Fr., 23.01.2015

Detlev Dormeyer bei Ausgrabungen in Jordanien Spurensuche aus biblischer Zeit

Grabung im Jabboktal: Stufen eines Wasserbeckens werden von Dormeyers Kollegin Dr. Büsing-Kolbe mit einheimischen Arbeitern freigelegt.

Grabung im Jabboktal: Stufen eines Wasserbeckens werden von Dormeyers Kollegin Dr. Büsing-Kolbe mit einheimischen Arbeitern freigelegt. Foto: Dormeyer

Bösensell - 

Prof. Detlev Dormeyer legt als Emeritus seine Hände nicht in den Schoß. Der 72-Jährige reist regelmäßig nach Jordanien, um Ausgrabungen zu begleiten, die historische Spuren aus biblischer Zeit offenbaren.

Von Daniela Reichert

Eigentlich ist Detlev Dormeyer seit 2008 im wohlverdienten Ruhestand. Doch die Hände will der 72-jährige, emeritierte Professor der Technischen Universität Dortmund , der seit 36 Jahren in Bösensell lebt, noch lange nicht in den Schoß legen. Dormeyer gehört seit Jahren zum Leitungsteam archäologischer Ausgrabungen im Jabboktal in Jordanien .

Das Ticket für seine nächste Reise hat der Bösenseller bereits gelöst. Nächsten August steigt der Flieger wieder Richtung Jordantal – das sechste Mal. „Wenn es irgendwie geht fliege ich auch 2020 noch“, sagt Dormeyer und schmunzelt. „Die Ausgrabungen sind eine spannende Aufgabe und ein toller Ausgleich.“ Der 72-Jährige beteiligt sich vom Institut für Katholische Theologie im Neuen Testament der Technischen Universität Dortmund an der historischen Freilegung im Jabboktal. „Als ich von meinen Lehrverpflichtungen entlastet wurde, konnte ich mich ganz auf die Forschung konzentrieren“, berichtet er. „Die Ausgrabungen sind ein großer Teil davon.“

Der Bösenseller war von 1980 bis 1997 Professor am „Institut für Lehrerausbildung“ der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster . Im selben Jahr noch wechselte Dormeyer zur Technischen Universität (TU) nach Dortmund. Dort war er als Professor für Katholische Theologie der Fakultät für Humanwissenschaften und Theologie für das „Neue Testament“ zuständig. 2006 wurde er Dekan der Fakultät.

Hauptaugenmerk der rund 20-köpfigen, internationalen Gruppe von Archäologen, Studenten, Förderern und Professoren, bei der Dormeyer zum Leitungsgremium gehört, sind zwei rund 100 Meter hohe, zwillingsartige Ruinenhügel mitten im Jobboktal, rund eine Stunde nordwestlich der jordanischen Hauptstadt Amman: Ein Ort der Antike, der laut Dormeyer auch in der Bibel Erwähnung fand. „Der untere Lauf des Jabboks gehörte zurzeit Jesu zu Galiläa. Der Wallfahrtsweg ging am Ostufer des Jordans entlang und kreuzte die Einmündung des Jabboks in das Tal hinein.“ Hier liege die Festung mit den zwei Säulenhöfen. Rund 40 Säulen hätten dort wahrscheinlich bis ins vierte Jahrhundert nach Christus gestanden. „Jesus und seine Familie konnten auf diesem Wallfahrtsweg einen Abstecher machen und so die Festung mit den Säulen sehen“, erklärt der emeritierte Professor. Man könne es noch nicht beweisen, „aber wir nehmen es an“. Genau diese Begebenheiten machten die Ausgrabungen in dem Gebiet so spannend.

Bücher, Dokumente und Fundstücke in Detlev Dormeyers Arbeitszimmer in Bösensell.

Bücher, Dokumente und Fundstücke in Detlev Dormeyers Arbeitszimmer in Bösensell. Foto: dre

Rund fünf Prozent der zu erforschenden Fläche sind bisher freigelegt. „Aber wir sind noch längst nicht am Ende“, so Dormeyer, der im Sommer 2015 ein Ausgrabungs-Square leiten wird. Seine Aufgabe wird es zudem sein, die griechischen Bauwerke und die Geschichte in diesem Gebiet mit der Welt der Bibel zu verbinden. „Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Auftrag. Ich hege größte Bewunderung für die Kultur Galiläas in der Zeit von Jesus Christus.“

Archäologen fühlen sich sicher

Im Hinblick auf die Kriege in Syrien und im Nordirak sowie die Unruhen im Westjordanland sieht Professor Dr. Detlev Dormeyer die Ausgrabungen der Archäologen keinesfalls als gefährdet an. „Wenn es Unsicherheiten gibt, dann nur, was den Flug bei aktuellen Kriegshandlungen anbelangt“, so der Professor. Ein beängstigendes Kribbeln im Magenbereich habe er vergangenes Jahr während der Flugreise verspürt. „Die Hamas hat Raketen in die Luft geschossen“, berichtet Dormeyer. Jordanien an sich sei sicher. Sicherheitsposten seien zudem nicht mehr so präsent wie in den vergangenen Jahren. Angst herrsche innerhalb des Grabungsteams keine.

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