Mo., 01.10.2012

Prozess gegen Schrotthändler vor Landgericht Vorwurf: Fiskus um Millionen geprellt

Bösensell/Münster - 

Mit einem Befragungsmarathon von insgesamt 30 Zeugen ging der Prozess gegen einen Schrotthändler weiter, der in Bösensell wohnt. Ihm wird vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe unterschlagen zu haben.

Von Hans-Erwin Ewald

Im Prozess um die mutmaßliche Steuerhinterziehung in Millionenhöhe sowie Schwarzgeldzahlungen im Handel mit Schrott, für die sich der Hauptangeklagte aus Senden-Bösensell sowie die beiden 38 und 47-jährigen Mitangeklagten aus Nottuln-Appelhülsen und Duisburg zu verantworten haben (WN berichteten), reißt die Flut an Zeugenvernehmungen nicht ab.

Die beiden vergangenen Prozesstage vor dem Landgericht glichen einem Vernehmungsmarathon. 30 Zeugen gaben sich buchstäblich die Klinke in die Hand.

Den Grund der reihenweise Vernehmung der Zeugen lieferte die Verteidigung. Es sollte von ihnen der Beweis erbracht werden, ob sie in den zurückliegenden Jahren beobachtet haben, ob von den beiden Mitangeklagten Schrott angeliefert wurde.

Dass Metall transportiert wurde, steht außer Frage. Die Kernfrage aber bestand darin: Wer hatte was und in welchem Umfang geliefert? Seinen Beobachtungen zufolge, so ein Rohproduktenhändler, habe er den Angeklagten aus Duisburg häufig auf dem Schrottplatz angetroffen. Der Mann habe mit einem großen LKW Eisenschrott – darunter Kupfer und Messing – gebracht. Was der Laster an Metallen geladen hatte, das sei schon einzigartig gewesen. „Ich habe mich gefragt, wie macht der das?“, sagte der Zeuge. Darüber hinaus sei ihm der Angeklagte auch aufgefallen, weil er mit Gold „behangen“ gewesen sei.

Der Zeuge will auch den 38-jährigen Angeklagten aus Nottuln mit einem Klein-LKW auf dem Schrottplatz angetroffen haben. Was dieser Mann mit Alteisen zutun habe, sei ihm aber unbekannt.

Der Angeklagte selbst bleibt seiner Linie treu. Er schweigt zu den Tatvorwürfen, Gutschriften quittiert und Steuern hinterzogen zu haben. Der 53 Jahre alte Unternehmer wehrt sich dagegen Scheinrechnungen ausgestellt zu haben. Es sei alles rechtens gelaufen. So will er sich noch an das Finanzamt gewandt haben mit der Bitte, seine Großlieferanten zu prüfen. Dass der Unternehmer sich bei der Finanzbehörde um Rat gefragt hatte, wie er sich vor Scheinunternehmen schützen könne, wurde von Steuerfachleuten bejaht. Es habe in der Behörde aber keine verwendbare Antworten darauf gegeben, ergänzte sein Verteidiger. Er selbst sei von seinem Mandanten beauftragt worden, einzelne Lieferanten zu überprüfen.

Mit einem Urteil ist nicht vor November zu rechnen.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1180298?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F698456%2F1781865%2F