Do., 09.08.2012

Ansehen der Adresse soll wieder steigen Gähnende Leere in den Wohnungen

Ansehen der Adresse soll wieder steigen : Gähnende Leere in den Wohnungen

Viele der Wohnungen im Mehrfamilienhaus an der Schulze-Bremer-Straße 5 stehen leer. Foto: di

Senden - 

Viele der Wohnung im Mehrfamilienhaus an der Schulze-Bremer-Straße 5 stehen leer. Ein Grund: Der Ruf der Adresse ist so schwer wie Blei. Doch das soll sich in Zukunft ändern.

Von Dietrich Harhues

Acht Klingeln auf einem engen Rechteck neben der Tür. Nur auf einem Schild findet sich ein Name. Im Mehrfamilienhaus an der Schulze-Bremer-Straße 5 stehen die meisten Wohnungen leer. Matthias Löer, Geschäftsführer und Gesellschafter der gleichnamigen Immobilien GmbH, möchte das ändern. Er hat Zeit und Geld investiert – weil er von Zuschnitt und Lage der Wohnungen überzeugt ist. Die Vermarktung seiner beiden Wohnungen in dem Gebäude läuft aber bislang nicht so flott wie erhofft.

Eine Ursache ist die Vorgeschichte, die bleischwer an der Immobilie hängt. Denn nicht nur in Großstädten, sondern auch in Senden wurden kleine Anleger von einer Bank im großen Stil ganz offenbar über den Tisch gezogen. Leute, die es sich nicht leisten konnten, kauften Wohnungen in dem Haus in Senden West, finanzierten ohne Eigenkapital und akzeptierten hohe Zinsbelastungen.

Mehr noch: Sie kauften Wohnungen zu Mondpreisen. Ein Anwalt aus Hannover, der Kleininvestoren aus ganz Deutschland vertritt, nennt als Beispiel eine Wohnung, die 133 000 Euro gekostet habe, deren Marktpreis aber inzwischen auf 49 000 Euro korrigiert wurde. Der Niedersachse spricht gegenüber den WN von „sittenwidriger Überteuerung“ mit System. Dieser Vorwurf wird der Bank von einer ganzen Reihe von Juristen gemacht.

Einzelfälle machen offenbar Hoffnung, denn in Berlin habe das Landgericht 2011 die Rückabwicklung des Kaufes einer Schrottimmobilie samt Schadenersatz verfügt. Manche der Käufer in Senden, die Verträge unterschrieben haben sollen, ohne die im Katalog aufpolierte Liegenschaft überhaupt zu besichtigen, wollten sich eine Altersversorgung schaffen – und schlitterten in die Privatinsolvenz.

Matthias Löer kennt die Gemengelage, die komplizierte Geschichte des Gebäudes. Er hofft nun, trotzdem mit den bisherigen Eigentümern Kontakt aufnehmen und mit ihnen handelseinig werden zu können. Teils haben sie 200 000 Euro für eine Wohnung bezahlt, die etwa ein Drittel Wert sei. „Die damaligen Käufer sind geprellt worden“, räumt der Immobilienfachmann ein, dessen Firma in Nordkirchen sitzt und regional arbeitet. Er möchte den Besitzern die Wohnungen abkaufen, um das Gebäude im Ganzen sanieren zu können. Zu marktgerechten Preisen, aber nicht ohne dass herbe Verluste bleiben.

Beim Modernisieren der beiden bereits erworbenen Wohnungen beschwerte sich der verbleibende Mieter, dass im Keller ein Chaos entstanden sei. Ein Vorwurf, den Löer als haltlos zurückweist.

Fest überzeugt ist der Immobilienexperte vom Standort und der Bausubstanz. Denn: Das Haus aus den 1970er Jahren sei in Schuss, die Nachbarschaft in den angrenzenden Häusern sei gutbürgerlich und die Lage mit der Nähe zum Ortskern, zu Sportstätten, Kitas und Grünanlagen bestens. Er will ein Geschäft machen, aber auch dafür sorgen, dass das Stigma dieser Adresse verschwindet – und wieder alle Klingelschilder mit einem Namen versehen sind.

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