Nottuln
Di., 16.03.2010
Die älteste Siedlung
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Nottuln - Die Spuren der Vergangenheit reichen in Nordrhein-Westfalen Tausende von Jahren zurück - unter anderem in der Bauerschaft Uphoven in Nottuln. Hier fanden Wissenschaftler der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Münster (WWU) unter Leitung von Christian Groer den Nachweis für die bislang älteste dauerhafte Besiedlung der norddeutschen Tiefebene. In Nottuln wurden Siedlungsspuren gefunden, die von etwa 4800 vor Christus stammen, wie die Universität am Dienstag mitteilte. Ein Fund, der die Wissenschaft fasziniert.
Zu Beginn der Jungsteinzeit wandelten sich die Menschen von umherziehenden Jägern und Sammlern zu sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern. Während dieser Prozess in den fruchtbaren Lössgebieten an Rhein und Hellweg ab der zweiten Hälfte des sechsten Jahrtausends vor Christus begann, hielten die Menschengruppen in der Tieflandzone der westfälischen Bucht noch für viele Generationen an ihrem Jäger- und Sammlerdasein fest. Lange Zeit stand für die Archäologie fest, dass erst mit den Erbauern der Großsteingräber der Trichterbecherkultur um die Mitte des vierten Jahrtausends vor Christus in diesem Raum die Landwirtschaft Einzug hielt.
Ausgrabungen in der Nottulner Bauerschaft Uphoven erbrachten in den 1980er-Jahren jedoch Funde deutlich älterer Bauernkulturen. Um 4000 vor Christus bauten Menschen der sogenannten „Michelsberger Kultur“ eine Befestigung mit Graben, ein „Erdwerk“, und importierten Silex (Feuerstein, Silikatgestein) aus dem über 200 Kilometer entfernten Maasgebiet.
Wie seinerzeit berichtet, führten 2007 und 2008 die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und die LWL-Archäologie für Westfalen mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft erneut Ausgrabungen in Uphoven durch. Gefunden wurden Siedlungsspuren der sogenannten „Rössener Kultur“, die ab 4800 vor Christus in Süd- und Mitteldeutschland verbreitet war. Die Tongefäße waren mit Stichmustern und darin eingelegter weißer Kalkpaste verziert. Dabei lehnten sich die prähistorischen Künstler aus Nottuln an Trends von Rhein und Hellweg an, Räume zu denen auch wirtschaftliche Verbindungen bestanden, wie der Import von Mahlsteinen und das archäobotanische Spektrum der angebauten Getreidesorten zeigen. Wahrscheinlich wanderten die Bauern vom Hellweg sogar in die Baumberge ein und brachten ihre Lebensgewohnheit mit, vermuten die Forscher.
Der Siedlungsplatz in Nottuln wurde noch vor der Mitte des vierten Jahrtausends aufgegeben und erst um etwa 2800 vor Christus erneut besiedelt. Er spielte in der westfälischen Bucht eine wichtige Rolle für die Sesshaftwerdung der Menschen in der nordwesteuropäischen Tiefebene. Möglicherweise trafen sich auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Nottuln Jäger und Bauern zum Warenaustausch, sodass über diesen „Außenposten“ auch die ackerbäuerliche Lebensart nach Norden vermittelt wurde.
Mit diesem Grabungsprojekt beteiligt sich die Universität Münster an der Ausstellung „Fundgeschichten NRW“ im Römisch-Germanischen Museum in Köln. Diese Ausstellung präsentiert alle fünf Jahre aktuelle archäologische Funde aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist vom 18. März bis zum 14. November im Römisch-Germanischen Museum am Roncalli-Platz in Köln und ab dem 16. April 2011 im Westfälischen Landesmuseum Herne zu sehen.
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