Nottuln

Do., 26.08.2010

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Babylonisches Sprachgewirr

Von Dieter Klein

Nottuln/Coesfeld - Amtsrichter Jörg Schneider war am Donnerstag (26. August) nicht zu beneiden. Was er da als Vorsitzender der 3. Strafabteilung „wegen gefährlicher Körperverletzung“ zur Verhandlung angesetzt hatte, entwickelte sich zu einem temperamentvollen Gemenge von widersprüchlichen Aussagen und babylonischem Sprachgewirr.

Also entschied der kluge Richter nach gut einer Stunde geduldigen Nachfragens, ungläubigen Kopfschüttelns und mehrfachen Anmahnens wegen ungebührlicher Zwischenrufe und Handyklingelns während der Verhandlung: „Was an diesem Märztag in Appelhülsen passiert ist, wird sich mit 100-prozentiger Sicherheit nie ganz aufklären lassen.“ Mit der Auflage von 250 Euro Buße stellt er dann das Verfahren gegen eine 54 Jahre alte Mutter und ihre Tochter aus Appelhülsen ein.

Die angeklagte Mutter sollte - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - im März letzten Jahres die Exfreundin ihres Sohnes und Mutter eines gemeinsamen Kindes der beiden, die zu Besuch in Appelhülsen weilte, beim Abschied auf offener Straße geschlagen, bespuckt und getreten haben. Immer unterstützt von ihrer 22-jährigen Tochter.

Alle Beteiligten sind serbischer Nationalität beziehungsweise gehören Roma-Stämmen an. Dass die Verhandlung emotional werden würde, deutete sich schon vorher in den Gängen des Amtsgerichts an, wo heißblütige Auseinandersetzungen stattfanden - deren Inhalte dann schon bald nach Prozessbeginn selbst die anwesende Dolmetscherin restlos überforderten. Bald stand Aussage gegen Aussage. Dann konnte sich das vermeintliche Opfer nicht mehr an den zeitlichen Ablauf, sondern nur noch an die „unerträglichen Schmerzen im Leib“ nach den Tritten erinnern.

Und auch der Exfreund und jugendliche Vater des gemeinsamen Kindes, hielt sich mit Vorwürfen gegen die eigene Familie zurück. Sodass der Richter dem Opfer empfahl, zukünftig nicht mehr die Nähe der Appelhülsener zu suchen, sondern besser in seiner neuen Umgebung in Einbeck zu bleiben. „Und dort“, rief die enttäuschte Frau von der Zuschauerbank aus laut durch den Saal, „dürfen die da sich erst gar nicht blicken lassen.“


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