Kahlschlag empört Bürger
Do., 09.02.2012
Mehr Schutz für Bäume?
Musste der Kahlschlag sein? Bürger trauern diesem Ahorn nach, die Behörde sah Risiken für Passanten.
Senden -
Mein Freund, der Baum: Das aus ihrer Sicht nicht gerechtfertigte Abholzen von Bäumen hat in Senden und Ottmarsbocholt Bürger empört. Sie schlagen vor, dass eine Baumschutzsatzung verabschiedet werden soll.
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Mit der Kettensäge wurden Tatsachen geschaffen. Kein Einzelfall! Aufmerksame Bürger listen mehrere Beispiele auf, bei denen aus ihrer Sicht wertvoller ökologischer Bestand zu Kleinholz verarbeitet wurde. Eine Baumschutzsatzung als Rettungsschirm? Dieser in der jüngsten Leserbriefdebatte geäußerte Vorschlag hat auch immer wieder in kommunalpolitischen Gremien auf der Tagesordnung gestanden. Umgesetzt wurde er nicht.
Aus guten Gründen, wie Klaus Mende findet. Der stellvertretende Fachbereichsleiter Bauen und Planen erinnert sich, dass die Frage einer solchen Satzung mehrfach politisch diskutiert wurde. Die Verwaltung gibt aber zu bedenken, dass als Grundlage eine Bestandserhebung erfolgen müsste, für die erhebliche Kosten anfallen würden. Fachbüros, die eine Art Kataster erstellen, verlangten pro erfasstem Baum zwei Euro. Mit einer deutlich fünfstelligen Zahl von Bäumen in Senden rechnen Mende und seine Kollegen. Hinzu käme die Anschaffung von Software, um die Daten zu pflegen.
Doch nicht nur die finanziellen Folgen fallen ins Gewicht, sondern auch psychologische. Denn unter die Baumschutzsatzung, so Mende, würden auch Privatleute mit ihren Gärten fallen. Sie könnten abgeschreckt werden, Bäume zu pflanzen, sofern diese kaum mehr zu beseitigen sind, wenn sie ordentlich gewachsen sind.
Bei der Frage, welche kommunalen Bäume weichen sollen oder müssen, bezieht die Verwaltung die Mandatsträger des Umweltausschusses stets mit ein – um sich abzusichern.
Bei den jüngsten Abholz-Aktionen, die Bürger empört haben, hat die WN bei den Behörden nachgefragt:
► Am Kanal war die Bruch- und Standfestigkeit des geschlagenen Ahorns nicht mehr gegeben, hatte die regelmäßige Baumprüfung ergeben. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wollte angesichts von Faulstellen und hohlen Astlöchern kein Risiko eingehen, dass etwa Jogger von einem Ast getroffen werden. Die Haftung hätte beim Bund gelegen.
► Am Radweg, der an der L 844 zwischen Ottmarsbocholt und Davensberg verläuft, werden keine weiteren Bäume gefällt, teilte der Landesbetrieb Straßen-NRW auf Anfrage mit.
