Verlust des Vorzeige-Unternehmens
Di., 31.01.2012
Davert GmbH expandiert – und verlässt Ottmarsbocholt
Ottmarsbocholt - Expansion, aber an einem anderen Standort: Seit 1984 hat die Davertmühle und die Davert GmbH ihren Sitz in Ottmarsbocholt. Doch im Laufe dieses Jahres zieht das Naturkostunternehmen weg. Es baut in Ascheberg neu.
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Auf der Firmenhomepage prangt die Überschrift: „In Ottmarsbocholt sind wir verwurzelt“. Die Wurzeln werden gekappt. Die Davert GmbH verlässt ihren Stammsitz. Nach fast 30 Jahren. Damit verliert ganz Senden einen der größten Arbeitgeber und ein Unternehmen, das wegen zertifizierter Qualität und der Tradition eines Bio-Pionier-Betriebs Ansehen genießt. Die einstige Davertmühle verlegt den Firmensitz nur um neun Kilometer ins benachbarte Ascheberg.
Bürgermeister Alfred Holz macht keinen Hehl daraus, dass er das Naturkostunternehmen, das nach eigenen Angaben zur deutschen Top 10 in dieser Branche zählt, gerne gehalten hätte. „Wir bedauern das absolut“, räumt Holz mit Blick auf die Verlagerung des Betriebes ein, der bis Ende des Jahres Adieu sagen wird.
Dabei gilt: Die Pläne, die Kapazitäten auszubauen und Abteilungen zusammenzuführen, kamen keineswegs überraschend. Mit Ausnahme eines schwachen Jahres 2010 befand sich die Davert GmbH auf solidem Expansionskurs. Ein Wachstum, für das die Gemeinde in doppelter Hinsicht Vorkehrungen getroffen hatte. Denn: Im gegenüberliegenden Gewerbegebiet Ketternkamp waren Erweiterungsflächen geschaffen und freigehalten worden. Zugleich hatten Politik und Verwaltung bereits baurechtlich die Grundlage dafür gelegt, eine Stichstraße, die das bisherige Betriebsgelände durchschneidet, vom öffentlichen Verkehr abzubinden.
Verhandlungen über eine Ansiedlung in bestehenden Bösenseller Gewerbegebieten oder im geplanten Areal Brocker Feld wurden ebenfalls geführt. Die Gemeinde Senden war „sehr bemüht“, fasst Andreas Plietker, einer der Davert-Geschäftsführer, die Gespräche zusammen. Zum positiven Abschluss kamen sie aber nicht.
Die Möglichkeiten in Ottmarsbocholt seien beschränkt gewesen: „Wir hätten wieder stückeln müssen“, so Plietker. Das Brocker Feld kommt zu spät, so Holz.
Beim Standort Ascheberg lockte unter anderem der direkte A-1-Anschluss. Auch bei den Kosten taten sich offenbar Unterschiede zwischen den Kommunen auf, sie waren „beträchtlich“, bilanziert der Davert-Geschäftsführer. Holz bestätigt einen „Wettbewerb zwischen den Gemeinden“. Ein ruinöser Preiskampf herrsche jedoch nicht. „Ascheberg hatte die besseren Karten“, fasst er den Wettstreit zusammen.