Mo., 17.04.2017

Tür zur Orgelbühne aufgeflext: Osternacht im Funkenflug

Am Ostermontag besichtigte Pfarrer Klemens Schneider (2.v.r.) die Tür, deren Schloss während der Osternachtfeier am Karsamstag mit viel Funkenflug aufgeflext werden musste, um die Orgelbühne zu erreichen. „Ich bin froh über eine so selbstständige Gemeinde“, sagte Schneider. Erleichtert über die mit spontaner Eigeninitiative erreichte Lösung zeigten sich auch (v.l.) Josef Rave und Reinhard Dabbelt (Kirchenvorstand) sowie Küsterin Mechthild Wierling.

Am Ostermontag besichtigte Pfarrer Klemens Schneider (2.v.r.) die Tür, deren Schloss während der Osternachtfeier am Karsamstag mit viel Funkenflug aufgeflext werden musste, um die Orgelbühne zu erreichen. „Ich bin froh über eine so selbstständige Gemeinde“, sagte Schneider. Erleichtert über die mit spontaner Eigeninitiative erreichte Lösung zeigten sich auch (v.l.) Josef Rave und Reinhard Dabbelt (Kirchenvorstand) sowie Küsterin Mechthild Wierling. Foto: ure

Ottmarsbocholt - 

Die Tür zur Orgelbühne von St. Urban ließ sich unmittelbar vor dem Gottesdienst in der Osternacht nicht mehr öffnen. Sie wurde kurzerhand funkensprühend aufgeflext.

Von Ulrich Reismann

Ab Gründonnerstag schweigt die Orgel: Mit Stille wird dem Leiden und Sterben Jesu gedacht. In der St. Urban-Kirche hätte diese musikfreie Zeit beinahe nicht mit der Feier der Auferstehung zu Ende gehen können. Weil sich die Tür am Aufstieg zur Orgelbühne unversehens nicht mehr aufschließen ließ, war am Abend des Karsamstags Holland in Not. Denn: Zu den zentralen Elementen der Osternachtfeier gehört es, dass die bis dahin stumm gebliebene Orgel mit einem Mal voll einsetzt, wenn der Priester die Geschehnisse am leeren Grab Jesu schildert. Der Organistin Marie-Helen Vorspohl, dem Küster Heinz Weppelmann und Josef Rave als stellvertretendem Vorsitzenden des Kirchenvorstandes – ihnen allen stand zu Beginn der Schweiß auf der Stirn.

Es war kurz vor 21 Uhr, also unmittelbar vor dem Gottesdienst, als Vorspohl ihren Platz hoch oben an der Orgel einnehmen wollte. Doch aus unerklärlichen Gründen ließ sich die Tür nicht öffnen. Was nun? Zufällig kam Josef Rave vorbei. Der fackelte nicht lange. Mehrere Personen, die draußen vor der Kirche an dem kleinen Osterfeuer standen, besaßen ebenfalls einen Schlüssel. Doch auch diese ließen sich nicht drehen. Nach 120 Jahren, da schien das Türschloss jetzt ganz offensichtlich kaputt gegangen zu sein. Ende des 19. Jahrhunderts sind die Kirchenschiffe neu gebaut worden. Aus dieser Zeit dürfte auch die betreffende Tür stammen.

Die Aufregung wurde zusehends größer, das Ganze drohte, fast schon „dramatisch“ zu werden, wie Bruder Benedikt den WN berichtete. Denn es sei nicht alleine das Orgelspiel gewesen, welches von der Türöffnung abhing. „Auch der Kirchenchor hätte nicht singen können“, berichtete der Geistliche. Die Noten waren nach der letzten Probe auf der Orgelbühne liegen gelassen worden.

Alle Hoffnungen ruhten nun auf Philipp Beckhove, der von seinem Bauernhof in der Oberbauerschaft im Galopp einen Akku-Winkelschleifer holte. Doch mit Entsetzen musste man feststellen, dass auch damit das Schloss nicht geknackt werden konnte: Die Trennscheibe war zu klein und ging nicht tief genug, um den Riegel durchzuschneiden. Der letzte Strohhalm, an den sich alle klammerten, hieß Reinhard Keute. Der nahm die Beine in die Hand und schaffte eine große „Flex“ aus seiner Kraftfahrzeugwerkstatt herbei. In der Zwischenzeit besorgte Küster Weppelmann ein Verlängerungskabel, um aus einer am Beichtstuhl befindlichen Steckdose den notwendigen Saft zu zapfen.

Gläubige und Priester waren derweil schon längst in die Kirche eingezogen. Bruder Benedikt unterbrach den Gottesdienst mit dem Hinweis auf ein „technisches Problem“. Man möge nicht erschrecken, wenn es gleich laut werde und zu einem sprühenden Funkenflug komme. Dann dauerte es allenfalls eine halbe Minute, bis Reinhard Keute die Tür geöffnet hatte. Was dann folgte, war Applaus der Gottesdienstbesucher, die erleichtert und dankbar waren, „dass die Osternacht nun doch noch in der feierlichen Form ablaufen konnte, wie es sich gebührt“, so Bruder Benedikt.

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Auch der Kirchenchor hätte nicht singen können.

Bruder Benedikt über die Folgen der versperrten Tür zur Orgelbühne

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