Nottuln

Mi., 03.03.2010

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Mein Ort im Film

Zu den praktischen Übungen gehört auch der richtige Umgang mit Kamera und Licht. Die Schüler suchen auch noch Zeitzeugen. Wer sich auf dem kleinen Bild wiedererkennt, wird gebeten, sich in der Realschule zu melden.Fotos: (Dieter Klein)
Von Dieter Klein

Nottuln - Gleißendes Scheinwerferlicht hoch unter der Decke, Klappen klicken, eine Profi-Kamera schnurrt - Raum 105 der Liebfrauen-Realschule ist zum Filmstudio mutiert. Nur wird hier nicht Kästners „Fliegendes Klassenzimmer“ neu gedreht, sondern ein Filmprojekt für die Nottulner Schüler eingeleitet, von dem Schulleiter Ulrich Suttrup mit Begeisterung schwärmt: „Das Beste, was uns je angeboten wurde.“ Genauer: Eine Gruppe von 14 Schülerinnen und Schülern arbeitet hier im Auftrag des LWL-Medienzentrums (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) an dem Projekt: „Mein Ort im Film - Nottuln im Wandel der Zeit.“

Begleitet werden die Schüler, die allesamt freiwillig außerhalb der regulären Schulzeit an dem Dokumentarfilm über Nottuln arbeiten, von ihren Lehrern Christiane Gutbier, Dirk Ströbel und Heinrich Willenbrock sowie von den LWL-Mitarbeitern Michael Kofort und Jan Telgkamp.

Das Ausgangsmaterial für diese Arbeit liefert das LWL-Filmarchiv. Denn in deren Kühlkellern lagern mehr als 300 000 Fotografien von 1850 bis heute sowie rund 3000 Filmdokumente aus ganz Westfalen. Und dazu gehören auch die mittlerweile fast 60 Jahre alten Filme des ambitionierten Nottulner Amateurfilmers Johannes Weber, der vor allem in den 1950er-Jahren das Geschehen in seinem Heimatort Nottuln mit der 8-mm-Kamera festgehalten hat. Material, das im LWL-Medienzentrum digitalisiert und auf DVD gesichert wurde. Diese Scheiben wurden inzwischen von der Film-AG der Realschule gesichtet, analysiert und in ein Konzept untergebracht, das es erlaubt, Szenen von einst, wie zum Beispiel das „Räppeln“ am Karfreitag, aus heutiger Sicht nachzudrehen. Auch sind Gespräche mit Zeitzeugen von damals angedacht. Oder - was noch besser wäre - Menschen, die als Kinder in den alten Streifen vorkommen, heute zu Wort kommen lassen. „Das wäre das Größte. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere an die damalige Filmerei“, hofft der Schulleiter.

Wahrscheinlich wird sich eine Szene aus 1954 nie mehr nachstellen lassen, über die man heute schmunzelt: Da marschiert die gesamte Belegschaft der damaligen Strumpffabrikation Rhode hinter dem Chef her ins Stevertal. Männlein und Weiblein streng von einander getrennt.

Alles andere ist schon projektiert: die Sichtung des Materials, das Erstellen des Drehbuchs mit Kapiteln wie: Der Mai ist gekommen, Brunnenbau, Bauer beim Säen, Hochzeitstanz, Martinimarkt oder das Schützenfest von 1951.

In den nächsten Monaten soll jeder Dienstag zur Realisierung des Filmprojekts genutzt werden. Dann wird gedreht, interviewt, geschnitten, vertont und - bei aller Ernsthaftigkeit der Aufgaben-Stellung sicherlich auch viel gelacht.

LWL-Sprecher Kofort: „Auf diese Weise soll den Jugendlichen sowohl die Arbeit eines Archivars und Historikers näher gebracht als auch die kreative Arbeit mit den Medien unterstützt werden.“


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