 31.01.2018, 19:01 Uhr

Winfried Nachtwei (l.) referierte über die Deportation münsterländischer Juden nach Riga. Robert Hülsbusch regte an, dass auch Nottuln dem Riga-Komitee beitritt.
Winfried Nachtwei (l.) referierte über die Deportation münsterländischer Juden nach Riga. Robert Hülsbusch regte an, dass auch Nottuln dem Riga-Komitee beitritt. Foto: Friedensinitiative Nottuln

„Was für ein schöner Gedanke, dass beim nächsten Mal auch einige Nottulner mit nach Riga zur Gedenkstätte fahren, dass möglicherweise Nottulner Schülerinnen und Schüler dort kleine Gedenksteine niederlegen“, warf am Ende des Vortrags „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“ am Montag in der Alten Amtmannei Robert Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln (FI) einen Blick in die Zukunft. „Wir schlagen vor, dass Nottuln dem Riga-Komitee beitritt.“

Die überwiegende Mehrheit der gut 40 Teilnehmer der Veranstaltung – darunter etliche Kommunalpolitiker, auch Ratsmitglieder der CDU, SPD und der Grünen – sah dies ähnlich. 27 Nottulner unterzeichneten gleich an dem Abend ein Schreiben an den Gemeinderat. Darin wird der Beitritt Nottulns zum Riga-Komitee angeregt.

Das Riga-Komitee ist ein Netzwerk der Kommunen, aus denen 1941/42 jüdische Bürger nach Riga deportiert wurden und dann dort ermordet wurden. Aus Nottuln wurde nachweislich Walter Heimbach in Riga getötet.

Das Riga-Komitee sieht es als seine Aufgabe, an dieses dunkle Kapitel zu erinnern. In der Gründungsurkunde heißt es: „Wir gründen das Riga-Komitee, getragen von dem Willen, die Erinnerung an die ermordeten Bürgerinnen und Bürger dauerhaft zu bewahren und ihrer zu gedenken, in der Überzeugung, dass die Gräber- und Gedenkstätte Riga einen bedeutenden, die Heimatstädte umschließenden, zeitgeschichtlichen Beitrag leistet, mit dem Ziel, den auf einer langen gemeinsamen Geschichte beruhenden Beziehungen unserer beiden Länder, ihrer weiteren Entwicklung und dem Frieden in Europa zu dienen.“

Auf die wichtige Arbeit dieses Komitees hatte zuvor der Referent des Abends, Winfried Nachtwei, hingewiesen: „Ziel der Nazis war es nicht nur, alle Juden zu töten. Sie wollten darüber hinaus alle Spuren von diesen Menschen für immer und ewig löschen.“ Dies dürfe nicht zugelassen werden. Seit über 20 Jahren engagiert sich Nachtwei für das Gedenken in Riga. Auf zahlreichen Reisen nach Lettland sprach der frühere Geschichtslehrer mit Überlebenden, Zeitzeugen, aber auch mit ehemaligen Soldaten der Wehrmacht. So konnte er sehr detailliert den grausamen Weg der Deportierten aus dem Münsterland nach Riga nachzeichnen – bis zum bitteren Tod.

Mit den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker schloss Robert Hülsbusch die Veranstaltung: „Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

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