Zeitzeugenprojekt von JHG-Schülern
Detektivarbeit für die Forschung

Senden -

Für ihr Projekt mit dem Heimatverein Ottmarsbocholt büffelten Oberstufenschüler des Joseph-Haydn-Gymnasiums nicht in Büchern, sondern sprachen mit Zeitzeugen und deren Angehörigen über das Ende des Zweiten Weltkrieges.

Mittwoch, 16.03.2016, 07:03 Uhr

Ihre Forschungsarbeit stellten die Schülerinnen und Schüler von Joachim Lüken (kleines Bild, l.) bei einem Besuch von Stefan Frie, Stefan Vorspohl und Klemens Rave als Vertreter von Heimatverein und Gemeinde Senden vor.
Ihre Forschungsarbeit stellten die Schülerinnen und Schüler von Joachim Lüken (kleines Bild, l.) bei einem Besuch von Stefan Frie, Stefan Vorspohl und Klemens Rave als Vertreter von Heimatverein und Gemeinde Senden vor. Foto: di

Bloßes Büffeln in Büchern? Reichte diesmal nicht! Geradezu als wissenschaftliche Detektivarbeit entpuppte sich ein Projekt, das ein Geschichtskurs des Jahrgangs Q 2 übernommen hatte. Die angehenden Abiturienten des Joseph-Haydn-Gymnasiums recherchierten, was sich zum Kriegsende in Ottmarsbocholt zugetragen hat. Ihre wichtigsten Quellen waren Zeitzeugen, die von den Schülerinnen und Schülern befragt wurden.

Ihren Auftrag erhielten die „Ermittler“ unter der Leitung von Geschichtslehrer Joachim Lüken vom Heimatverein Ottmarsbocholt und der Gemeinde Senden. Mit Hilfe der Gymnasiasten sollte etwas zur Klärung der Frage beigetragen werden, ob ein einzelner Ottmarsbocholter, Wilhelm Kasberg , für seinen damaligen Einsatz öffentlich und namentlich geehrt werden soll.

Die JHG-Forscher schlagen als Kompromiss vor, dass jedenfalls nicht nur jener Einzelne gewürdigt werden soll. Vielmehr seien es mehrere Personen(-gruppen) gewesen, die in der Nacht von Karfreitag zu Karsamstag 1945 mit ihrer Zivilcourage weiteres Blutvergießen verhindert haben. So sei eine Gruppe den vorrückenden Amerikanern mit weißer Flagge und einer Person, die Englisch sprach, entgegen gegangen; im Ort sollen ebenfalls weiße Laken aufgehängt worden sein.

Vertreter von Heimatverein und Gemeinde sowie Joachim Lücken (l.) verfolgten die Präsentation der Ergebnisse.

Vertreter von Heimatverein und Gemeinde sowie Joachim Lücken (l.) verfolgten die Präsentation der Ergebnisse. Foto: di

Die Zwölftklässler steckten viel Zeit und Hingabe in ihre Methode, mündliche Quellen zu befragen, zu dokumentieren, auszuwerten und zu interpretieren. Das Fazit lautet dennoch: Die Rekonstruktion der genauen Ereignisse stelle „ein schwieriges Unterfangen dar“. Denn die Schüler konnten mit niemanden sprechen, der direkt beteiligt war. Alle acht Zeitzeugen erlebten zwar den Karfreitag vor knapp 71 Jahren, bezogen ihr Wissen über den konkreten Ablauf aber von Dritten, in der Regel von Familienmitgliedern, erklären die Schüler in ihrem Abschlussbericht.

Bei den Interview drangen die Erlebnisse aus den letzten Kriegstagen aber wieder ins Bewusstsein der Befragten. „Sie haben die damalige Zeit noch einmal gefühlt“, ist den Schülern bei ihren Zeitzeugen aufgefallen.

Die Wucht der Gefühle in der Erinnerung hat auch den JHG-Kurs ergriffen: „Wir haben die Geschichte quasi hautnah erzählt bekommen“, resümierte ein Schüler. Als „authentischen und spannenden Schulunterricht“ bewerteten die Oberstufenschülerinnen und -schüler das Projekt.

Dass Sicherheit, Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind, sei durch das Eintauchen in die Zeit des Endes der Nazi-Herrschaft ebenfalls bewusst geworden. „Wir erleben eine Wertschätzung der Situation, die wir haben“, sagte Projektleiter Lüken.

Den Ertrag der Forschung weiß auch der Heimatverein Ottmarsbocholt zu würdigen. Vorsitzender Stefan Frie dankte den Abiturienten in spe und spiegelte seitens der Befragten wider, dass die Schüler als „so nette Leute“ empfunden worden seien.

Für den Heimatverein seien durch die Recherche im Zusammenhang mit der Übergabe Ottmarsbocholts an die US-Truppen einige Namen hinzu gekommen, deren Beteiligung bisher nicht bekannt gewesen sei.

Ob es zu einer Ehrung der mutigen Zeitgenossen kommt – wer sich ergab, riskierte die Todesstrafe durch NS-Schergen – ist eine politische Frage, die der Bezirksausschuss Ottmarsbocholt entscheidet.

Die Zeitzeugen haben die damalige Zeit noch einmal gefühlt.

JHG-Schüler über die Interviews mit Ottmarsbocholtern zu den Geschehnissen von Karfreitag 1945
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