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„Wir brauchen junge Leute, die anpacken“

Mittwoch, 16.04.2008, 15:04 Uhr

Ottmarsbocholt . Gleich im Doppelpack fallen die Feste im Haus von Bernhard Hutters : Vor seiner Silberhochzeit am nächsten Dienstag wird der Vorsitzende des Heimatvereins Ottmarsbocholt am Freitagabend die Jahresversammlung zum 20. Mal leiten. 1988 hat Bernhard Hutters das Amt von Theo Greive , dem Gründungsvater des Heimatvereins, übernommen. „Die kommunale Neugliederung 1975 war die treibende Kraft für die Gründung. Die Ottmarsbocholter wollten sich mit dem Verein eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Als das Amt des Vorsitzenden neu besetzt werden musste, habe ich mich nicht freiwillig gemeldet, sondern gesagt: Ja gut, ich versuche das mal“, erinnert sich Hutters. Seither ist er alle drei Jahre wieder im Amt bestätigt worden. „Die Arbeit macht mir Spaß, denn ich finde in Ottmarsbocholt immer Gehör“, freut sich der Vorsitzende und nennt ein Beispiel: 1993 wurde die Idee konkret, eine Skulptur des Jallermanns, des Wahrzeichens des Ottmarsbocholter Karnevals , an der Dorfstraße aufzustellen. „60 000 D-Mark sollte das kosten. Die Gemeinde unterstützte uns unter der Bedingung, dass wir die Hälfte des Geldes selbst aufbringen“, berichtet Hutters, der in den folgenden Jahren gemeinsam mit seinen Mitstreitern in der Bevölkerung für das Projekt Klinken putzen ging. 1998 konnte die Figur schließlich aufgestellt werden. „Solche Bestätigung in der Bevölkerung hat mich immer wieder bewegt, weiter zu machen.“

Für Bernhard Hutters ist es wichtig, dass der Heimatverein nicht nur Altes bewahrt, sondern auch neue Impulse gibt. Neben dem Jallermann und dem Bau des Backhauses am Spieker seien beispielhaft die Landschaftssäuberung, der Baumlehrpfad am Dillenbaum genannt. „Ich möchte, dass der dörfliche Charakter in Ottmarsbocholt erhalten bleibt, mit Handwerksbetrieben, in denen man die Chefs noch im Blaumann sieht. Leider haben wir nicht mehr so viele kleine Geschäfte, wie es wünschenswert wäre. Aber es ist schön, dass Ottmarsbocholt überschaubar ist, dass jeder noch fast jeden kennt und die Integration von Neubürgern gut funktioniert. Da ist unser Karnevalssystem ganz hervorragend.“

Ein Problem für die Zukunft des Heimatvereins sei die Altersstruktur, räumt Bernhard Hutters ein. „Wir brauchen junge Leute, die anpacken, und müssen uns überlegen, wie wir sie begeistern können“, sagt er – auch mit Blick auf das demnächst anstehende, neue Projekt des Heimatvereins: Eine aus dem Jahr 1885 stammende Gattersäge der früheren Stielfabrik Kovermann soll von der Ascheberger Straße versetzt werden. „Sie soll an einen Standort wechseln, an dem sie wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. Denn Kovermann hat Ottmarsbocholt über 100 Jahre lang mit Arbeit und Lohn versorgt. Die Säge hält die Erinnerung daran fest“, meint Hutters. Besonders gut umgesetzt sei das Anliegen Erinnerung und Gemeinschaft zu bewahren bei dem vor einigen Jahren gebauten Backhaus: „Dort gibt es nicht nur frisches Brot. Es ist ein Treffpunkt, an dem man sich austauschen und miteinander reden kann. Und die Leute kommen sogar von außerhalb.“

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