Religionsunterricht beim Bestatter
Fr., 03.02.2012
Das Thema Tod aus Tabuzone holen
Gespräch über eine existenzielle Frage: JHG-Neuntklässler fassten am Ende des Besuches bei Bestatterin Anne Love ihre Eindrücke und den Umgang mit dem Thema Tod zusammen.
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Neuntklässler des JHG besuchten einen Bestatter, um über Verlust, Trauer, Loslassen und Erinnern zu sprechen. Das Thema Tod, so die Schüler, dürfe nicht tabu sein.
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Ein geschlossener Sarg, dessen Kopfteil schräg nach oben gerichtet ist, darauf Blumen, daneben Kerzen, mehr am Rand eine Madonna und blau leuchtend eine Mini-Stereoanlage, die besinnliche Musik abspielt – der Blick in den Abschiedsraum gehörte am Freitag zum Besuch beim Bestatter. Für die Neuntklässler des Joseph-Haydn-Gymnasiums bedeutete dies eine Konfrontation mit dem Thema Tod.
Dass dieses für viele noch mit einem Tabu belegt ist, darin waren sich Religionslehrerin Cornelia Boer und Pastoralreferentin Ulla Büssing-Markert einig, die die Unterrichtsexkursion organisiert hatten. Zugleich gelte: Die Mauer, die um diesen Themenkreis gezogen worden ist, bröckele immer mehr weg. Der Wunsch und der Bedarf, über diese „existenzielle Frage“ zu sprechen, bestehe zumal in Schulen und Kindergärten, die sie daher häufig in dieser Frage aufsuche, schilderte Büssing-Markert, die überdies an Initiativen des Hospizkreises auf diesem Feld erinnerte (WN berichteten).
Der Tod verlange, dass man sich mit der Endlichkeit des Daseins auseinandersetzt. Diese Einschätzung teilten die Schüler der Klassen 9a und 9b, die ihren katholischen Religionsunterricht – auf dem Lehrplan stehen gerade „Tod und Auferstehung“ – in das Bestattungshaus Anne Love auf der Münsterstraße verlegt haben. „Es wird leichter, wenn man häufiger darüber spricht“, fasste eine Schülerin ihre Auffassung zusammen. Den Umkehrschluss erwähnte sie ebenfalls ausdrücklich: „Wenn man nie darüber spricht, wird es schwieriger.“
Das Spannungsverhältnis zwischen Faszination und Furcht brachte eine weitere Schülerin auf den Punkt: „Ein interessantes Thema, aber wenn es zu persönlich wird, dann wird es gruselig.“
Dass ein Tod „schön“ sein kann, was zum Loslassen und Verabschieden gehört und wie die Trauernden aufgefangen werden, das veranschaulichte Anne Love den Gymnasiasten zusammen mit Inga Schürken, die zur Bestattungsfachkraft ausgebildet wird. Die Schüler waren beeindruckt von dem Beruf und dem permanenten Umgang mit dem Tod.
Wie Anne Love Schicksale, die sie mitbekommt, verkraftet, lautete eine Frage: Der eigene Glaube sei für sie ein wichtiges Fundament. „Das hat mir oft geholfen“, sagte Love. Sie sucht häufiger den Kontakt zu Schulen oder auch kirchlichen Gruppen wie Firmlingen, um das Thema Tod noch mehr aus der Tabuzone zu holen.