Dokument einer Zwangsarbeiterin entdeckt
Was geschah mit Usstja Pilipenko?

Ottmarsbocholt -

Ottmarsbocholt. Beim Aufräumen eines Dachbodens sind Unterlagen einer Zwangsarbeiterin entdeckt worden. Der Heimatverein Ottmarsbocholt stellt sie dem Internationalen Suchdienst zur Verfügung.

Freitag, 11.01.2013, 16:01 Uhr

Im Dunkel der Vergangenheit und des Vergessens ist es verborgen, das Schicksal der Usstja Pilipenko. Im Sommer 1942 wurde die junge Frau von den Nazis aus den „besetzten Ostgebieten“ verschleppt und als Zwangsarbeiterin im Münsterland eingesetzt. Am 27. April kam sie aus einem Lager bei Bork zum Bauern Vollmer nach Ottmarsbocholt . Was die Nazis danach mit der damals 24-Jährigen machten, ist freilich bis heute ungeklärt.

„Beim Aufräumen des Dachbodens ist Familie Vollmer auf das alte Geschäftsbuch ihrer Gastwirtschaft und der damaligen Landwirtschaft gestoßen. Die Unterlagen reichen zurück bis 1898“, berichtet Stefan Frie , der die historischen Dokumente für das Archiv des Heimatvereins entgegen genommen hat. Bei der Durchsicht fielen die „Verwaltungs-Beitragskarte für ausländische und fremdvölkische Arbeiter“ des Polen Josef Starula und die Arbeitskarte der Usstja Pilipenko aus der Kladde.

Stefan Frie rührte das Foto der jungen Frau an, die im Lager Bork wohl nichts weiter war als „Nummer 200“. „Auf ihrer Karte sind Fingerabdrücke und ein Stempel: Inhaber ist nur zum Zwecke der Arbeitsverrichtung zum Verlassen der Unterkunft berechtigt“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Ottmarsbocholt kopfschüttelnd.

Stefan Frie hat die Original-Unterlagen jetzt dem Internationalen Suchdienst ITS in Bad Arolsen zur Verfügung. „Der Suchdienst wertet die Dokumente wissenschaftlich aus. Und vielleicht können sie ja einen Beitrag leisten, das Schicksal der damals jungen Frau zu klären. Denn auch heute noch liegen Suchanfragen von Angehörigen der damals verschleppten Zwangsarbeiter vor. Falls das so sein sollte, würden wir informiert werden“, erläutert Stefan Frie.

Eine originalgetreue Farb-Kopien der Dokumente verbleiben jedoch im Archiv des Heimatvereins Ottmarsbocholt – zum Gedenken an die Opfer der Nazi-Diktatur und damit auch als Mahnung an die nachwachsenden Generationen.

Nähere Informationen zum Suchdienst im Internet unter:

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