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Ängstliche witterten den „Kerl ohne Kopf“

Montag, 29.12.2008, 16:12 Uhr

Ottmarsbocholt . Ihre Flügel drehen sich schon lange nicht mehr. Denn statt Korn zu mahlen, dient die alte Ottmarsbocholter Windmühle heute nur noch als Wohngebäude . Darüber hinaus ist das historische Gebäude neben der Pfarrkirche St. Urban , dem Spieker und dem Jallermann ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Dorfes. In diesem Jahr feierte die Mühle 150. Geburtstag, daran erinnert der Heimatverein Ottmarsbocholt.

Heutzutage nutzen moderne, über 100 Meter hohe Anlagen die Windkraft zur alternativen Stromerzeugung. Jahrhundertelang war es hingegen üblich – neben der Wasserkraft – die Windkraft zum Mahlen des Korns einzusetzen. So waren nach Zählungen der Preußischen Regierung 1895 im Deutschen Kaiserreich noch 18 362 Windmühlen und 54 529 Wassermühlen in Betrieb. Dem standen damals 58 530 Betriebe gegenüber, die mit Dampfkraft arbeiteten.

Mit dem Mühlensterben, das Anfang des 20. Jahrhunderts einsetzte, befasst sich ein Artikel in den „Münsterländischen Nachrichten“ aus dem heutigen WN-Verlag Aschendorff vom 19. Oktober 1930. Darin heißt es unter anderm:

„Das Los der Windmühlen hat im Laufe der letzten Jahrzehnte weiteste Volkskreise des Münsterlandes beschäftigt. Hochangesehene Kronzeugen heimatlicher Wirtschaftsweise scheinen dem Verfall oder der Vernichtung preisgegeben zu sein. Das rasche Vordringen der Maschinen hat auch der Windmühle den Kampf angesagt.“ Einige Absätze weiter schreibt der Autor: „Was Kirche und Schule der Gemeinde in religiös-geistiger Beziehung bedeuteten, das wurde die Mühle den Menschen in wirtschaftlicher Hinsicht. . . Wie so manchesmal trug der rüstige Bauersmann den großen ,Pucken’ auf dem Kopfe heimwärts, oft im Dunkel der Winternacht, und ängstliche Gemüter witterten bald den ,Kiäl ohne Kopp’“.

Eine in Blei gestanzte Urkunde über die Mühle in Ottmarsbocholt vom 21. Oktober 1858 hat folgenden Wortlaut:

Zu dieser, dem königlichen Kammerherrn, Karl Freiherr von Elverfeldt gt. von Beverfoerde-Werries zu Loburg, zur Rentei Byinck gehörende Kornwindmühle bei Ottmarsbocholt, ist am 8. Juli der Grundstein gelegt und ist dieselbe heute aufgerichtet worden. Auf dieser Stelle sind seit den 1790er Jahren nacheinander mehrere hölzerne Bockwindmühlen erbaut gewesen, welche aber durch Gewitter, Brand und Sturm zerstört sind. Die letzte durch Wirbelwind am 16. Januar, vormittags um 11 Uhr, wobei zwei Menschen, unter anderem der brave Müller Heymann, Vater von sieben Kindern, umkamen.

Das neue Werk ist aufgeführt durch den Maurermeister Aloys Kirschner aus Dülmen und den Mühlenbauer Franz Wieck aus Wadersloh, sowie den Zimmermeister Heinrich Krutwage zu Ottmarsbocholt. Möge die Mühle der Herrschaft wie den Anpächtern, Ökonom B. Schraeder auf Romberg und Förster Ernst Lagemann zu Byjnck, zum Nutzen gereichen!“

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